Allianz erwägt, Attentate als Angriff gegen Bündnis zu werten
Nato-Staaten berieten über Reaktion auf Terroranschläge

Die Nato-Staaten haben am Mittwoch über mögliche Reaktionen auf die verheerende Terrorwelle in den USA beraten. Konkret ging es um den Vorschlag einer Deklaration, nach der ein terroristischer Angriff gegen die USA als Angriff auf alle Mitgliedsstaaten zu werten ist.

ap WASHINGTON. Die Beratungen gingen jedoch am Mittwochabend ohne eine Entscheidung zu Ende. Nato-Sprecher Yves Brodeur erklärte, die Mitgliedstaaten wollten schnell, aber umsichtig handeln. Es habe keine Diskussion über eine mögliche militärische Intervention gegeben. Ein US-Regierungssprecher sagte, sollte die Erklärung verabschiedet werden, wäre dies ein starkes Signal der Unterstützung. Die Deklaration würde jedoch nicht automatisch bedeuten, dass die Verbündeten den Kampf der USA gegen den Terrorismus auch militärisch unterstützten.

Die Beratungen in Brüssel drehten sich um den Artikel V der Nato-Charter, nach dem ein Angriff auf einen Partner einen Angriff gegen die gesamte Allianz darstellt. Der niederländische Außenminister Jozias van Aartsen, der sich zu einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel aufhielt und an den Beratungen nicht teilnahm, erklärte, es sei noch zu früh um vorauszusehen, ob die Angriffe in New York und Washington als Angriffe auf alle Nato-Staaten gewertet werden könnten.

US-Außenminister Colin Powell telefonierte am Mittwoch mit Nato-Generalsekretär George Robertson, wie ein Sprecher des Ministeriums erklärte. Es sei um die Abstimmung mit den Nato-Partnern gegangen. "Die Vereinigten Staaten können sich auf ihre 18 Alliierten in Nordamerika und Europa verlassen", sagte Robertson. Die Nato wies Berichte zurück, sie wolle die Pläne für ein Treffen der Nato-Außenminister am 26. und 27. September in Neapel überdenken. "Solche Pläne gibt es nicht", sagte ein Sprecher.

Die Nato wies ihr ziviles Personal am Mittwoch vorsorglich an, nicht zur Arbeit zu kommen.Die rund 3000 Mitarbeiter am Hauptquartier der Allianz in Brüssel waren bereits am Dienstagnachmittag aus Sicherheitsgründen vorzeitig nach Hause geschickt worden.

Der Nato-Rat der 19 Botschafter war schon am Dienstagabend zu einer Sondersitzung zusammengekommen. In einer Erklärung hieß es nach der Sitzung: "Die Nato-Staaten verurteilen einstimmig diese barbarischen Akte gegen ein Nato-Mitglied." Die Attentate hätten die Notwendigkeit unterstrichen, den Kampf gegen den Terrorismus zu verstärken. "Einen Kampf, den die Nato-Staaten und alle zivilisierten Länder gewinnen müssen." In diesem kritischen Moment könnten sich die USA auf ihre 18 Partner in der Nato und in Europa verlassen, die Hilfe und Unterstützung leisten wollten, hieß es weiter. "Unsere Botschaft an das amerikanische Volk lautet, dass wir bei Ihnen sind." Die Drahtzieher der Attentate würden nicht davonkommen.

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