Alltagsnotizen 2002
Beckhams Frisur gegen die neue Währung

Was sollte in einer Zeitkapsel stecken, die man aus dem Jahr 2002 in die Zukunft schicken will? Was war - abseits der großen Politik - typisch oder im Alltag neu, was erhitzte die Gemüter? Ein Anwärter auf den Platz in der Kapsel wäre wohl sicher: der Euro.

HB/dpa HAMBURG. Andere Kandidaten wären die Digital-Kamera, der batteriebetriebene Milchschäumer sowie der Parka - und dann gäbe es da noch die Frisur eines gewissen David Beckham. Aber der Reihe nach.

Ein bisschen war es am Anfang des Euro-Zeitalters wie im Urlaub. Glitzernde, fremde Münzen lagen da auf einmal im Portemonnaie, rote, grüne und blaue nagelneue Scheine knisterten zwischen Führerschein und EC-Karte. Über Wochen war das neue Geld Gesprächsthema Nummer eins, an den Supermarktkassen wurde über Preise diskutiert, die Euromünze aus dem Nachbarland herumgereicht und vor allem gerechnet. Hatte sich da jemand vertan? Kosteten Pizza und Kinobesuch, Butter und Brötchen jetzt auf einmal viel mehr? Die "Teuro"-Debatte begann: Verbraucherschützer machten Abzocker aus, Wirtschaft, Handel und Verbände wehrten sich vehement.

Mit dem alten und dem neuen Geld sei es wie wie mit den Menschen, genauer mit den Frauen, meinten Psychologen. Die Mark war eine "Traumpartnerin", der Euro ist eine "unberechenbare Gefährtin", ergab zumindest eine Studie des Kölner Marktforschungsinstituts ifm. Und auch wenn es für die Währung viel Lob und sogar den Aachener Karlspreis gab, dürfte TV-Moderator Harald Schmidt so manchem aus der Seele gesprochen haben: "Mit dem Euro macht es keinen Spaß mehr. Das Gehalt ist so klein."

Spaß hatten die Deutschen hingegen 2002 an High-tech und Spielereien wie Cappuccino-Maschinen oder batteriebetriebenen Milchschäumern. Und mit einer Digital-Kamera hat sich offensichtlich schon eine ganze Väter-Generation ausgerüstet: Kaum eine Geburt vergeht, ohne dass danach Bilder vom Nachwuchs per Computer die Runde machen und Fotos per E-Mail an Schulfreunde oder an die Kollegen im Büro verschickt werden. Ganze 2,4 Millionen digitale Kameras, so schätzt die Fotoindustrie, haben sich die Deutschen in diesem Jahr gekauft. Der klassische Dia-Abend könnte da vom Aussterben bedroht sein, es sei denn, die Retrowelle erfasst auch dieses Stück deutscher Alltagskultur.

In der Mode ist ein alter Bekannter wieder aufgetaucht: der Parka, gern in oliv mit Deutschlandflagge. Noch vor ein paar Jahren englischen Trendmagazinen vorbehalten, sah man ihn in diesem Jahr überall. "Die Einkaufsstraßen der Großstädte ähneln neuerdings Truppenübungsplätzen", notierte die "Zeit". Das Langweiler-Image von früher, die Erinnerung an Parkaträger, die in der Jackentasche alte Bürsten trugen - ist vorbei. Die Retrowelle lässt hip werden, was früher als modische Strafe galt.

Ebenfalls aus den späten 70er Jahren zurückgekehrt ist die punkige Irokesenfrisur, allerdings in einer deutlich gezähmten Variante, die wenig als Elternschreck taugt. Der erste Träger dieses "Salon- Irokesen" war wohl der englische Fußballer David Beckham. Dessen gegelter Hahnenkamm sah zwar ein wenig so aus, als habe sich ein Stinktier auf seinem Kopf schlafen gelegt, wie ein Kritiker mäkelte. Das hielt aber Deutschlands Herren nicht davon ab, mit Beckham- Bildern zum Friseur zu gehen. So trugen auch der Fußballer Stefan Effenberg, Sänger Sasha und TV-Moderator Tobi Schlegel den Hahnenkamm. David Beckham sieht inzwischen schon wieder anders aus - ein Irokesen-Bild gehört aber trotzdem in die Zeitkapsel 2002.

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