Allianz übernimmt Dresdner
Kommentar: Diese Prämie ist eine Enttäuschung

Der Preis, den die Allianz für die Übernahme der Mehrheit an der Dresdner Bank bezahlen will, wird die freien Aktionäre nicht begeistern. Mit einem Aufschlag von bescheidenen drei Prozent auf den Börsenkurs vom vergangenen Freitag verdient die "Prämie", die der Münchener Finanzkonzern den privaten und institutionellen Investoren bietet, diesen Namen wohl kaum - auf die Reaktion an der Börse darf man also gespannt sein. Dass der Übernahmepreis gegenüber dem Dresdner-Schlusskurs vom 23. März - also vor den ersten Spekulationen über die Dresdner-Übernahme durch die Allianz - eine Wertsteigerung von immerhin noch 26 Prozent darstellt, ist aus Sicht der Anleger nur ein schwacher Trost.

Doch des einen Leid ist des anderen Freud: Die Architekten der Übernahmestruktur bei Allianz und Dresdner, allen voran die Investment-Banker Paul Achleitner und Leonhard Fischer, haben offenbar alles darangesetzt, einen Kaufpreis für die Dresdner-Aktie zu finden, der die Kasse des Versicherungsriesen nicht strapaziert. Dafür wiederum dürften die freien Allianz-Aktionäre dankbar sein: Aus ihrer Sicht macht der Konzern wohl ein gutes Geschäft. Dresdner-Chef Bernd Fahrholz wiederum dürfte zufrieden sein, eine Bank in den Allianz-Konzern einzubringen, die immerhin einen Gesamtwert von 29 Milliarden Euro auf die Waage bringt. Die Allianz-Gruppe kommt fast auf den dreifachen Wert.

Wie sich die Aktienkurse von Allianz und Dresdner Bank mittel- und langfristig entwickeln, hängt nun davon ab, wie tief greifend und schnell der Zusammenschluss und damit die Allfinanz-Idee im Tagesgeschäft in die Tat umgesetzt wird. Neue Strukturen produzieren erfahrungsgemäß zunächst einmal Unsicherheit bei Mitarbeitern und Kunden. Erst wenn sich abzeichnet, dass die Vertriebskosten sinken und die Gewinne steigen, werden auch die freien Aktionäre ihre Freude an der Übernahme haben.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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