Alljährlich grüßt zur Cebit die Konvergenz-Diskussion
Telekom mit neuer Strategie

Für die Telekom war es eine gute Nachricht. Mit dem ZDF hat der Onlinedienst der Deutschen Telekom erstmals einen bekannten Inhalte-Anbieter gewonnen. Das Fehlen attraktiver Inhalte hatten Analysten in letzter Zeit als wichtigsten Grund dafür genannt, dass der T-Online-Kurs auf Tiefständen verharrt. Nebenbei zieht T-Online höchsten Nutzen aus dem neuen Medienstaatsvertrag, der dem Partner ZDF verbietet, sein Programm zusammen mit Werbung online zu vermarkten: Damit brauchte das ZDF einen Internet-Zugangsvermittler, der ihm den Online-Auftritt finanziert. T-Online wiederum kann davon profitieren, dass möglicherweise mehr Nutzer länger im Angebot des größten deutschen Internet-Zugangsanbieters verweilen.

Weil das ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender seinen Online-Auftritt nicht über Werbung allein finanzieren darf, musste es die Kröte Exklusiv-Vertrag schlucken. Vermarktungs-Exklusivität liegt überhaupt nicht im Interesse eines Anbieters attraktiver Inhalte. Alle Portale werden sich auf die Suche nach Nachrichten auch mit Ton und Bild begeben. Für die bekannte Nachrichtenmarke "Heute" kann das ZDF nun keine weiteren Vertriebspartner im Internet finden.

Die Partnerschaft T-Online/ZDF ist also eine spezielle Pflanze auf dem weiten Feld der Konvergenz. Konvergenz ist eines der stets zur Cebit-Zeit beschworenen Themen und meint das Zusammenwachsen ursprünglich getrennt entwickelter Technologien. Fernsehen und Internet heißt das diesjährige Konvergenzthema, und man darf gespannt sein, was davon Realität wird.

Vor zwei Jahren wurde unter dem Begriff das Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk vorausgesagt, außerdem die Integration von Sprache und Daten in einem Kommunikationsnetz. Heute sind es die auf dem Internetstandard IP basierenden Netze, die den Sieg davon getragen haben, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Vermittlung von Sprache daran komplett angepasst sein wird. So baut auch die Telekom ihre weltweite IP-Netzinfrastruktur massiv aus. Von Analysten bisher zu Unrecht kaum beachtet, könnte die neue Netzgesellschaft T-Network schon bald so manchem konkurrierenden Glasfasernetzbetreiber das Wasser abgraben.

Konvergenzthemen gibt es immer wieder

Vom Zusammenwachsen von Mobilfunk und Festnetz jedoch redet in diesem Jahr auf der Cebit niemand mehr. Selbstverständlich nutzen auch Mobilfunkanbieter zwischen ihren Funkstationen Glasfaser-Festnetze, doch damit endet die Zusammenarbeit, wiederum gut illustriert am Telekom-Konzern. In T-Network bündelt die Telekom künftig sämtliche Netze - mit Ausnahme des Mobilfunks.

Vermutlich wird es in einigen Jahren durchaus so sein, dass Fernsehen und Internet integriert sind. Wahrscheinlich wird aber auch diese Konvergenz in einigen Jahren anders aussehen als Technologiepropheten heute glauben. Passen das Passiv-Konsumenten-Medium Fernsehen und das Aktiv-Nutzer-Medium Internet wirklich zusammen? Und wenn ja, wie? Wie werden sich Lizenzverträge und der Umgang mit Urheber- und Senderechten im gesamten Verlags-, Musik- und Filmgeschäft entwickeln? Werden es tatsächlich Portale wie T-Online oder AOL sein, über die wir mit PC und Handy ins Internet gelangen? Aber wer weiß, vermutlich gibt es im nächsten Jahr zur Cebit ein anderes heiß diskutiertes Konvergenz-Thema.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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