Allianz will künftig jede Spende veröffentlichen
Industrie ändert nach CDU-Finanzskandal ihre Parteispendenpraxis

Die Zahl der Unternehmen, die gar nicht spenden wollen, erhöhte sich von 31 auf 49 %. Allianz will künftig jede Spende veröffentlichen

ap BERLIN. Mehrere deutsche Großfirmen haben als Konsequenz aus dem CDU-Finanzskandal ihre Parteispendenpraxis geändert. Der Versicherungskonzern Allianz in München will die Parteien zwar in Zukunft wieder unterstützen, aber jede Parteispende veröffentlichen. Das habe der Vorstand beschlossen, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Der DaimlerChrysler-Konzern hält dagegen an seiner Entscheidung fest, vorerst alle Parteispenden auszusetzen. Nach einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) wollen fast 50 % der Firmen in Zukunft auf Parteispenden verzichten.

Ebenso wie mehrere andere Unternehmen hatte die Allianz nach Bekanntwerden der Spendenaffäre im Januar beschlossen, den Parteien zunächst kein Geld mehr zu geben. Mittlerweile habe der Vorstand entschieden, sagte der Unternehmenssprecher: "Wir wollen weiterhin spenden, weil wir es für wichtig halten, dass die Arbeit der demokratischen Parteien unterstützt wird." Dabei gehe es vor allem um die Arbeit der einfachen Parteimitglieder, die ehrenamtlich arbeiteten. "Aber wir wollen künftig volle Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit schaffen."

DaimlerChrysler wartet Untersuchungsausschuss ab

DaimlerChrysler will dagegen erst einmal die Ergebnisse des parlamentarischen Aufklärungsarbeit abwarten. Auch der Stuttgarter Konzern hatte Anfang des Jahres beschlossen, "den Anfragen von Parteien vorerst nicht mehr zu entsprechen". Jetzt wolle man abwarten, ob die Arbeit des Untersuchungsausschusses dazu führe, dass am Ende neue Richtlinien erarbeitet würden, sagte ein Unternehmenssprecher. "Dann werden wir neu entscheiden." Den Rechenschaftsberichten der Parteien zufolge hatte DaimlerChrysler 1998 an SPD und CDU jeweils 185 000 DM gespendet.

Die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) befragte schon im Februar 237 Firmen nach ihren Konsequenzen aus dem CDU-Finanzskandal. 43 % dieser Firmen hatte die CDU/CSU in der Vergangenheit unterstützt. Bei der Umfrage erklärten sich nur noch 29 % dazu bereit. Die Zahl der Unternehmen, die gar nicht spenden wollten, erhöhte sich von 31 auf 49 %. Seither habe sich die Stimmung keineswegs geändert, betonte ASU-Geschäftsführer Hans Stein. "Unsere Mitglieder sind nach wie vor sehr reserviert."

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