Allianz schneidet beim Ranking am besten ab
Aktionärsbriefe enthalten zu viel Selbstlob

Aktionärsbriefe sind zu unpersönlich und voller Selbstlob. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kommunikations- und Imageberatungs-Gesellschaft Piwinger.

HB FRANKFURT. Der Wuppertaler Kommunikationsexperte Manfred Piwinger und der Sprachwissenschaftler Helmut Ebert von der Universität Bonn haben die 30 Geschäftsberichte des Jahrgangs 2001 der Unternehmen im Deutschen Aktienindex genauer unter die Lupe genommen. Dabei fiel auf, dass die meisten Aktionärsbriefe nicht glaubwürdig seien, weil sie zu viel Selbstbezug und zu häufig unverbindliche Phrasen enthielten.

Der Aktionärsbrief erscheint in regelmäßigen Abständen im Geschäftsbericht von Aktiengesellschaften und soll den Anteilseignern Aufschluss über den Geschäftsverlauf des Unternehmens geben. Doch genau dies käme zu kurz, bemängeln Piwinger und Ebert. Schlechte Ergebnisse würden schöngeredet oder versteckt, eigenes Fehlverhalten nicht in Betracht gezogen. Die Studie verweist aber auch auf positive Beispiele. Danach stammt der mit Abstand beste Aktionärsbrief vom Vorstandsvorsitzenden des Allianz-Konzerns. Die Versicherungs-Gesellschaft belegt in dem zum zweiten Mal durchgeführten Ranking den ersten Platz. Die Sprache sei persönlich, verständlich und auf das Wesentliche beschränkt, loben die Kommunikations-Wissenschaftler.

Ebenfalls auf den oberen Plätzen rangieren Adidas Salomon, SAP und BASF. Den Autoren der Untersuchung ist zudem positiv aufgefallen, dass im Vergleich zum Vorjahr weniger Fremdwörter verwendet werden und dass sich einige Texte um mehr Erläuterungen bemühen würden.

Den letzten Platz in der Rangliste teilen sich die Lufthansa und die Deutsche Telekom. Im Aktionärsbrief der Deutschen Telekom ist den Autoren Piwinger und Ebert vor allem aufgefallen, dass mit Bilanzkennzahlen jongliert würde, die Verluste beinahe wie Gewinne erscheinen ließen. "Jedes Wort signalisiert eine Erfolgsstory - und macht die Lektüre und die Suche nach der Wahrheit für den Privatanleger zur Detektivarbeit", kritisiert Manfred Piwinger. Bei der Fluggesellschaft mit dem Kranich im Wappen fanden die Autoren sogar inhaltliche Fehler. Da "beschließt" etwa ein Vorstand, die Dividende zu streichen, obwohl er dies nur vorschlagen kann.

Die Chance, das Medium "Brief" für den Aufbau von Verbindlichkeit und Vertrauen zu nutzen sei vertan, urteilen Piwinger und Ebert. In einigen Fällen würde das Vertrauen der Anleger sogar leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Wenn man bedenkt, dass ein Geschäftsbericht leicht ein bis zwei Millionen Euro kosten kann, wird ersichtlich, dass dadurch nicht nur die Wirkung des Aktionärsbriefes gemindert, sondern auch Geld verbrannt wird, lautet das Urteil der Autoren.

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