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"Als andere zögerten"

Namibias Kulturkommissare hoffen, mit der verfilmten Biografie von Ex-Präsident Nujoma einen Kassenschlager zu landen. Eigentlich ist Matthew Gowaseb ein namibischer Geschäftsmann.

Namibias Kulturkommissare hoffen, mit der verfilmten Biografie von Ex-Präsident Nujoma einen Kassenschlager zu landen.

Eigentlich ist Matthew Gowaseb ein namibischer Geschäftsmann. Vor kurzem hat er sich jedoch als Herausgeber versucht: Unter dem Titel "Sam Nujoma in eigenen Worten - Weisheiten des ersten Präsidenten von Namibia" hat Gowaseb ein Sammelsurium an Zitaten aus den Reden des im März aus dem Amt geschiedenen Staatsoberhaupts zusammengetragen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Als wir aufwuchsen, waren unsere Helden keine Filmstars, sondern große Persönlichkeiten vom Schlag eines Sam Nujoma", erklärt er zur Begründung.

In der früheren deutschen Kolonie ist eine derartige Lobhudelei gegenüber den Reichen und Mächtigen nicht eben neu: Zu Nujomas Geburtstagen wimmelten Windhoeks Zeitungen stets vor Glückwünschen von Ministern und Unternehmern an "seine Exzellenz, den ehrenwerten Dr Sam Nujoma". Und wenn der Staatschef während seiner Amtszeit von einer seiner vielen Auslandsreisen zurückkam, musste das Kabinett nicht selten zum Empfang am Flughafen Spalier stehen.

In geradezu grotesker Weise findet dieser Personenkult jedoch in einem Monument Ausdruck, das 10 km vor den Toren der Hauptstadt Windhoek liegt. Je mehr man sich der gigantischen Statue im Zentrum der Heldengedenkstätte nähert, desto deutlicher wird, dass der angeblich unbekannte Soldat mit dem Sturmgewehr und der Handgranate keineswegs unbekannt ist sondern markant die Züge des namibischen Gründervaters trägt. Die Nordkoreaner haben beim Bau jedenfalls ganze Arbeit geleistet.

Angesichts der Nujoma im eigenen Land bezeugten Verehrung wollte offenbar auch das namibische Kulturministerium nicht zurückstehen: Obwohl das Budget für die namibische Filmindustrie denkbar schmal ist und Subventionen nur spärlich fließen, sind die Kulturkommissare des Landes offenbar überzeugt, mit der Verfilmung von Nujomas Biografie einen Kassenschlager zu landen. Das Buch mit dem Titel "Als andere zögerten" erzählt auf fast 500 Seiten en detail Nujomas Werdegang - vom bewaffneten Widerstandskampf bis ins Präsidentenamt.

Noch war keine Szene gedreht, da wusste der Chef des panafrikanischen Zentrums in Windhoek bereits, dass der Film "definitiv das Potenzial hat, um Namibias Filmindustrie international zum Durchbruch zu verhelfen". Andere sind scheinbar skeptischer, denn zunächst mussten die Dreharbeiten aus Geldmangel immer wieder verschoben werden. Und als es Anfang Mai schließlich doch losging, geriet der Film wegen unbezahlter Rechnungen für eine Reihe von Statisten gleich wieder in die Schlagzeilen.

Inzwischen fragen nicht nur Kunstkritiker besorgt, ob ausgerechnet ein Buch die Massen elektrisieren wird, das zwar jedes Treffen der SWAPO-Revolutionäre minutiös aufzeichnet, aber seltsamerweise die Zeit nach Nujomas Machtantritt im Jahr 1990 fast völlig ausspart. Andererseits: viel verpassen tut der Leser dadurch nicht, denn mitreißend waren die 15 Amtsjahre nicht. Nujoma regierte weder gut noch schlecht, was in Afrika aber für gewöhnlich bereits als Erfolg gilt.

Auch auf Nujomas freiwilligen Rückzug in den Ruhestand geht der Film angeblich nicht weiter ein, obwohl es sich dabei um ein in Afrika eher seltenes Phänomen handelt: Schließlich starben Staatschefs hier bis vor kurzem entweder im Amt oder wurden gewaltsam daraus weggeputscht. Vielleicht hätte ein Blick auf Nujomas Leben Ruhestand aber auch einfach das Budget des Films wegen der dafür benötigten Statisten gesprengt: Immerhin erleichtern heute rund 30 Bedienstete dem früheren Präsidenten das Pensionärsdasein.

Allein drei der aus dem Staatssäckel bezahlten Angestellten sind hauptberuflich als Chauffeure angestellt. Das übrige Personal setzt sich wie folgt zusammen: drei Haushilfen, zwei Gärtner, zwei Köche, zwei Kellner, zwei Wäscherinnen, zehn Sicherheitsbeamte, zwei Sekretärinnen, zwei persönliche Adjutanten und zwei Bürokräfte. Immerhin hat die regierende SWAPO ihr ursprüngliches Angebot revidiert, Namibias berühmtestem Sohn auch gleich noch seinen früheren Amtssitz im Herzen Windhoeks zur lebenslangen Nutzung zu überlassen. Nach, wie es hieß, "intensiven Nachforschungen" sei das zuständige Komitee zu der Auffassung gelangt, dass Nujoma nach Ablauf seiner Amtszeit "nicht in der Gosse" landen würde.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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