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Als die Römer noch in Köln residierten

Der traditionsreiche Greven-Verlag arbeitet die Geschichte der Domstadt mit viel Liebe für die schönen Nebensächlichkeiten auf

Es gibt sie noch: die guten alten, dicken, schweren Bücher mit Liebe zum Detail. Wenn es gleichzeitig gelingt, solche Tugenden mit modernster Technik zu paaren, dann entsteht nicht nur ein schönes Buch, sondern ein lange haltbares Kulturgut, wie es früher üblich war, seit dem zwanzigsten Jahrhundert aber selten geworden ist.

Ein solches Werk ist dem alteingesessenen Kölner Greven-Verlag und den fast 500 Mitgliedern der eigens dafür gegründeten Historischen Gesellschaft gelungen. Unter Federführung der Kreissparkasse Köln finanzieren Verlag und Verein ohne einen Cent öffentlicher Gelder das "Jahrhundertereignis", wie Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma die geplante 13-bändige Kölner Stadtgeschichte nennt. Im Auftaktbuch "Köln in römischer Zeit" versteht Althistoriker Werner Eck die Domstadt als ein Gebiet, das sich weit über das eigentliche Zentrum hinaus ausdehnte: von Krefeld im Norden bis Remagen im Süden und von Aachen im Westen bis zum Rhein als natürliche Ostgrenze.

Dank des weiten Blicks über den Kölner Tellerrand hinaus ist das Erzählen über Macht, Militär, Wirtschaft und Götterwelt vor 2 000 Jahren keine bloße Stadtgeschichte altkölschen Klüngels, sondern ein wichtiger Mosaikstein deutscher und europäischer Historie. Schließlich residierte Kaiser Traian vor 1 900 Jahren in Köln, einer Stadt mit regen wirtschaftlichen Verbindungen nach Britannien und einer Grenzmetropole, die für die Römer höchste strategische Bedeutung besaß.

Getreu der Verlagsphilosophie, dass ein Buch nicht nur Informationsträger, sondern Ausdruck zeitgenössischer Kultur ist, besticht neben der inhaltsreichen Darstellung die Mühe zum äußeren Detail. Vorbild ist das gute, alte Buch, das aber dank eines fotografisch genauen Drucks und vieler farbiger Illustrationen hochgradig präzise ist. Das Papier ist dünn, gleichzeitig stark und damit robust. Seine Konsistenz, die leicht gelblich-weiße Farbe und nicht glänzende Oberfläche lassen es zu, die Schrift ohne störende Reflexe zu lesen.

Dank des eigens für die Serie entwickelten Schrifttyps "Eremit" treten Großbuchstaben wie Z und D charakteristisch, aber schnörkellos hervor. R und Q gefallen mit langem, unverwechselbarem Unterstrich. Noch mehr besticht bei all den schönen Nebensächlichkeiten aber der Mut zur Schlichtheit. "Einfach schöne Bücher machen", nennt Verlagsleiter Damian van Melis das gelungene Unterfangen, etwas Besonderes zu schaffen, dessen Wert erst auf den zweiten, ausgeruhten Blick sichtbar wird. Zu solch einer Philosophie gehört auch, dass eine neue Schrift nur dann wirklich gut ist, wenn sie klar und ohne Umschweife hervorragend lesbar ist und dennoch viel Text unterbringt.

Ein Werk mit einem Umfang von 912 Seiten erfordert eine stabile, zum Teil von Hand gefertigte buchbinderische Verarbeitung. Für die Vorzugsausgabe wurden ganze Lederhäute verwendet, die von echten Tieren stammen. Das unterscheidet das Buch von Leder-Imitaten aus Kunststoff oder gepressten Lederabfällen, die sich nach Jahrzehnten mehr und mehr in Luft und Krümel auflösen. Ganz so, wie es vielen Büchern aus der guten alten Zeit ergeht, denen keine modernste Technik und 550 Jahre Buchdruck-Erfahrung vergönnt gewesen ist.

Werner Eck: Köln in römischer Zeit, Greven Verlag, Köln 2004, 912 S., 75 Euro, Halbleder im Schuber: 130 Euro

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