Allianz-Aktie gibt nach
Finanztitel bestimmen den Dax

Die "Entflechtung des deutschen Finanzsektors" prägt das Börsengeschehen. Die Kursabschläge bei zahlreichen Bank- und Versicherungsaktien werden mit Gewinnmitnahmen begründet.

rtr FRANKFURT. Die mit der Übernahme der Dresdner Bank durch den Versicherer Allianz möglicherweise beginnende Entflechtung des deutschen Finanzsektors hat am Montag den deutschen Aktienmarkt geprägt. "Das Geschäft ist insgesamt ruhig, im Moment sind aber alle Augen auf die Versicherer und Banken gerichtet", sagte Chiem Pries von der DG-Bank in Frankfurt. Die bis zum Mittag verzeichneten Kurseinbußen bei den Standardwerten begründete er damit, dass viele Anleger nach den jüngsten Kurszuwächsen bei Finanzaktien nun Gewinne mitnähmen. Zudem belasteten rückläufige US-Futures den Markt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor bis zum Mittag um 1,4 % auf 5 748 Punkte. Am Neuen Markt fielen die Kurse im Schnitt um 0,75 %.

Die Allianz will die Dresdner Bank übernehmen und deren Aktionären für je zehn Aktien einen eigenen Anteilsschein sowie 200 ? anbieten. Insgesamt hat das Angebot damit einen Wert von gut 23 Mrd. ?. Die Allianz kündigte zudem an, Überkreuzbeteiligungen mit dem Rückversicherer Münchener Rück abzubauen. Im Zuge dieser Auflösung wird die Münchener Rück nach eigenen Angaben künftig 25,7 % an der HypoVereinsbank (HVB) halten. Bisher hielt die Münchener Rück an der HypoVereinsbank nach offiziellen Angaben 5,4 %, die Allianz 13,55 %, und die Dresdner weniger als fünf Prozent. Bereits in der vergangenen Woche hatten zahlreiche Finanzaktien deutlich an Wert gewonnen, nachdem erste, zunächst unbestätigte Informationen über das Vorhaben bekannt geworden waren.

"Die Entflechtung ist gut, der Markt wartet aber jetzt die Veröffentlichung weiterer Details zu der Übernahme ab", sagte ein Händler. So gebe es beispielsweise Spekulationen am Markt, wonach die Allianz an dem Nürnberger Discount Broker Consors interessiert sei. Am Neuen Markt stiegen die Titel von Consors daraufhin zeitweise um rund ein Fünftel an, gegen Mittag lag die Aktie mit 28,51 ? noch um rund 17 % im Plus. Händler sagten weiter, zudem werde schon über den Nachfolger für die Dresdner Bank im Dax spekuliert, und dabei tauche oft der Name des Finanzdienstleisters MLP auf. Die Aktien der im MDax notierten MLP zogen um mehr als 2,2 % an. Ebenfalls im Aufwind und damit gegen den Trend der übrigen Finanzwerte im Dax notierten die Titel der Münchener Rück mit einem Plus von 0,21 % auf 336,16 ?. Frank Stoffel, Analyst bei WestLB Panmure in Düsseldorf sagte: "Wir glauben, dass dies (die Aufstockung der HVB-Anteile bei der Münchener Rück) eine positive Sache ist." Dies ermögliche der Münchener Rück, Einfluss auf die Entscheidungen der HypoVereinsbank zu nehmen, da sie dann mehr als 25 % an der Bank halte. "Gut ist auch, dass die Münchener Rück die Risiken der HypoVereinsbank nicht übernehmen muss, da sie nicht vollständig konsolidiert wird."

Technologieaktien gehen mit der Markttendenz ins Minus

Die Aktien der Hypovereinsbank (HVB) drehten nach einem freundlichen Start ins Minus und lagen am Mittag rund ein Prozent unter dem Handelsschluss vom Freitag bei 60,54 ?. Die Aktien der Allianz gaben um 2,75 % auf 318 und die der Dresdner Bank um 1,34 % auf 50,70 ? ab. Die Aktie der Dresdner waren dabei mit mehr als 7,5 Mill. gehandelten Aktien mit großem Abstand Umsatzspitzenreiter im elektronischen Handelssystem Xetra. Die Titel der Commerzbank verloren um 1,66 % an Wert.

Ebenfalls zu den Verlierern gehörten Technologieaktien sowie die Titel von Volkswagen, die nach Angaben von Händlern von einer Herunterstufung durch eine Investmentbank belastet wurden. Die VW-Aktien gaben um mehr als 3,4 % nach. An der Spitze der Gewinnerliste standen mit einem Plus von rund 2,8 % auf 37,64 ? die Papiere von Preussag. Börsianer sagten, die am Freitag vorgelegten Geschäftszahlen wirkten sich positiv auf den Wert aus. Die Vorgaben für den deutschen Aktienmarkt aus den USA waren zunächst positiv, die maßgeblichen Futures drehten allerdings im Laufe des Vormittags leicht ins Minus und signalisierten damit einen leichteren Handelsauftakt an den US-Börsen. Die Werte im Nebenwertesegment MDax gaben im Schnitt um 0,65 % nach.

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