Allianz soll Autohersteller aus der Verlustzone bringen
Opel erwartet Kostenvorteile in Milliardenhöhe

Der angeschlagene Autohersteller Opel hofft nach operativen Verlusten im dritten Jahr in Folge in diesem Jahr auf schwarze Zahlen. Der Marktanteil im Inland ging jedoch in den ersten fünf Monaten weiter zurück. Entlastung auf der Kostenseite soll die GM-Allianz mit Fiat bringen.

hz FRANKFURT/M. Der Rüsselsheimer Autohersteller Opel erwartet Milliardeneinsparungen aus der Allianz seines Mutterkonzerns General Motors (GM) mit dem italienischen Hersteller Fiat. Das Bündnis mit den Italienern werde "enorme Synergien erschließen", sagte Opel-Chef Robert Hendry gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Die Allianz werde GM - und vor allem Opel - sowie Fiat zusammen nach drei Jahren 2,5 Mrd. DM und nach rund fünf Jahren etwa 4 Mrd. DM an Kostenvorteilen bringen. Opel konnte im vergangenen Jahr seinen Verlust deutlich verringern und will 2000 wieder in die Gewinnzone fahren. Um im laufenden Jahr aber wieder schwarze Zahlen zu schreiben, müsse in Deutschland die derzeit schwache Nachfrage wieder anspringen.

Der Marktanteil der Tochter des US-Giganten sank in den ersten fünf Monaten dieses Jahres weiter auf 12,2 %. Die Hälfte des Rückgangs sei darauf zurückzuführen, dass Opel zur Zeit nicht genug Dieselmotoren produziere. Ziel für das Gesamtjahr sei es, den Marktanteil bei 13,8 % zu stabilisieren. Hendry ist damit weit von seinem selbst gesteckten Ziel entfernt, Opel wieder auf einen Marktanteil von 17 % zu bringen.

Europaweit konnte die Marke Opel jedoch die Schwäche auf dem heimischen Markt weitgehend kompensieren. In Frankreich gab es in den ersten fünf Monaten beim Absatz ein Plus von 16,9 %, in Spanien von 22 % und in Italien einen Zuwachs von 9,5 %. "Diese Entwicklung macht uns zuversichtlich, dass wir die allgemeine Nachfrageschwäche durch steigende Exporte ausgleichen können", sagte Hendry.

Das Traditionsunternehmen aus Rüsselsheim muss nun aufpassen, nicht zwischen die Mühlsteine Detroit und Turin zu geraten. Noch im Sommer wollen die Amerikaner und die Italiener Gemeinschaftsunternehmen für die wichtigen Bereiche Einkauf und Antriebskomponenten gründen. Daran angehängt werden dann auf nationaler Ebene die jeweils ausgegliederten Abteilungen. Die Sparte Antrieb soll dabei von einem Fiat-Manager, die Holding für den gemeinsamen Einkauf von einem GM-Manager geführt werden. Aus Deutschland werden etwa 4 500 Mitarbeiter von Opel in die neuen Gemeinschaftsunternehmen ausgelagert. Davon kommen allein etwa 1 500 aus dem Internationalen Technischen Entwicklungszentrum am Stammsitz Rüsselsheim. Über die genaue Beteiligung von Opel an den beiden Holding-Gesellschaften wollte Hendry keine Angaben machen.

Obwohl Opel betriebsbedingte Kündigungen ausschließt und die Beibehaltung sozialer Standards bei den Gemeinschaftsfirmen zusichert, herrscht nach wie vor große Verunsicherung in Rüsselsheim. Durch die Arbeitsniederlegungen der vergangenen Woche rollten rund 10 000 Autos weniger vom Band.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Opel trotz eines Rekordumsatzes einen operativen Verlust von 225 (Vorjahr: 344) Mill. DM und fuhr damit im dritten Jahr in Folge in die Verlustzone. Hauptursache seien die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung gewesen. Rechnet man die Einnahmen der inländischen Töchter heraus, ergibt sich für 1999 ein Minus von 649 Mill. DM nach einem Minus von 802 Mill. DM im Jahr zuvor. Nach Steuern wies Opel einen Jahresfehlbetrag von 81 Mill. DM aus, nachdem im Vorjahr durch Sondereffekte noch ein Gewinn von 576 Mill. DM verbucht worden war. Der Umsatz kletterte 1999 um 5,8 % auf 32,02 (30,26) Mrd. DM. Bis Ende 2001 soll wieder ein dreistelliger Millionengewinn erzielt werden. Dazu sollen die Verwaltungskosten reduziert und bis Ende dieses Jahres rund 2000 Stellen abgebaut werden.

Zu Gerüchten über seinen vorzeitigen Rücktritt versicherte Hendry, er werde den Chefsessel nicht räumen. "Ich bleibe bei Opel, um dieses 138 Jahre alte deutsche Unternehmen auch weiterhin mit allen Kräften auf seinem Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu unterstützen", so der Opel-Chef.

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