"Als Kammer merken wir noch nichts"
Deutsche Firmen in Israel von Krise kaum betroffen

Reuters JERUSALEM, 31. OKT. Deutsche Firmen in Israel sehen sich durch die anhaltende Krise zwischen Israelis und Palästinensern in ihren Geschäftsaktivitäten kaum betroffen. Vor dem Israel-Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Dienstag sagten mehrere Wirtschaftsvertreter, die seit einem Monat anhaltenden Auseinandersetzungen berührten das Tagesgeschäft der Firmen bislang kaum. Dennoch betrachten viele deutsche Unternehmen die Entwicklung in der Krisenregion mit Sorge. Vor allem ein Anhalten der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit bislang etwa 150 Toten könnte sich nach ihrer Einschätzung nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich negativ auswirken.

Obwohl die Gewalttätigkeiten zwischen Israelis und Palästinensern den ganzen Nahen Osten erschüttert haben, geben sich deutsche Wirtschaftsvertreter gelassen. "Wir sehen als direkte Konsequenz der Entwicklung der letzten vier Wochen keine Einwirkung auf das Geschäft", sagt Günter Weis, der Siemens in Israel vertritt. Die Investitionsprojekte, an denen der Münchner Konzern vor allem im Bereich Telekommunikation, Energieerzeugung und-verteilung beteiligt ist, seien "keine kurzfristigen Entscheidungen, die von der Tagespolitik abhängen". Sowohl die Projekte in Israel, zum Teil Joint Ventures mit israelischen Firmen, als auch das Joint Venture mit einem palästinensischen Unternehmen in der von den Unruhen besonders betroffenen Autonomiestadt Ramallah laufen nach seinen Worten ohne Probleme weiter.

Weis' Erfahrungen decken sich mit der Einschätzung von Volker Berresheim, Handelsattaché an der deutschen Botschaft in Tel Aviv: "Deutsche Firmen sind fast nicht betroffen", berichtet er. Auch Michel Weinberg, Vize-Geschäftsführer der Israelisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv, sieht keine aktuellen Probleme durch die Eskalation des Konflikts:

, betont er. Lediglich in einem Fall habe ein deutscher Geschäftsmann wegen der Unruhen eine Reise nach Israel abgesagt.

Jenseits der offiziellen Gelassenheit berichten einige Wirtschaftsexperten jedoch von vereinzelten Problemen durch die Krise: In manchen Fällen hätten deutsche Techniker Reisen nach Israel, wo sie Anlagen warten sollten, wegen der Unruhen abgesagt. Die Fernsehbilder in Deutschland hätten sie abgeschreckt, berichten die Experten - aber nur in privaten Gesprächen, weil sie die offizielle Gelassenheit nicht konterkarieren wollen. Manchen Firmen, darunter DaimlerChrysler und SAP , erscheint die Lage ohnehin so sensibel, dass sie gar keine Stellungnahme abgeben wollen.

Weis und andere Wirtschaftsvertreter fürchten vor allem, dass die Gewalt noch länger dauern könnte: "Bei Anhalten der Unruhen könnten die Investitionsentscheidungen natürlich rückläufig sein", sagt Weis. Das würde vor allem Israels noch immer boomenden High-Tech-Sektor treffen, der in weiten Teilen von ausländischem, vor allem amerikanischem Kapital, finanziert wird. Wenn die Geldgeber bei einer dauerhaften Destabilisierung der politischen Lage in der Region ihre Investitionen zurückzögen, drohe der israelischen Wirtschaft weit mehr als der bereits entstandene Imageschaden, fürchten Experten. Diese Befürchtung hat Handelsattaché Berresheim für die deutsche Wirtschaft gegenwärtig jedoch nicht: "Trotz der Krise bleibt Israel als Wirtschaftspartner für deutsche Firmen interessant, vor allem im High-Tech-Bereich", betont er.

Einige deutsche Wirtschaftsvertreter äußerten sich vor dem Schröders-Besuch unter der Hand enttäuscht, dass der Kanzler anders als bei ähnlichen Reisen die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen beider Länder nicht in seinem Besuchsprogramm hat. Eine deutsche Wirtschaftsdelegation und Gespräch zu Wirtschaftsfragen wurden wieder gestrichen, als die ganze Nahostreise wegen der aktuellen Entwicklungen von sieben auf fünf Tage verkürzt wurde. Diese Entscheidung sei nahe liegend gewesen, heißt es dazu in Schröders Umgebung: "Es wäre doch fast zynisch, in der gegenwärtigen Lage 'business as usual' zu machen." Solche indirekten Folgen hatte die Nahost-Krise für die deutsche Wirtschaft in Ägypten, Schröders erster Station, nicht. Dort legte der Kanzler am Sonntag den Grundstein für das künftige "Haus der Deutschen Industrie" in Kairo und hielt eine Rede vor der Deutsch-Arabischen Handelskammer.

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