Allianz will Fortschritte sehen: Schulte-Noelle erhöht Druck auf Fahrholz

Allianz will Fortschritte sehen
Schulte-Noelle erhöht Druck auf Fahrholz

Neuer Stil bei der Allianz: Konzernchef Henning Schulte-Noelle droht der Konzerntochter Dresdner Bank jetzt öffentlich. Wenn die Bank ihre Probleme nicht löst, schließt er einen Verkauf oder die Zerschlagung der Bank nicht mehr aus. Das erhöht den Druck auf den umstrittenen Dresdner-Chef Bernd Fahrholz.

cbu/pot MÜNCHEN. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle will offenbar seinem Nachfolger den Start erleichtern, indem er jetzt unangenehme Lösungen für Probleme bei seiner größten Akquisition angeht. Noch bis Ende April hat er die Zügel bei Europas größtem Versicherer fest in der Hand. Am 29. April soll ihm dann Michael Diekmann folgen. Und der wird einen Berg von Problemen erben.

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit erhöht Schulte-Noelle den Druck auf die schwer angeschlagene Konzerntochter Dresdner Bank. "Weil die Kapitalmärkte derzeit so schwierig sind, braucht die Dresdner Bank Zeit, ihre Probleme zu lösen. Schafft sie das nicht, stehen alle Optionen offen", droht der Allianz-Chef ungewöhnlich offen in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Bisher hatte sich der Konzernchef mit solchen Äußerungen in der Öffentlichkeit zurück gehalten und das heikle Thema "Dresdner Bank" weitgehend seinen Vorstands-Kollegen Helmut Perlet und Paul Achleitner überlassen.

"Ich stehe dafür, dass jede Gruppengesellschaft und jeder große Geschäftsbereich eine angemessene Eigenkapitalrendite erwirtschaften muss, egal ob im Bereich Versicherung, Bank oder Asset Management. Wer diesen Nachweis auf Dauer schuldig bleibt, stellt sich selbst infrage", fügt Schulte-Noelle an. Damit scheint auch ein Gesamtverkauf oder eine Zerschlagung der Dresdner nicht mehr ausgeschlossen. Sowohl die Dresdner Bank als auch die Allianz versuchten gestern zwar, die Wogen zu glätten. Schulte-Noelle habe nichts anderes gesagt als bei früheren Gelegenheiten auch, spielte ein Dresdner-Bank-Sprecher die Äußerungen herunter.

Fest steht aber, dass damit der Druck auf die Dresdner Bank und ihren Chef Bernd Fahrholz nochmals steigt. Ohnehin gilt die Position von Dresdner-Chef Bernd Fahrholz innerhalb des Konzerns als geschwächt, das Vertrauen in seine Position schwindet. "Der ist gehörig unter Druck", heißt es aus dem Konzern. Unter anderem wird Fahrholz vorgeworfen, nicht entschlossen genug vorzugehen. Noch im vergangenen Sommer hatte der Bankchef geklagt, er fühle sich als "Sandwich" zwischen den Interessen der Bank in Frankfurt und der Allianz-Zentrale in München. Im September hatte er seine berufliche Zukunft mit dem Erreichen der Gewinnzone Ende 2003 verbunden.

Ob Fahrholz das angesichts der momentanen Bankenkrise gelingen wird, ist offen. Auch Commerzbank und Hypo-Vereinsbank haben schwer zu kämpfen. Die Deutsche Bank konnte nur dank milliardenschwerer Beteiligungsverkäufe ein gutes Ergebnis für 2002 vorlegen. Für 2003 erwarten alle Banker schwieriges Fahrwasser. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass sich spätestens im zweiten Halbjahr entscheidet, ob Fahrholz gehen muss. Denn nach den Zahlen für das erste Halbjahr ließe sich absehen, ob er seine Ziele erreichen kann.

Die Allianz-Aktie lag gestern leicht im Minus. Analysten meinten, ein Verkauf der Dresdner sei unwahrscheinlich. "Es würde mich überraschen, wenn die Allianz sich ganz von der Dresdner Bank trennen würde", sagte WestLB-Experte Carsten Zielke. Aber ein Abstoßen des hochdefizitären Investment-Bankings oder des Firmenkundengeschäfts liege im Bereich des Möglichen. Damit würde die Dresdner auf eine reine Retailbank gestutzt.

Der Vorgang ist bemerkenswert, weil Schulte-Noelle bisher fest zu Fahrholz stand. Auch jetzt verteidigte Schulte-Noelle die 24 Mrd. Euro-Übernahme der Bank: "Ob die Übernahme der Dresdner Bank eine strategische Fehlentscheidung war, kann man nicht nach eineinhalb Jahren beurteilen. Ich akzeptiere die Kritik an ihren schlechten Zahlen, bleibe aber zuversichtlich, dass sich die Richtigkeit des Zusammengehens erweisen wird." Das endgültige Urteil bleibt wohl Nachfolger Diekmann vorbehalten.

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