Alliierte haben Nachschubprobleme: Boden-Offensive zunächst offenbar gestoppt

Alliierte haben Nachschubprobleme
Boden-Offensive zunächst offenbar gestoppt

Die USA haben am Sonntag erneut die irakische Hauptstadt Bagdad bombardiert. Auch im Norden des Landes kam es wieder zu Luftangriffen. Die Offensive der Bodentruppen gegen Bagdad dürfte indes nach Angaben aus US-Militärkreisen noch für Tage, wenn nicht sogar für Wochen pausieren. Es hieß, es gehe darum, Vorräte aufzufüllen. Die Armeeführung hat eine Pause bisher nachdrücklich bestritten.

Reuters BAGDAD. Nach Angaben von Kommandeuren im US-Hauptquartier soll der militärische Druck auf die irakische Führung und ihre Truppen unvermindert aufrecht erhalten werden.

Die Kämpfe bei Nadschaf, wo am Vortag bei einem Selbstmordanschlag vier amerikanische Soldaten getötet worden waren, und Kerbala gingen weiter. Auch nahe der südirakischen Stadt Basra kam es Fernsehberichten zufolge wieder zu Gefechten. Generalstabschef Richard Myers sagte in einem Interview, der härteste Teil des Krieges stehe noch bevor.

Zu Protesten gegen den Krieg kam es in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, wo Zehntausende demonstrierten. Erstmals demonstrierten auch in Peking Kriegsgegner.

Zahlreiche Explosionen im Zentrum Bagdads

Im Stadtzentrum von Bagdad und in den südlichen Vororten waren am Morgen zahlreiche Explosionen zu hören. Schwarzer Rauch von brennendem Öl hing über dem Süden der Stadt. Dort haben die Iraker Gräben mit Öl gefüllt, das sie anzünden, um die Angriffe zu erschweren. "Wir hören von weitem die dumpfen Einschläge von den Explosionen", sagte Reuters-Korrespondent Nadim Ladki. Im Stadtzentrum gab es über Nacht vier schwere Explosionen. Auch aus den Außenbezirken Bagdads waren bei Morgengrauen wieder Explosionen gemeldet worden. Reuters-Fernsehjournalisten berichteten, Ziel der Angriffe sei ein Komplex innerhalb des Präsidentenpalastes gewesen, der von Kusai, Präsident Saddam Husseins Sohn, genutzt werde.

In Washington erklärte ein US-Militärvertreter, die Angriffe hätten einem Ausbildungslager der Fedajin von Saddam Hussein gegolten, das im Osten Bagdads vermutet wird. Zudem seien ein Präsidentenpalast, ein Gebäudekomplex des Geheimdienstes und eine Raketenstellung bombardiert worden.

Bodentruppen rund 80 Kilometer südlich von Bagdad

Der Vormarsch der Bodentruppen, die bis auf rund 80 Kilometer südlich von Bagdad vorgedrungen sind, soll nach Angaben aus Militärkreisen entgegen frührere Angaben nun offenbar eine längere Pause einlegen. Bereits am Samstag war aus US-Militärkreisen verlautet, die amerikanischen und britischen Truppen hätten wegen Nachschubproblemen und wegen des irakischen Widerstands ihren Vormarsch unterbrochen. US-Soldaten in Zentralirak sagten am Sonntag, ihnen sei erklärt worden, der Vormarsch könne sogar einige Wochen pausieren.

Nach Einschätzung von Generalstabschef Richard Myers können sich die Streitkräfte der USA und Großbritanniens Zeit lassen. Vom Fernsehsender BBC nach der Dauer des Krieges gefragt, sagte er, der härteste Teil des Krieges stünde noch bevor.

Kämpfe bei Nadschaf und Kerbala

Unterdessen setzten die Alliierten nördlich von Nadschaf und bei Kerbala in Zentralirak ihre Angriffe fort. Bei Nadschaf rund 160 Kilometer südlich von Bagdad kam schwere Artillerie gegen irakische Kämpfer zum Einsatz. Weiter nördlich bei Kerbala nahmen die US-Truppen mit Raketen und Artillerie Stellungen der irakischen Republikanischen Garden unter Beschuss.

Auch die zweitgrößte irakische Stadt Basra war weiter umkämpft. Der arabische Fernsehsender El Dschasira meldete Explosionen rund um Basra am Sonntagmorgen. Zudem gebe es Hinweise auf starken irakischen Widerstand. Am Samstag hatte in britischer Armeesprecher gesagt, ein Ende der Belagerung der Stadt sei derzeit noch nicht absehbar.

Seit Kriegsbeginn gab es nach Militär-Angaben auf Seiten der USA mindestens 32 Gefallene sowie 104 Verletzte. Sieben US-Soldaten seien gefangen genommen und 15 gälten als vermisst. Auf britischer Seite habe es bislang 20 Tote gegeben. Fünf Soldaten seien bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen.

Die internationalen Proteste gegen den Irak-Krieg gingen am Sonntag in Indonesien und China weiter. Zehntausende gingen bei in Jakarta auf die Straßen. In Peking, wo die chinesische Regierung Demonstrationen in der Regel verhindert, versammelten sich rund 200 Ausländer vor der US-Botschaft zu einer von der Regierung gebilligten Anti-Kriegsdemonstration.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%