Allianz: Gesamtbelastung von bis zu 700 Millionen Euro
Anschläge in USA kosten deutsche Versicherer Milliarden

"Die Schadensbelastung für die Gruppe kann erheblich sein", sagte eine Sprecherin der Münchner Rück als weltgrößtem Unternehmen der Branche am Mittwoch.

ddp-vwd MÜNCHEN. Nach der Münchener Rückversicherung gab am Mittwochabend auch die Allianz Versicherung eine erste Schätzung über die Schadensumme ab. Demnach geht der Konzern von einer Gesamtbelastung von bis zu 700 Millionen Euro (1,37 Milliarden Mark) aus. Daher rechne die Allianz mit einem Rückgang des Jahresgewinns von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf knapp über zwei Milliarden Euro im laufenden Jahr.

Die Münchener Rückversicherung erwartet Forderungen von bis zu einer Milliarde Euro (rund 1,96 Milliarden Mark). Allerdings sei es wegen der "Komplexität der Zusammenhänge" zu früh für eine genaue Einschätzung, teilte die Versicherung am Nachmittag in München mit. Der Schaden werde zwar das Jahresergebnis der Gruppe «deutlich beeinträchtigen», den Konzern aber nicht gefährden. Analysten hatten mit einer deutlich höheren Belastung gerechnet. Der Aktienkurs des Rückversicherers legte daraufhin deutlich zu.

Selbst auf Ereignisse der Größenordnung wie in den USA sei die Münchener Rück "ausreichend vorbereitet", teilte der Konzern mit. So habe die Versicherung in den vergangenen zehn Jahren von der Schadensumme her durchaus vergleichbare Ereignisse wie die Winterstürme in Europa von 1999 oder den Hurrikan "Andrew" von 1992 bewältigt. Die bisher größte Belastung im Vergleich zum Portfolio verkraftete die Versicherung nach eigenen Angaben im Jahre 1906 beim Erdbeben in San Francisco.

Der Rückversicherer Hannover Rück hat noch keine Übersicht über die Auswirkungen. "Es wird Tage, wenn nicht Wochen dauern, eine Einschätzung der Schäden vornehmen zu können", sagte Sprecher Ralf Arndt in Hannover.

Die Schweizer Swiss Re geht nach "ersten, groben Schätzungen" davon aus, dass sich die eigene Schadenssumme auf rund 1,2 Mrd. Schweizer Franken (rund 1,56 Mrd Mark/800 Mill. Euro) beläuft. Neue Informationen könnten diese Schätzungen allerdings beeinflussen, teilte einer der weltgrößten Rückversicherungskonzerne in Zürich mit. "Angesichts der Umstände und der Komplexität dieses Ereignisses wird es einige Zeit beanspruchen, das Schadensausmaß zu beziffern", hieß es.

Wegen des relativ engen Markts werde aber wohl nahezu jedes Rückversicherungsunternehmen betroffen sein. Allerdings seien durch gegenseitige Absicherungen die Risiken "atomisiert" und könnten somit auch in Größenordnungen wie dieser Katastrophe getragen werden. So schwer das auch falle, so müsse jetzt dennoch geprüft werden, welche Schäden in welchem Umfang abgedeckt seien. "Möglicherweise ist nicht alles versichert", sagte Arndt. So könnten Verträge Schäden als Folgen von Kriegs- oder Terroreinwirkung ausschließen. Hier werde es Lösungen geben, zum Beispiel über Fonds die Schäden zu regulieren.

Nach Einschätzung eines US-Versicherungsexperten gehen die Schäden in die Milliarden Dollar. "Angesichts dieser Attacken sah der Anschlag 1993 auf das World Trade Center aus wie ein Gebäudefeuer", sagte der Sprecher des US-Verbandes der unabhängigen Versicherer, Joe Annotti, nach US-Medienberichten. Nach dem damaligen Anschlag waren nach Angaben des Versicherungsinformationsinstituts in New York Schadensmeldungen in Höhe von 510 Mill. Dollar (mehr als 1,1 Mrd. DM) eingegangen. Die Bombe, die 1995 ein Bundesgebäude in Oklahoma zerstörte, führte zu Schadensmeldungen von 125 Mill. Dollar.

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