Allianz-Kapitalerhöhung
Analyse: Gut versichert

Der Allianz lacht das Glück des Tüchtigen. Noch vor kurzem hatte es so ausgesehen, als ob die Kapitalerhöhung des Versicherungsriesen nur mit Hängen und Würgen durchzubringen wäre. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.

Die Chancen für eine erfolgreiche Transaktion sind inzwischen gut. Die Münchener haben nicht nur Glück gehabt und von der verbesserten Stimmung an der Börse profitiert. Sie haben im Zusammenspiel mit den Banken auch von ihrer Seite aus alles getan, damit die Aktienemission reibungslos über die Bühne geht. Zu diesem Zweck haben sie sogar ein neues Platzierungskonzept entwickelt.

Noch vor wenigen Wochen hatten Sorgen und Ängste die Allianz-Vorstände geplagt. Angesichts der schlechten Stimmung für Versicherungen und der Furcht vor einem langen IrakKrieg hatten spekulative Hedge Funds auf fallende Kurse gesetzt und durch Allianz-Verkäufe für Kursdruck gesorgt. Hinzu kam die drohende Bonitätsverschlechterung der Gruppe durch die Ratingagenturen. Die unglückselige Verflechtung des Münchener Dreigestirns Allianz, Münchener Rück und Hypo-Vereinsbank tat ein Übriges. Auf Grund der gegenseitigen Beteiligungen schwächelten schnell alle drei, sofern nur einer von ihnen unter Kursdruck geriet.

Schließlich sah sich die Allianz gezwungen, die Spirale nach unten durch eine Kapitalerhöhung zu durchbrechen - entgegen allen vorherigen Beteuerungen. Die Flucht nach vorne trat auch die Münchener Rück an, die sich mit Hilfe einer besonders gestalteten, mehrere Milliarden schweren Anleihe zusätzliches Eigenkapital verschaffte. Beide Maßnahmen kamen bei den Anlegern im Vorfeld gut an. Der Erfolg gab den Entscheidungen bislang Recht. Der Bond des Rückversicherers ist bereits platziert. Die Konditionen fielen deutlich besser als erwartet aus. Das gab Auftrieb für den Allianz-Kurs und war ein gutes Vorzeichen für den am Dienstag startenden Handel mit den Bezugsrechten für neue Aktien.

Dass es so kommen würde, konnte die Allianz jedoch nicht wissen. Deshalb ging der Versicherer bereits in der Planung auf Nummer sicher. Er vereinbarte mit den Konsortialbanken einen Mindestkurs, der von den Instituten garantiert wird. Aus gutem Grund: Großaktionäre wie die Münchener Rück ziehen bei der Kapitalerhöhung teilweise nur in begrenztem Umfang oder gar nicht mit. Deswegen müssen Aktien in zweifacher Millionenhöhe anderweitig platziert werden - kein einfaches Unterfangen. Allerdings haben sich auch die Konsortialbanken etwas einfallen lassen, was in Deutschland sicherlich Schule machen wird. Die neuen Aktien werden in großem Umfang bereits vor der Emission an institutionelle Investoren verkauft. Es kann hier also nicht mehr viel passieren.

Das Geschäft lohnt sich für alle Beteiligten. Die Allianz bringt ihre Emission in jedem Fall durch, auch wenn es zu einem unerwarteten Einbruch an den Märkten kommen sollte. Die Banken können in schwierigen Zeiten endlich wieder einmal ordentliche Gebühreneinnahmen verbuchen. Und Großinvestoren wie Fonds eröffnen sich neue Geschäftsfelder. Denn die Institutionellen übernehmen die Risiken nicht aus purer Freundschaft. Für ihre Dienste reichen ihnen die Banken etwa die Hälfte ihrer Provision weiter. Und die liegt bei etwa drei bis vier Prozent von 4,4 Milliarden Euro.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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