Als einziger Anbieter entwickelt sich Vodafone zum globalen Konzern
Vereinte Nationen der Mobilfunker

Im Englischen gibt es dafür eine Redewendung: "Shop till you drop" (Einkaufen bis zum Umfallen) nennen es die Angelsachsen, wenn jemand ständig nach Schnäppchen jagt. Wird der Drang krankhaft, bezeichnet man die Person schon mal als "shopaholic". So könnte man auch Vodafone-Chef Chris Gent nennen. Er fällt nach seinen ausgedehnten Einkaufstouren allerdings nicht um, sondern wird ständig stärker.

HB DÜSSELDORF. Jüngste Beispiele: Vodafone besiegelte seine Allianz mit China Mobile und stockte seinen Anteil an Japan Telecom auf. Damit baut der Konzern seine Präsenz in Asien aus. Zudem beendet Gent das Poker um die Kontrolle von Japans zweitgrößter Telekom-Gruppe und ihrer profitablen Mobilfunktochter J-Phone - mit einem Sieg.

Seinem Hauptrivalen British Telecom (BT) versetzt Gent damit einen neuen, schweren Schlag: Die BT wird langsam aus Japan verdrängt, ihre bescheidene Strategie, sich auf Westeuropa und Japan zu konzentrieren, wird langsam Makulatur. Für Vodafone bedeuten die neuesten Geschäfte, dass die Position des ersten Global Player in der Telekommunikation wieder eindrucksvoll unterstrichen wird.

Vodafone hat Beteiligungen gesammelt wie andere Leute Briefmarken. Inzwischen sind die Briten auf allen Kontinenten vertreten. Sie sind auf dem jeweiligen Mobilfunkmarkt entweder an dem Marktführer oder der Nummer zwei beteiligt, haben weltweit mehr als 70 Millionen Kunden, sieben UMTS-Lizenzen und immer noch eine Kriegskasse, die weitere Übernahmen zulässt - Mannesmann sei Dank. Vor etwa einem Jahr hat Vodafone den Traditionskonzern im Wege eines Aktientauschs übernommen und die meisten Einzelteile, die mit Mobilfunk nichts zu tun hatten, gegen Bares verkauft.

Vodafone - Erfolg auf der ganzen Linie? Nicht ganz. Auch im Hause von Chris Gent gibt es einige unschöne Details und Baustellen, an denen noch gearbeitet werden muss. So stehen in Italien derzeit für Vodafone beispielsweise 11 Mrd. Euro auf dem Spiel. Diese Summe hat der Konzern beim Verkauf des italienischen Festnetzbetreibers Infostrada an Enel kassiert - unter dem Vorbehalt, dass die Wettbewerbshüter dem Geschäft zustimmen. Wenn die Auflagen der Kartellbehörde zu hoch ausfallen, könnte der Deal aber im schlimmsten Fall scheitern, im besten Fall wären Nachverhandlungen fällig - Vodafone müsste sich mit weniger Geld zufrieden geben.

Mannesmann Arcor ist ein weiteres ungelöstes Problem: Vodafone hat sich von dem Festnetzbetreiber noch nicht getrennt, obwohl das Unternehmen nicht in das Portfolio eines bekennenden Mobilfunkbetreibers passt. Ein Börsengang, für Anfang dieses Jahres geplant, sollte die Expansion des Unternehmens ermöglichen. Doch inzwischen ist das Going Public bis auf weiteres verschoben. Die verlängerte Unsicherheit für Arcor hat aber nicht Vodafone zu verantworten, sondern die Deutsche Bahn als Minderheitsaktionär, die kurz vor der Entscheidung mit den Plänen nicht mehr einverstanden war.

Die größte Baustelle bleibt aber Vodafone selbst. Der Konzern will jetzt aus einem Sammelsurium von Einzelgesellschaften eine globale Marke schmieden, so bekannt wie Coca-Cola oder Nike. Die ersten zaghaften Schritte sind getan: ein europäischer Einheitstarif für grenzüberschreitende Anrufe innerhalb Europas. Auf dem Weg zur Weltmarke verschwinden auch die alten vertrauten Namen: Aus D2 wird fürs Erste D2 Vodafone. In etwa zwei Jahren verschwindet D2 komplett aus dem Namen.

Analysten sind zuversichtlich, dass Gent auch diese Mammutaufgabe erledigt. Sie nennen Vodafone heute schon "United Nations of Mobile".

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