Allianz und Münchener Rück unter massivem Verkaufsdruck
Telekom-Aktie drückt Dax unter 4000 Punkte

Ein Rekordverlust der Deutschen Telekom-Aktie sowie der ungebremste Kursverfall an den US-Leitbörsen haben den Deutschen Aktienindex (Dax) am Montag stark belastet und unter die 4000-Punkte-Marke gedrückt.

rtr FRANKFURT. "Die Leute wollen nur noch ihre Aktien loswerden", sagte Aktienstratege Matthias Jörss von Sal. Oppenheim. Dabei werde zwischen Unternehmen und Branchen nicht länger unterschieden. Bei der Telekom gehen die Anleger Händlern zufolge vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Dienstag zunehmend davon aus, dass der unter Druck geratene Telekom-Chef Ron Sommer im Amt bleiben wird. Bedenken gegen den als möglichen Nachfolger ins Gespräch gebrachten bisherigen Technik-Vorstand Gerd Tenzer führten am Montag zu einem Kurssturz von mehr als 15 %, dem größten Tagesverlust seit dem Börsengang 1996.

Unter massiven Verkaufsdruck standen auch die Aktien der im Dax schwergewichteten Versicherer Allianz und Münchener Rück. Gegen den Trend konnten dagegen Schering-Titel zulegen.

Der Dax schloss 5,28 % schwächer bei 3912 Punkten und fiel damit auf den tiefsten Stand seit dem 24. September 2001. Der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 sank um 3,8 % auf 511 Punkte. Der Nebenwerte-Index MDax notierte 2,29 % tiefer bei 3662 Punkten. Bereits in der Vorwoche hatten der Dax und der Nemax50 rund acht Prozent eingebüßt.

In den USA tendierten die Börsen ebenfalls schwächer. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt verlor Der Dow-Jones-Index 3,90 % und die Technologiebörse Nasdaq 2,43 %.

Der Euro erreichte an den Devisenmärkten erstmals seit Februar 2000 wieder die Parität zum Dollar und profitierte Marktteilnehmern zufolge dabei von einer breiten Dollar-Schwäche im Zuge des Vertrauensverlustes der Investoren in US-Finanzanlagen. Zeitweise kletterte die europäische Gemeinschaftswährung bis auf 1,0089 Dollar. Der Trend werde sich fortsetzen, hieß es.

Tenzer als Sommer-Nachfolger umstritten

Am deutschen Aktienmarkt brach die T-Aktie um 15,16 % auf 10,30 ? ein und büßte damit knapp acht Mrd. ? an Marktkapitalisierung ein. In den vergangenen Tagen hätten viele Anleger auf einen starken Sommer-Nachfolger und einen Strategiewechsel spekuliert, sagten Händler. Da nun weder das eine noch das andere zu erwarten sei, gebe das Papier die starken Kursgewinne der beiden Vorwochen weitgehend wieder ab.

"Wir hatten uns zu früh gefreut", sagte Fondsmanager Boris Böhm von Nordinvest mit Blick auf die Personalspekulationen bei der Telekom. "Jetzt kriegen wir immer mehr Signale, dass es eine interne Lösung geben könnte. Das würde nicht zu der nötigen Änderung führen, die das Unternehmen braucht."

Bis zu acht Prozent schwächer präsentierten sich die Titel der Allianz und der Münchener Rück. Die Versicherer seien ein Opfer der insgesamt schwachen Aktienmärkte, sagte Analyst Ralf Dibbern von M.M. Warburg. Mit dem Kursverfall sinke der Wert der Kapitalanlagen der Lebensversicherer, die daher ihre Reserven angehen müssten, um zum Beispiel ihren Kunden Versicherungssummen und Renditen zu zahlen.

Die Papiere der Deutschen Bank würden dagegen durch Spekulationen um Wertberichtigungen von rund neun Mrd. Dollar unter Druck gesetzt, sagten Börsianer. Die Aktien gaben 5,19 % auf 63,90 ? nach. Dem US-Wirtschaftsblatt "Business" zufolge sollen im Zusammenhang mit den Übernahmen der US Bankers Trust-Finanzinstitute und Scudder Asset Management im zweiten Quartal bis zu 8,9 Mrd. Dollar an Unternehmenswerten und sonstigen Aufwendungen abgeschrieben werden.

Schering - und Thiel-Aktien im Aufwind

Gegen den schwachen Markttrend stiegen die Aktien von Schering um 0,77 % auf 52,10 ?, was Händler mit einer technischen Reaktion begründeten. Zum Ende der Vorwoche hatten die Titel zeitweise rund 15 % verloren. Am Neuen Markt verteuerten sich die Anteilsscheine von Thiel Logistik um 37,39 % auf 3,16 ?. Trotz der jüngsten Negativ-Meldungen wie der drastischen Prognosereduzierung gebe es aggressive Käufer am Markt, sagten Börsianer. Sie betrachteten das Kursniveau offenbar als günstig. Thiel wies am Montag Vorwürfe zurück, Anleger verspätet über das schwache Geschäft im zweiten Quartal und die nötige Senkung der Jahresprognose informiert zu haben.

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