Allianzen mit Pharmakonzernen nehmen zu
Statt Fusionen erwartet Biotech-Branche nun die Pleitewelle

"Der Biotech-Branche fehlt vor allem unternehmerisches Know-how", meint Matthias Schönermark, Professor für Biotechnologie-Management in Hannover. Auch deshalb finde die schon seit einem Jahr von vielen Experten angekündigte Konsolidierung der Biotech-Branche durch Firmenzusammenschlüsse nicht statt. Der Markt werde sich vielmehr durch Firmenpleiten bereinigen.

mwb MÜNCHEN. Vielen deutschen Unternehmen dürften in den nächsten 18 Monaten die finanziellen Mittel aus den Börsengängen ausgehen. Kapital sei zu knapp, um Beteiligungen zu erwerben, und ein Aktientausch scheitere häufig wegen der drastischen Bewertungsabschläge. Aber auch eine Fusion sei kein Allheilmittel. "Aus zwei Fußkranken wird noch lange kein Sprinter", sagt Schönermark. Zudem hätten viele deutschen Biotech-Firmen wie MWG das Problem, dass sie stark von Gründern geprägt seien, deren oberstes Ziel die Unabhängigkeit ihres Unternehmens sei. Dies erschwere bei mittelfristig zu kleinen Unternehmen die Partnersuche.

Generell würden bei Allianzen unterschiedliche Firmenkulturen, Einstellungen der Gründer, Verwurzelung der Strategie und notwendige Managementkapazitäten zu wenig bedacht. Aber es gebe auch positive Beispiele wie die Kooperation des Wirkstoffentwicklers Vertex mit Novoratis.

In der Biotech-Industrie gescheitert ist aber auch Matthias Schönermark selbst. Der ehemalige Berater von Boston Consulting hatte 14 Monate lang versucht , die durch Missmanagement des Firmengründers Michael Weichselgartner in völlige Schieflage geratene MWG-Biotech AG zu sanieren. Er wollte nach eigener Aussage den Hersteller technischer Geräte für die Biotech-Forschung gesundschrumpfen und nur noch rentable Geschäftsbereiche erhalten, die anderen schließen oder verkaufen. Die Partnersuche scheiterte. Der Firmengründer - immer noch Mehrheitseigentümer - trug das Konzept nicht mit, weil er alle Geschäftsbereiche erhalten wollte. Schönermark verließ vor einem Monat das Unternehmen. Jetzt baut er in Hannover als Professor einen Lehrstuhl für Biotechnolgie-Management auf und verarbeitet seine jüngsten Erfahrungen.

Während es kaum zu Zusammenschlüssen unter den Biotech-Firmen kommt, steigt die Zahl der Allianzen mit Pharmakonzernen. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat im Jahr 2001 750 solcher strategischen Allianzen gezählt. Im Jahr zuvor waren es nur 646 gewesen. Bei der Mehrzahl sei bei einem Einstieg des Pharmakonzerns in einer Frühphase des Biotechunternehmens tendenziell zu viel bezahlt worden, während in späten Phasen eher zu wenig bezahlt wurde.

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