Alptraum für Vertriebsleute
Die Riester-Rente ist besser als ihr Ruf

Die Riester-Rente hat bisher mehr Ärger als Freude gemacht. Die Anbieter sind enttäuscht, weil zu wenige Anleger zugreifen.

hb DÜSSELDORF. Außerdem beschweren sie sich, weil bei den betrieblichen Angeboten die Genehmigung zu schleppend verläuft. Die Metallindustrie streitet sich mit der Allianz, weil der Versicherungskonzern ihrer Meinung nach zu wenig das betriebliche Konzept der Branche fördert, für das er die Federführung übernommen hat. Die Union kündigt an, dass sie im Falle eines Wahlsiegs alles unkomplizierter machen möchte, weil bisher kaum jemand das Konzept versteht. Die Verbraucherschützer waren von vornherein skeptisch gegenüber den Produkten, weil sie überwiegend von Versicherern angeboten werden, denen sie seit jeher mit Misstrauen begegnen. Kleinere Finanzdienstleister, die sich die aufwendige Riester-Bürokratie nicht leisten können, sind schnell mit der Behauptung bei der Hand, die Riester-Rente lohne sich gar nicht.

Die Kritik ist zum Teil berechtigt: Die Bestimmungen zur Riester-Rente leiden wirklich unter dem urdeutschen Hang zur Perfektion - ein Alptraum für Vertriebsleute, die das Konzept ihren Kunden erklären sollen. Viele Vorwürfe sind aber auch falsch: Wer die Steuer- bzw. Fördervorteile richtig einbezieht, kann mit keiner richtigen Berechnung zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Riester-Rente nicht lohnt. Der Vorwurf, die Produkte böten im Vergleich zu reinen Aktienfonds zu geringe Renditechancen, wird durch die Börsenschwäche ad absurdum geführt - Sicherheit zählt heute auch wieder, nicht allein die mögliche Rendite.

Wer die Diskussion unter den Versicherern kennt, weiß auch, dass die Branche sich gerade an diesem Produkt nicht gesundstoßen wird, sondern eher Mühe hat, ihre Kosten einzuspielen. Richtig ist sicherlich, dass sie mit Riester neue Kunden gewinnen und denen dann lukrativere Produkte verkaufen möchte. Aber es ist ja schließlich nicht verboten, Geld zu verdienen - und kein Kunde ist gezwungen, sich zusätzliche Produkte aufschwatzen zu lassen.

Mit etwas Abstand betrachtet, darf man nicht aus dem Auge verlieren, dass die Riester-Rente zum ersten Mal ein Schritt in die richtige Richtung ist, nachdem die Vorgängerregierungen den Bürgern lieber vorgebetet haben, dass die staatliche Rente sicher sei. Auch über mögliche Verbesserungen sollte man sich keine Illusionen machen: Die Union wird aller Voraussicht nach zum Beispiel die Garantie des eingezahlten Kapitals - eine der Bedingungen, die das Konzept schwierig machen - beibehalten. Geändert werden wahrscheinlich nur nebensächliche Bestimmungen.

Die Riester-Förderung mitnehmen

Anleger sollten sich also durch die Diskussion nicht davon abhalten lassen, die Riester-Förderung mitzunehmen. Noch besteht keine Eile, denn es genügt nach derzeitiger Rechtslage, bis Ende des Jahres eine Entscheidung zu treffen. Die Tatsache, dass viele Bürger noch nicht zugegriffen haben, sollte daher nicht überbewertet werden. Im Herbst wird es dann freilich langsam Zeit, sich beim Betrieb zu erkundigen, was geboten wird, und danach dort oder aber mit einem privaten Produkt zuzuschlagen. Wichtig dabei: Einige der steuerlich begünstigten betrieblichen Vorsorgeformen lassen sich auch zusätzlich zur Riester-Rente erwerben. Möglicherweise wird noch eine Nachfrist geschaffen, so dass man auch nach Jahresende reagieren kann - aber das ist zurzeit nicht absehbar.

Das schlechteste Argument gegen die Riester-Rente ist der gelegentlich zu hörende Einwand, viele Menschen hätten nicht genug Geld dafür übrig. Wer so argumentiert, hat den Ernst der Lage nicht begriffen: Wenn heute rund ein Drittel zu wenig Kinder geboren werden, dann kann die staatliche Rente später nie und nimmer ausreichen - die Riester-Rente ist da nur ein Tropfen in einem wahrscheinlich ziemlich großen Loch. Unverständlich ist auch die Meinung, die Riester-Förderung sei für gut verdienende Bürger uninteressant: Bekanntlich kaufen auch Angehörige dieser Bevölkerungsschicht hin und wieder bei Aldi ein.

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