Allianz-Dresdner hofft auf das Altersvorsorgegeschäft
Riester-Rente wird zum Verkaufsschlager

Die gedämpfte Stimmung täuscht: Die Riester-Rente ist kein Ladenhüter. Der Versicherer Allianz als größter Anbieter setzt seine Hoffnungen auf das zweite Halbjahr. Dann sollen alle Unsicherheiten bei den Arbeitnehmern ausgeräumt sein. Außerdem ist mit weiteren Anreizen zu rechnen, die das Geschäft zusätzlich ankurbeln werden.

FRANKFURT/M. Das schleppende Geschäft mit der Riester-Rente soll bald an Schwung gewinnen. Nach der Einschätzung von Joachim Faber, Vorstandsmitglied der Allianz, wird im dritten und vierten Quartal dieses Jahres eine Abschlusswelle auf die Anbieter zusätzlicher privater und betrieblicher Altersvorsorge zurollen.

Wie er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt betonte, seien vor allem die Arbeitnehmer derzeit noch bei der Riester-Rente verunsichert. "Die Belegschaften schauen auf die Unternehmen und wollen die konkreten Altersvorsorgeangebote ihrer Arbeitgeber erst einmal abwarten. Das bremst das Geschäft." Viele Anbieter hätten auch Kosten und Schwierigkeiten bei der technischen Abwicklung der Verträge unterschätzt, ergänzt Fabers Stellvertreter im Allianz Dresdner Asset Management (Adam), Joachim Mädler.

Die gedämpfte Stimmung spiegelt sich auch in einem Kommentar von Michael Scharr, Vorstand der Sparkassen Baden-Württemberg-Versicherung wider. Er beklagt, dass die Riesterrente sehr kompliziert sei und die Kunden viel Beratung benötigten. Bei einem Potenzial von 20 Mill. Verträgen für die zusätzliche private Altervorsorge seien zum Anfang des Jahres erst 1,4 Mill. Verträge abgeschlossen worden. Mit 350 000 Kontrakten habe die Allianz den größten Anteil vor der Viktoria-Versicherung (300 000) und den öffentlichen Versicherern (240 000).

Ähnlich wie Faber sehen auch andere Branchenexperten einen Boom im Geschäft mit der Altersvorsorge voraus. Marc Thiele von Commerzbank Securities rechnet im Gesamtjahr mit 3 bis 4 Mill. Neuverträgen - vor allem im zweiten Halbjahr. Allianz-Vorstand Faber erwartet außerdem, dass von der Riester-Rente zusätzliche Impulse für das Geschäft mit der Altervorsorge ausgehen. "Viele Unternehmen werden ihren Arbeitnehmern über die Riester-Rente zusätzliche Vorsorgeprodukte anbieten." Damit solle die Bindung an die Firma gestärkt werden.

Ohnehin wird das nicht die letzte Rentenreform sein, wenn die Einschätzung von Thiele stimmt. Er geht von Nachbesserungen und stärkeren Anreizen aus, die nach den Wahlen im September greifen dürften, um die Rentenversicherung weiter zu entlasten. Hoffnung hat auch Peter König von Morgan Stanley. Er sieht seit zwei Wochen einen Silberstreif am Horizont: das Verfassungsgerichtsurteil zur Vereinheitlichung der Besteuerung von Renten und Beamtenpensionen. König: "Es könnte zum Anlass genommen werden, alle kapitalgedeckten Rentenprodukte nachgelagert zu besteuern." Eine solche Harmonisierung biete auch die Chance zur Reform der Riester-Reform. Das würde zu einem weiteren Schub in der Altersvorsorge führen.

Die Allianz geht bis 2008 von 3 Mill. Verträgen und einem Prämienvolumen von 2,4 Mrd. aus. Diese Schätzung erscheint der Commerzbank aufgrund der erwarteten Nachbesserungen zu niedrig. Faber warnt allerdings vor überzogenen Hoffungen: "Über Jahre wird man in diesem Segment kein Geld verdienen." Der administrative Aufwand sei sehr hoch, gleichzeitig würden in der Anfangsphase nur sehr kleine Beiträge fließen.

Bei der Einschätzung der Wettbewerbschancen im Altersvorsorgemarkt trauen Branchenkenner der Allianz viel zu. Der Versicherungskonzern werde Marktführer bei der betrieblichen Altersvorsorge sein, betont Commerzbank-Vertreter Thiele. Faber sieht sich insbesondere nach der Integration der Dresdner Bank in den Allianz-Konzern gut aufgestellt. "Die gebündelte Expertise in den Bereichen Versicherung und Vermögensverwaltung ist ein großer Vorteil", glaubt er.

Ein erster Erfolg ist die Metallrente. Die Allianz organisiert die betriebliche Vorsorge für die 3,6 Millionen Beschäftigen der metallverarbeitenden Industrie. Weitere Vertragsabschlüsse mit Partnern im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge stehen laut Allianz-Vorstand kurz bevor. So sind die Münchener auch bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit im Rennen. Bisher hat nur ein weiterer Vermögensverwalter einen ähnlich großen Partner gefunden. Die Hypo-Vereinsbank schloss mit der Chemietarifpartnern einen entsprechenden Altersvorsorgevertrag ab.

Im internationalen Vergleich steht "Adam" mit einem verwalteten Vermögen von knapp 1 200 Mrd. auf Platz zwei (Grafik). Faber sieht sich mit seiner weltweiten Strategie im derzeitigen Konsolidierungsprozess in der Fondsbranche gut aufgestellt. Größere Zukäufe seien nicht geplant. Das gelte auch für Japan. Aufgrund der Altersvorsorgeperspektive bietet der europäische Markt nach den Worten von Mädler die größten Wachstumschancen. Über gute Geschäftsmöglichkeiten verfüge man bereits in Italien und in Frankreich mit dem Versicherer AGF. Faber: "In Spanien haben wir einen Asset Manager gegründet, hier wie in Frankreich fehlt es noch an Distributionskraft." Angestrebt wird hier ein Nettoabsatz in den nächsten drei bis vier Jahren von bis zu 1,5 Mrd. jährlich.

In der internationalen Strategie spielt Asien auch eine wichtige Rolle. "In fünf Jahren wird Altersvorsorge auch in Fernost ein großes Thema sein; die Chancen sind gut, weil es dort noch keine großen Vermögensverwalter gibt", glaubt er. Seit 2001 kooperiert die Dresdner Bank mit Guotai Junan Securities, einem der größten chinesischen Wertpapierhäuser, im Fondsbereich. Im Zukunftsmarkt China werde die Allianz wahrscheinlich zu den ersten drei Adressen zählen, die eine Lizenz zum Angebot von Anlageprodukten erhalten würden, hofft Faber.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%