"Als Einstiegsliteratur geeignet": Im flauen Arbeitsmarkt boomen Karriere-Ratgeber

"Als Einstiegsliteratur geeignet"
Im flauen Arbeitsmarkt boomen Karriere-Ratgeber

Literatur fürs Berufsleben könnte sich nach Einschätzung der Verlage zum Renner der Saison entwickeln, doch Berufs- und Unternehmensberater warnen vor falschen Erwartungen. Die Hoffnung, der Karriere-Ratgeber in der Tasche garantiere den sicheren Job, sei trügerisch.

HB/dpa FRANKFURT/M. Es herrscht Flaute auf dem Arbeitsmarkt, die Jobsuche entpuppt sich für immer mehr Bewerber als quälend langer Weg. Das schlägt sich jetzt auch bei den Verlagen und Buchhändlern nieder, denn Karriere-Ratgeber werden so häufig verlangt wie selten zuvor. "Solche Ratgeber eignen sich lediglich als Einstiegsliteratur", meint jedoch der Sprecher des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater, Klaus Reiners.

Den Konkurrenzkampf um einen Arbeitsplatz besteht nur, wer sein Fachwissen und seine soziale Kompetenz permanent überprüft und ausbaut. Diese These vertreten viele Autoren von Büchern wie "So schaffen Sie den Einstieg" und "Bewerbungstipps aus der Chefetage".

Mit dem Versprechen, das Auftreten der Bewerber zu professionalisieren, lässt sich trefflich Auflage machen. Von dem Band "Durchstarten zum Traumjob" des Amerikaners Richard Nelson Bolles wurden nach Angaben von Sven Rohde, Marketing-Assistent des Frankfurter Campus Verlags, bereits mehr als 120 000 Exemplare verkauft. Das Werk sei inzwischen zu einem "Dauerseller" geworden. "Wir merken schon seit Herbst vergangenen Jahres, dass das Interesse an unseren Bewerbungs- und Karriere-Ratgebern deutlich steigt", bestätigt eine Verlagssprecherin.

Die Richtung der Ratgeber ist dabei meist ähnlich. "Es gibt immer Jobs und viele Wege, sie zu finden. Wenn Sie mit herkömmlichen Methoden keinen Job finden, dann sind Sie persönlich dafür verantwortlich, nicht die Regierung oder eine Vermittlungsagentur", so lauten die Standardsätze. Solche Einschätzungen rufen bei Berufsberatern jedoch Kopfschütteln hervor. Verbandssprecher Reiners hält die Informationen, die solche Bücher vermitteln, für oberflächlich. "So gut sie gemeint sind, diese Bücher können lediglich das Gespür für Themen des Arbeitsmarktes schärfen. Das persönliche Gespräch oder die Analyse eines Fachmanns ersetzen sie nicht", meint er.

Interessant sind die Ratgeber wohl in erster Linie für Menschen, die seit Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben haben. "Sie geben Informationen, die vielen Job-Suchenden in der Form nicht mehr geläufig sind. Als Erstinformation also nicht schlecht", findet Reiners. Karriere-Ratgeber seien eine "gute Einstimmung", lautet auch das Urteil von Monika Becht, Chefin der Frankfurter Unternehmensberatung YouCan und selbst Autorin mehrerer Bücher.

Nach Ansicht von Petra Göhl, Sprecherin des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader, sind Karriere-Ratgeber der "breiten Masse" bei der Jobsuche durchaus dienlich. Das Büro unterhält eine deutschlandweite Kette von Karriereberatungsbüros, unter anderem in Frankfurt. Das individuelle Bedürfnis desjenigen, der sich beruflich verändern wolle, könne jedoch kaum aus allgemeinen Ratgebern befriedigt werden, meint Göhl. Das sei nur in Einzelberatungen möglich. Dennoch zeigt sie sich überzeugt, dass die Ratgeber eine "wichtige Rolle" auf dem Markt spielen: Rund ein Drittel ihrer Kunden habe zuvor Karriere-Ratgeber gelesen.

Die Psychologen und Gründer des Büros, Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader, sind selbst als Autoren-Duo mit "Die Bewerbungsfibel" auf dem Markt und eines der Zugpferde des Frankfurter Eichborn Verlags. Sie gelten nach Darstellung des "Börsenblatts für den deutschen Buchhandel" als Marktführer auf ihrem Gebiet. Bei Eichborn sind Karriere-Ratgeber nach Verlagsangaben daher ein starkes Segment.

"Die Bewerbung von heute unterscheidet sich einfach qualitativ von der der 80er und 90er Jahre, als man nur auf Formalien achtete", sagt Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und selbst Inhaber einer Buchhandlung in Gießen. Er macht ein gesellschaftliches Interesse an dem Thema aus, das für Ingenieure und Handwerker inzwischen gleichermaßen Bedeutung habe. Und was halten die Titel? Schormann meint: "Es ist doch die gleiche Frage wie beim Reichwerden". Tipps können helfen, sie garantieren allerdings rein gar nichts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%