Allianz-Chef baut den Konzern zu einem internationalen Finanzdienstleister um
Allianz-Chef Schulte-Noelle: Der Macher steht unter Erfolgsdruck

Er ist die treibende Kraft des Wandels der deutschen Geldwirtschaft. Doch der Druck auf Schulte-Noelle ist groß: Nach zwei gescheiterten Anläufen muss der dritte Versuch jetzt gelingen.

Der Mann ist von imposanter Statur - rund 1 Meter 90 groß, immer tadellos elegant gekleidet im dunklen Anzug, die Haare angegraut. Auf der linken Backe fällt sofort ein markanter Schmiss aus Tübinger Studentenzeiten ins Auge. Im Gespräch gewinnt Schulte-Noelle die Sympathien, auch wenn er oft als kalt und berechnend charakterisiert wird.

Doch Henning Schulte-Noelle tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf. Der Allianz-Chef, einer der mächtigsten Manager in Deutschland, pflegt Zurückhaltung. Der 58-jährige promovierte Jurist zeigt sich nur ungern im grellen Licht der Öffentlichkeit. Er demonstriert seine Macht nicht, er arbeitet lieber im Verborgenen.

Damit verkörpert der Konzern-Chef perfekt das Credo der Allianz. Bescheidenheit ist Trumpf, lautet das Motto. So residiert der Konzern in München nicht in einem imposanten und glitzernden Bürogebäude, sondern leistet sich als Konzernzentrale einen einfachen weißen Zweckbau aus der Nachkriegszeit, der eher an ein Sanatorium erinnert. Die Büros der Vorstände sind schlicht, auch wenn sie Blick in den Englischen Garten haben.

Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Allianz-Chef Schulte-Noelle die Fäden der deutschen Wirtschaft zusammenlaufen. Der Konzern hält wie kaum ein anderer umfangreiche Beteiligungen an einer Vielzahl deutscher Großunternehmen. Insbesondere bei den bedeutendsten Banken und Versicherungen in Deutschland hat Schulte-Noelle ein gewichtiges Wort mitzureden. Mit der Münchener Rück - der weltgrößte Rückversicherer residiert gleich gegenüber - ist die Allianz eng verflochten. Die Kontakte sind traditionell gut, beide Konzerne halten untereinander eine Beteiligung von knapp 25%.

Die deutsche Geldwirtschaft wird umgekrempelt

Jetzt krempelt Schulte-Noelle gemeinsam mit Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler die deutsche Geldwirtschaft um. Am Ende werden, so wie es jetzt aussieht, zwei potente Allfinanzkonzerne stehen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schulte-Noelle und seine Allianz die treibenden Kräfte der Veränderungen sind.

Schon 1975 kam der gebürtige Essener Schulte-Noelle zur Allianz, zunächst in Köln und Aachen, dann nach München. 1988, mit 46 Jahren, wurde er in den Vorstand berufen. Im Oktober 1991 stieg er überraschend zum Vorstandschef auf. Er übernahm das Ruder in schwerer Zeit, schrieb die Allianz doch erstmals Verluste im eigentlichen Versicherungsgeschäft.

Schulte-Noelle machte den Konzern wieder fit und ging auf Expansionskurs, zunächst im angestammten Assekuranz-Geschäft. Seit größter Coup auf der Einkaufstour war die Übernahme des französischen Versicherers AGF Ende 1997. Dann baute er die Vermögensverwaltung als drittes Standbein neben der Lebens- und Sachversicherung auf. Es folgten die milliardenschweren Akquisitionen der beiden US-Asset-Manager Pimco und Nicholas Applegate. Schließlich gelang im November der Gang an die New Yorker Börse. Das Ziel: die Allianz als weltweit agierender Finanzkonzern. Ein Geheimnis des Erfolgs von Schulte-Noelle ist, dass er starke Persönlichkeiten in den Vorstand der Allianz holt. Ende 1999 hat er den damaligen Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman-Sachs, Paul Achleitner, abgeworben.

Im vergangenen Jahr sah es dann so aus, als würde Schulte-Noelle von der Erfolgsspur abkommen. Zwei Bankenfusionen scheiterten unter Allianz-Beteiligung kläglich. Seitdem stehen Schulte-Noelle und Achleitner unter Erfolgsdruck. Fest steht: Der dritte Versuch muss gelingen. Aber auch wenn diesmal alles nach Plan läuft und die Übernahme der Dresdner Bank klappt - Schulte-Noelle wird sich nicht im Erfolg sonnen. Zurückhaltung ist Pflicht bei der Allianz.

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