Alltours plant bereits zweite Sparrunde
Reiseveranstalter drehen an der Preisschraube

Der Chef des Reiseveranstalters Alltours, Willi Verhuven, spielt den Spielverderber. "Keinen Preiskampf" hatten die Manager der großen Reisekonzerne Preussag und Thomas Cook trotz monatelanger Buchungsflaute als Parole für dieses Jahr ausgegeben. Anschließend drehten sie mit zum Teil drastischen Rabatten für Familien selbst an der Preisschraube.

Reuters HANNOVER/OBERURSEL. Alltours, Nummer fünf der deutschen Reisebranche und größter konzernunabhängiger Veranstalter, pflegt dagegen seinen aggressiven Stil, senkt seinen Kinderfestpreis und plant bereits die zweite Sparrunde, erneut mit Preisen teilweise unter den Frühbuchertarifen. Die Branche ist verärgert und hat teilweise bereits reagiert. Die Preussag-Tochter TUI hat ihre Kinderfestpreis-Aktion um einen Monat verlängert.

Andere Veranstalter prüfen intern weitere Nachlässe. Für die meisten gestaltet sich dies als überaus schwieriger Balanceakt. Einerseits zögern trotz wieder besserer Buchungszahlen vor allem Familien mit einer Entscheidung für den gemeinsamen Sommerurlaub. Andererseits hat die Branche flächendeckenden Preisnachlässen wie in den neunziger Jahren eine Absage erteilt. Damals wurden Reisen in größeren Kontingenten mit Verlust verkauft, nur um Umsatz zu machen. "Eigentlich sollten alle gelernt haben", beschwörte wiederholt der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes Klaus Laepple die eigene Zunft.

Zur Angebotsstrategie von Alltours gibt es kaum einen offiziellen Kommentar der Konkurrenz. Bereits vor wenigen Wochen auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin löste der neue Family-Sparkatalog Verhuvens Verwunderung und Verärgerung aus. "Mit Preisen unterhalb der Frühbuchertarife vergrault man sich doch die eigenen Kunden", sagt ein Touristikmanager eines Konkurrenten. "Das können wir uns nicht leisten." Gern wird darauf verwiesen, dass Alltours seinen Gewinn im vergangenen Jahr nicht mit dem operativen Geschäft erwirtschaftet hat, sondern aus den Finanzerträgen der Vorauszahlungen.

In der Duisburger Alltours-Zentrale gibt man sich gelassen. "Das sind übliche Sonderangebote. Die hat es immer gegeben", sagt Sprecherin Sybille Jeschonek. Beschwerden von Frühbuchern, die jetzt erleben müssen, dass sie mit mehr Geduld noch günstiger an ihre Urlaubsreise hätten kommen können, seien bislang nicht bekannt. Zum Teil seien die Angebote in den Sparkatalogen auch mit den regulären Urlaubsreisen nicht vollständig identisch.

Doch auch Marktführer TUI liegt mit seinen Kinderfestpreisen von 199 Euro teilweise unter den eigenen Frühbucherpreisen. "In einem solchen Fall können unsere Kunden umbuchen", sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann. Doch hängt die Preussag-Tochter dies nicht an die große Glocke. Zumal Konzernchef Michael Frenzel immer wieder gern betont, nicht der Umsatz sei das Ziel, sondern eine ordentliche Rendite. Zusätzlich zu den Kinderfestpreisen folgen beim Marktführer TUI in Kürze weitere Spezialangebote für die Monate April bis Juni. "Solche Specials gab es allerdings schon 2000 und 2001", ergänzt Zimmermann.

Wenn demnächst auch Alltours für die generell buchungsschwachen Monate April bis Juni mit aggressiven Preisen die zweite Preisrunde einläutet, dürften auch andere stärker unter Druck geraten. Bei der deutschen Tochter des britischen Konzerns My Travel, FTI Frosch Touristik, in München wird an einer Neuauflage sämtlicher Kataloge gearbeitet. "Es wird sicher Preiskorrekturen geben, aber kein Preisdumping", sagte Sprecherin Kornelia Kneissl. Beim wichtigsten Pauschalveranstalter der Rewe Touristik, ITS, hieß es dagegen ebenso wie beim Branchenzweiten Thomas Cook, derzeit gebe es keine weiteren Überlegungen für Nachlässe. "Wir liegen bei Neckermann und Kreutzer bereits günstig", sagte Cook-Sprecherin Kerstin Heinen.

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