Als großer Staatsmann gewürdigt
CDU-Politiker Stoltenberg tot

Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident und CDU-Bundesminister Gerhard Stoltenberg ist tot. Der 73-Jährige erlag am Freitag in seinem Haus in Bonn-Bad Godesberg einem Krebsleiden. Das teilte der schleswig-holsteinische CDU - Vorsitzende Johann Wadephul am Samstag in Kiel mit.

dpa BONN/KIEL. Bundes- und Landespolitiker würdigten den langjährigen stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden als herausragende Persönlichkeit und großen Staatsmann. So bezeichnete Bundespräsident Johannes Rau Stoltenberg als einen Mann, der wie wenige andere die Geschichte und das Ansehen Deutschlands geprägt habe.

Der gebürtige Kieler Stoltenberg war 1998 im Alter von 70 Jahren aus dem Bundestag ausgeschieden. Der CDU-Politiker war von 1971 bis 1982 schleswig-holsteinischer Ministerpräsident. Außerdem stand er an der Spitze von drei Bundesministerien, zuletzt als Verteidigungsminister. Von diesem Amt trat er 1992 nach Bekanntwerden einer illegalen Panzerlieferung in die Türkei zurück.

Politisch aktiv war Stoltenberg zuletzt bei der Landtagswahl 2000 gewesen, als er den CDU-Kandidaten Volker Rühe bei dessen erfolglosem Wahlkampf im nördlichsten Bundesland unterstützte.

In einer Mitteilung des Bundespräsidenten in Berlin hieß es: "Gerhard Stoltenberg hat sich um Deutschland verdient gemacht." Er habe sich mit großem Sachverstand engagiert und erfolgreich in vielen Politikfeldern eingesetzt. Besonders hob Bundespräsident Rau die Verdienste Stoltenbergs beim Aufbau der Armee nach der Wiedervereinigung hervor. Er charakterisierte den CDU-Politiker als geradlinig, liebenswürdig und pflichtbewusst.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel würdigte Stoltenberg als "großen Mann" der CDU. "Gerhard Stoltenberg war ein herausragender Politiker der jungen Nachkriegsgeneration und hat schon sehr früh Verantwortung in den verschiedensten Positionen für die Bundesrepublik Deutschland und die CDU Deutschlands übernommen." CSU-Chef Edmund Stoiber sagte, Stoltenberg "verkörperte ganz besonders Kompetenz und Seriosität".

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bezeichnete Stoltenbergs Tod als Verlust einer prägenden Persönlichkeit für Deutschland. "Ich denke mit großer Dankbarkeit an Gerhard Stoltenberg als Freund und Kameraden, der mich über Jahrzehnte als treuer Weggefährte begleitet hat", hieß es in einer Mitteilung Kohls. Der Alt-Kanzler bescheinigte Stoltenberg ein "hohes und weltweites Ansehen als zuverlässiger, solider und verlässlicher Partner".

"Gerhard Stoltenberg war einer der großen Staatsmänner Deutschlands", sagte Schleswig-Holsteins Regierungschefin Heide Simonis. Als Ministerpräsident habe er den Grundstein für einen umfassenden Strukturwandel in dem Land gelegt. Durch seine zahlreichen Ämter im Bundeskabinett habe er Schleswig-Holstein nach außen bekannt gemacht und immer würdig vertreten. "Der "kühle Klare aus dem Norden" war ein wichtiges Markenzeichen für unser Land, das ihm viel zu verdanken hat", sagte Simonis. Stoltenberg solle auch nach seinem Tod zum Ehrenbürger Schleswig-Holsteins ernannt werden, wie es im Oktober angekündigt worden war.

CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz sah in Stoltenberg "eine der herausragendsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte, der die Politik der Union über Jahrzehnte geprägt hat". Er sei das ordnungspolitische Gewissen der Union gewesen.

Ein Trauergottesdienst und die Bestattung sollen nach Angaben der CDU in Kiel stattfinden. Ein Termin stand nicht fest.

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