Allied-Irish: Händler wollte Verluste wettmachen

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Allied-Irish: Händler wollte Verluste wettmachen

Angeblich hat der amerikanische Devisenhändler Rusnak die Allied Irish Bank um 750 Mill. Dollar erleichtert, weil er Verluste ausgleichen wollte.

HB/dpa BALTIMORE/DUBLIN. Der amerikanische Devisenhändler John Rusnak hat seinen Arbeitgeber, die irische Großbank Allied Irish Bank um 750 Mill. Dollar erleichtert. Angeblich stand jedoch nicht die Absicht dahinter, sich selbst zu bereichern. Vielmehr wollte er verlustreiche Transaktionen wettmachen. Das berichtet das Wall Street Journal in seiner Online-Ausgabe und zitiert US-Vernehmungsbeamte.

Der 37-jährige Rusnak hat nach Angaben der Zeitung erklärt, er habe eine Serie schlechter Investments für Rechnung der Bank gemacht, die er mit anderen Geschäften ausgleichen wollte. Dafür hätte sich er eine geheime Strategie zurecht gelegt. Die Bemühungen seien fehlgeschlagen als die Finanzmärkte fielen. Parallelen zum Fall der britischen Baring-Bank durch den Börsenhändler Nick Leeson sind unverkennbar. "Er sagte, er hätte in verschiedene Unternehmen investiert und der Aktienmarkt wäre gefallen", sagte ein FBI-Beamter. "Also versuchte er, seine Verluste auszugleichen, rutschte jedoch immer tiefer ins Minus." Jetzt sei die wichtigste Frage, ob er autorisiert zu solchen Investments gewesen sei.

Daher sei es zu früh festzustellen, ob nicht genehmigte Investments ein strafrechtlicher Verstoß seien, erklärte die US-Bundespolizei FBI nach Angaben der Zeitung. Bisher ist keine Anklage gegen Rusnak erhoben worden. Obwohl die Untersuchungen noch in den Anfängen stecken und das FBI Rusnak weiterhin beobachtet, um herauszufinden, ob er versteckte Guthaben besitze, mache er nicht den Anschein eines Veruntreuers. Obwohl er nach seiner Entdeckung durch Bankmitarbeiter nicht mehr zur Arbeit erschienen sei, hätte er Baltimore nicht verlassen. "Es sieht nicht so aus als habe er 750 Mill. Dollar unterschlagen und habe eine Insel in der Karibik", erklärte ein FBI-Beamter nach Angaben der Wall Street Journals.

Allied-Sprecher bekräftigten unterdessen, die zwischen Anfang 2001 und letztem Monat liegenden Handlungen von Rusnak seien nicht autorisiert gewesen. Allied-Vorstandsvorsitzender Michael Buckley erklärte: "Es gibt keinen Zweifel, dass Rusnak in betrügerische Handlungen involviert war."

Rusnaks Anwalt David Irwin lehnte jeden Kommentar zu den Vorwürfen ab. Er sei sich jedoch völlig sicher, die Untersuchungen würden ergeben, dass sein Mandant der Bank nichts gestohlen habe.

Devisenhändler und andere Bankmitarbeiter vermuten, Rusnak könnte interne Kontrollen dadurch umgangen haben, indem er mit anderen Bankmitarbeitern zusammengearbeitet habe, die seine Tätigkeit eigentlich überprüfen sollten.

Rusnak hatte ein tägliches Handelslimit von 2,5 Mill. Dollar, berichtete die "New York Times" heute in ihrer Online-Ausgabe. Ein Devisenhändler erklärte der Zeitung, es sei unmöglich, dass Rusnak Verluste von 750 Mill. Dollar akkumuliert haben könnte, ohne dieses Limit zu übertreffen. Rusnak habe "betrügerische Optionen kreiert", erklärte Frank P. Bramble, der Verwaltungsratsvorsitzende der Allfirst, der Zeitung. Er habe sie vor dem Aufsichtssystem verstecken können.

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