Allianz will weiter expandieren
Kommentar: Schulte-Noelle im Vorwärtsgang

Der Expansionshunger der mächtigen Allianz ist noch lange nicht gestillt. Das machte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle gestern nach der beschlossenen Übernahme der Dresdner Bank unmissverständlich deutlich. Die Allianz werde im Markt "aktionsfähig und tatendurstig bleiben", meinte der Konzernchef gestern in Frankfurt. Und er versprach zugleich, nicht den Fehler vieler Konkurrenten zu machen und sich künftig nur noch mit sich selbst zu beschäftigen. Die anderen Banken und Versicherer werden die Worte aufmerksam verfolgt haben.

Schulte-Noelle fährt im Vorwärtsgang - und ist nicht gewillt, auch nur für kurze Zeit den Fuß vom Gas zu nehmen. Der Münchener Assekuranz-Konzern ist schon seit Jahren auf Expansionskurs. Mit hohem Tempo und dennoch im Stillen wandelt sich die Allianz zu einem global agierenden Finanzdienstleister. Jetzt steigt der Konzern hinter der amerikanischen Citigroup und der britischen HSBC zur Nummer drei der weltweiten Geldbranche auf. Aber die vollständige Übernahme der Dresdner Bank - zum Schnäppchenpreis und geschickt durch Beteiligungsumschichtungen finanziert - ist nur ein Zwischenschritt.

Dabei dürfte die Integration der Dresdner Bank in den Allianz-Konzern schwierig werden. Intern hat die Frankfurter Großbank mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen. Und auch nach außen passt das Auftreten so gar nicht zur demonstrativen Zurückhaltung des Münchener Versicherers. Zudem dürfte es Komplikationen mit dem deutschlandweiten Netz von Allianz-Vertretern geben, die jetzt zu Recht um ihre Position fürchten. Auch der geplante Börsengang der Investment-Sparte Dresdner Kleinwort Wasserstein ist mit Unsicherheiten verbunden.

Doch Schulte-Noelle hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Allianz Zukäufe relativ geräuschlos und effizient, aber hart in der Sache integrieren kann. Die Übernahmen des französischen Versicherers AGF oder des US-Vermögensverwalters Pimco etwa beweisen, dass es dabei weder zu einem großen Imageverlust noch zu einem massiven Exodus von Spitzenmanagern kommen muss. Das Rezept: Die neuen Töchter behalten nach außen weitgehende Unabhängigkeit, bis hin zum Markenauftritt. Intern wird aus München aber streng auf Einhaltung der Plangrößen geachtet.

Aber die Übernahme der Dresdner Bank löst nur einen Teil der Allianz-Probleme. So wird zwar ein wertvoller neuer Vertriebsweg für Versicherungspolicen und Geldanlageprodukte erschlossen. Die Eingliederung des Publikumsfonds-Anbieters DIT schließt zudem eine große Lücke im Geschäftsfeld Vermögensverwaltung. Mit einem verwalteten Vermögen von jetzt über 1000 Milliarden Euro schließt die Allianz dabei zu den Top-Größen der Branche auf. Trotzdem stärkt die Dresdner-Übernahme nur das Deutschlandgeschäft.

Der Allianz-Ansatz hingegen ist international. Das Vertriebsnetz außerhalb Deutschlands weist noch Lücken auf. So spricht der Konzern offenbar mit internationalen Adressen wie Merrill Lynch über Kooperationen. Und in den USA, in Großbritannien sowie in den aufstrebenden Staaten Südostasiens sind die Münchener auf der Suche nach Lebensversicherern, um ihre Position als Versicherer nachhaltig zu stärken.

Und eine weitere Baustelle wird die Allianz-Manager in Zukunft beschäftigen: der Abbau des umfangreichen Beteiligungsbesitzes an deutschen Industriekonzernen. Nicht zuletzt dadurch wird die Kriegskasse der Allianz in den kommenden Jahren gut gefüllt sein. Mit weiteren Überraschungen aus München ist also zu rechnen

.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%