Alred Neven DuMont ist Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg und Herausgeber von "Kölner Stadt-Anzeiger", "Mitteldeutsche Zeitung" und "Express"
Wie fühlt man sich eigentlich... Herr Neven DuMont

... wenn man einen seiner ältesten Weggefährten seines Berufslebens plötzlich verliert?*

Der Tod von Rudolf von Augstein stimmt mich sehr traurig. Einmal haben wir wie zwei Westernhelden Seite an Seite gekämpft. In der ersten Hälfte der 70er-Jahre, also vor fast 30 Jahren schon, mussten wir tagelange Hearings im Bundesinnenministerium ähnlich wie Angeklagte durchstehen. Uns beide hatte man als Repräsentanten der Zeitschriften- und Zeitungsverlage nominiert, um die Unabhängigkeit und die Freiheit der Presse hochzuhalten. Die "Ankläger" waren sämtliche Journalistenverbände, Gewerkschaftsvertreter und andere so genannte linke relevante Kräfte. Damals meinten Teile der sozial-liberalen Koalition, sie könnten die Pressefreiheit nur durchsetzen, wenn den Verlegern und Herausgebern die Zuständigkeit über ihre Zeitungen und Zeitschriften entwunden werde.

Es gab auch viele andere gemeinsame Erlebnisse, an die ich zurückdenke: Als wir in den frühen 60er-Jahren die Monopolstellung des Springer-Verlags brechen und eine gemeinsame Sonntagszeitung herausbringen wollten. Wir waren Feuer und Flamme.

An einen gemeinsamen Abend erinnere ich mich besonders gut: Als wir bei einem Abendessen im Hause Augstein mit unseren Ehefrauen eingeladen waren und dieser durch ein Telefonat jäh unterbrochen wurde. Es kam die Nachricht, dass John F. Kennedy in Houston/Texas den Kugeln eines Meuchelmörders erlegen war. Wir fuhren sofort zusammen in die Stadt in die "Spiegel"-Redaktion. Er hatte eine versteinerte Miene. Aber das unverkennbare Gefühl für Geschichte stand ihm an diesem Abend ins Gesicht geschrieben.



Die Frage stellte Claudia Tödtmann



*Rudolf Augstein und Alfred Neven DuMont waren alte Weggefährten und Freunde. Sie kannten sich schon aus den Gründerjahren der Bundesrepublik. Zusammen mit Axel Springer bildeten sie eine Verlegergeneration, wie sie heute nicht mehr üblich ist: Kaufleute und Journalisten zugleich. Neven DuMont war aufgefallen, dass Augstein zur Bundestagswahl nichts geschrieben hatte. Er wusste sofort, dass es seinem Freund bereits schlecht gehen musste.

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