Allroundtalent mit unerschöpflichem Ideenvorrat: Lothar-Günther Buchheim wird 85

Allroundtalent mit unerschöpflichem Ideenvorrat
Lothar-Günther Buchheim wird 85

Der als Maler, Fotograf, Filmemacher, Verleger, Sammler, Kunstbuch- und Romanautor hervorgetretene Buchheim wird am 6. Februat 85 Jahre. Sein 1973 erschienener dokumentarischer Roman "Das Boot" machte Furore.

HB/dpa MÜNCHEN. Eigentlich müsste sich Lothar-Günther Buchheim rundum wohlfühlen und die Beine hochlegen. Im Kampf um ein eigenes Museum ist er wie "Phönix aus der Asche aufgestiegen", und seine Schätze sind nach einer über 30-jährigen Odyssee nun endgültig in Bernried am Starnberger See vor Anker gegangen. Eine derartige Erfolgsgeschichte schreibt das Leben selten, und so verwundert es nicht, dass sein Kunstbau "Museum der Phantasie" heißt.

Doch Buchheim wäre nicht Buchheim, wenn es das schon gewesen wäre. Eingegraben zwischen Büchern und Manuskripten sitzt der Verleger, Sammler und Autor, der am Donnerstag (6. Februar) seinen 85. Geburtstag feiert, an seinem selbstgezimmerten Schreibtisch über weiteren Projekten. Seine Unternehmenslust ist ungebrochen. "Wir zählen zu den drei erfolgreichsten Museen in Bayern", erzählt Buchheim nicht ohne Stolz.

"Noch im Februar gibt es in unserem Museum eine große Ausstellung mit Arbeiten von Otto Mueller aus der Sammlung", sagt der Sammler, der einige der besten Bilde des "Brücke"-Malers besitzt. In den 60er Jahren schrieb Buchheim das erste große Buch über den Künstler, das noch heute ein Standardwerk ist. Leider habe er nicht genügend Geld gehabt, sonst hätte er gern noch weitere Werke des "deutschen Modigliani" erworben.

Doch das sind für ihn Kleinigkeiten im Vergleich zu den täglichen Anforderungen, die Zeit kosten und ihn von anderen Dingen abhalten. "Es bleibt noch so viel zu tun", meint der vielseitige Mann, der als Maler, Fotograf, Filmemacher, Verleger, Sammler, Kunstbuch- und Romanautor hervorgetreten ist. Tausende von Fotografien, Bildern, Notizen und nicht zuletzt die überbordenden Sammlungen wollen "gezähmt" und noch geordnet werden.

Den Grundstein für seine heute äußerst wertvolle und international hoch geachtete Sammlung des deutschen Expressionismus und französischer Kunst des 20. Jahrhunderts hatte der kampferprobte und wortgewaltige Poltergeist von Feldafing schon sehr früh gelegt. Mit sicherem Griff kaufte er diese im "Dritten Reich" als "entartet" gebrandmarkten Bilder, als sie noch für wenig Geld zu haben waren.

"Ich habe aber nie spekulativ gekauft", sagt Buchheim. Ihm sei es um eine Rehabilitierung dieser Kunst gegangen. Gerade auch weil München sie als "Hauptstadt der Bewegung" öffentlich diffamiert habe, sei es an der Zeit gewesen, dieser wegweisenden Kunstrichtung in Bayern ein Zuhause zu geben. "Hier gehört sie im doppelten Sinne hin", meint er.

Furore machte Buchheim jedoch nicht nur als Kunstsammler und Fotograf. Sein 1973 erschienener dokumentarischer Roman "Das Boot", eine ebenso packende wie minutiöse Niederschrift seiner Erfahrungen als U-Boot-Berichterstatter im Zweiten Weltkrieg, wurde auf Anhieb ein international beachteter Bestseller und auch in der aufwendigen Verfilmung von Wolfgang Petersen weltweit zu einem Kassenschlager. Gegen das Vergessen und die nachträgliche Verherrlichung des mörderischen U-Boot-Kriegs richtete sich auch sein 1 500 Seiten starker Nachfolgeroman "Die Festung", der ebenfalls ein großer Erfolg wurde.

Hinter dem leidenschaftlichen Sammler, Autor und Verleger muss der Maler Buchheim etwas zurückstehen. Doch auch hier zeigt der vielseitig Begabte sein offensichtlich von der Mutter, einer Malerin, ererbtes Talent. Eine umfassende Ausstellung seiner Arbeiten war 1983 im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum zu sehen. Bereits mit 15 Jahren hatte der in Weimar geborene und in Chemnitz aufgewachsene Buchheim seine erste Ausstellung. Zeichnungen daraus sind zum Teil noch heute im Dresdner Kupferstich-Kabinett zu sehen. Daneben schrieb er mehrere Kunstbücher, in denen es um den Expressionismus ging. Für Buchheim war das Sammeln von Kunst nie Selbstzweck.

"Eigentlich ist deswegen auch der Begriff Sammler falsch. Ich wollte einfach Bilder um mich haben, aber keine Kunstschätze horten. Für mich gehören Kunstsammlungen in den Besitz der Öffentlichkeit, und dies will ich mit meiner Stiftung und dem Museum erreichen", betont Buchheim, "wenn ich nicht das Gefühl hätte, die Welt verändern zu können, würde ich nicht mehr weitermachen."

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