Als einziges Land
USA lehnen Rückkehr der UN-Inspekteure ab

Die USA haben eine Rückkehr der Waffeninspekteure der Vereinten Nationen in den Irak abgelehnt. Die Koalition der Besatzungsmächte habe bekanntlich "die Verantwortung für die Suche und Auffindung von Massenvernichtungswaffen übernommen", sagte Washingtons UN-Botschafter John Negroponte am Donnerstag in New York. Zuvor hatte sich der scheidende UN-Chefinspekteur Hans Blix bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor dem Weltsicherheitsrat für die Klärung aller noch offenen Fragen zu irakischen Massenvernichtungswaffen durch UN-Inspekteure ausgesprochen.

HB/dpa NEW YORK. Unter Bedingungen, wie sie nach dem Sturz Saddam Husseins herrschten, müsste es "möglich sein, die Wahrheit herauszufinden, die wir alle erfahren wollen", sagte er bei der Übergabe seines letzten Tätigkeitsberichtes. Blix, der nach seinem 75. Geburtstag am 28. Juni in den Ruhestand geht, bekräftigte, dass seine Inspekteure keine Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen gefunden hatten. Der Grund dafür könne entweder sein, dass sie vom Saddam-Regime alle vernichtet oder dass sie sehr gut versteckt worden seien. Das herauszufinden, wäre angesichts der jetzigen Möglichkeiten zur Befragung irakischer Zeugen leicht möglich, sagte er.

Negroponte sagte, amerikanische Experten würden im Irak intensiv nach versteckten Waffen suchen und dafür "alle verfügbaren Informationsquellen nutzen". Die USA würden den Sicherheitsrat und die Medien über alle Erkenntnisse informieren. Er empfahl mehr Geduld. "Wir sollten die Professionellen ihre Arbeit machen lassen." Der US-Botschafter verwies auf die kürzliche Entdeckung von zwei Lastwagen, die als Labors für Biowaffen benutzt worden sein könnten.

London ist nicht gegen Rückkehr der Waffeninspekteure

Blix räumte ein, dass die Waffeninspekteure darüber keine klaren Erkenntnisse hatten. Der Irak habe seinerzeit Angaben zu mobilen Einheiten gemacht, der er früher besessen habe. Da keine dieser Angaben mit den von USA vorgelegten Berichten übereinstimme, müsse das geprüft werden. Die UN-Experten könnten das aber nicht allein auf der Grundlage von Berichten tun.

Nach Angaben von UN-Diplomaten sind die USA das einzige der 15 Mitgliedsländer des Sicherheitsrates, das sich einer Rückkehr der UN-Inspekteure widersetzt. Auch Großbritannien, das neben den USA die zweite Besatzungsmacht im Irak stellt, sei nicht gegen eine Rückkehr von UN-Waffenexperten, hieß es. Londons Botschafter Jeremy Greenstock sagte Reportern: "Selbst der engste Verbündete kann nicht für die Vereinigten Staaten sprechen."

Blix ging in seinem Bericht nicht direkt auf in den letzten Tagen laut gewordene Vorwürfe ein, die USA und Großbritannien hätten Geheimdienstinformationen über irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht, um ihren Krieg rechtfertigen zu können. In beiden Ländern wollen Parlamentsausschüsse diesem Verdacht nachgehen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte Berichte bestritten, dass Geheimdienstberichte manipuliert wurden, um Gründe für einen Krieg zu finden. US-Präsident George W. Bush bekräftigte am selben Tag bei einem Truppenbesuch in Katar, dass amerikanische Experten im Irak weiter nach Massenvernichtungswaffen suchen werden. Saddam Hussein habe ein "ein großes Land gehabt, um sie verstecken", sagte er. "Eines ist sicher: Kein Terroristen-Netzwerk wird Massenvernichtungswaffen vom irakischen Regime erhalten, denn das irakische Regime gibt es nicht mehr."

Nach dem Sturz Saddams haben Experten der USA innerhalb von elf Wochen bei der Suche an rund 230 Orten derartige Waffen ebenso wenig gefunden wie zuvor die UN-Inspekteure. Ungeachtet dessen stimmte der Sicherheitsrat am 22. Mai einer von Washington eingebrachten Resolution zu, mit dem die Irak-Sanktionen aufgehoben und die USA gemeinsam mit Großbritannien als Besatzungsmacht im Irak legalisiert wurden.

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