Als Nachfolger von Telekom-Regulierer Scheurle gewählt
Matthias Kurth: Der Diplomat als Hüter des Wettbewerbs

Matthias Kurth tritt ein schweres Amt an. Als Chef der Regulierungsbehörde muss er sich gegen den starken Einfluss der Deutschen Telekom behaupten.

HB BERLIN. Horst Enzelmüller war enttäuscht. Zur Eröffnungsfeier der Deutschland-Dependance seiner Firma Colt Telecom in Frankfurt kam nicht der hessische Wirtschaftsminister, sondern bloß der Staatssekretär. Doch die Rede, die Matthias Kurth dann hielt, frei formuliert und sehr sachkundig, begeisterte den Colt-Chef nachhaltig. "Kurth ist ein hochintelligenter, diplomatischer Vollblutpolitiker und ein exzellenter Jurist", lobt Enzelmüller den einstigen SPD-Staatssekretär.

Als Kurth den Posten mit der letzten Hessenwahl 1999 verlor, holte Enzelmüller ihn in die Colt-Geschäftsführung. Dass Kurth dort nur ein achtmonatiges Gastspiel gab, nimmt er ihm nicht übel: "Es war schon klar, dass er an einer guten Position in der Politik nicht vorbeigehen würde."

Eine solche wurde frei, als Arne Börnsen vor einem Jahr seinen Vizepräsidentenstuhl in der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post räumte. Jetzt, nachdem Ende 2000 auch Behördenpräsident Klaus-Dieter Scheurle in die Privatwirtschaft gewechselt ist, rückt Kurth auf. Am Montag wollen ihn SPD und CDU gemeinsam wählen. Er wird damit in Sachen Monopolbeseitigung der wichtigste Gegenspieler von Telekom-Chef Ron Sommer und Post-Chef Klaus Zumwinkel.



Zusammenarbeit mit Hans Eichel

Der 48-Jährige ist ein Diplomat. Das sagen alle über Matthias Kurth, der stets freundlich und aufmerksam auf seine Gesprächspartner zugeht. Die einen sind begeistert von dem schlanken, großen Glatzkopf, wie Enzelmüller. Die anderen sehen seine Kompromissfähigkeit eher mit Sorge, wie Joachim Dreyer, der Präsident des VATM, des Verbandes der neuen Telefongesellschaften. Dreyer und viele Telekom-Wettbewerber fürchten, dass Kurths Nähe zu Finanzminister Hans Eichel ihn im Umgang mit der Telekom zu einem Papiertiger werden lässt. Denn als Wirtschaftsstaatssekretär gehörte Kurth zu Eichels Hessen-Regierung. Als Bundesfinanzminister hat Kurths Ex-Dienstherr jetzt ein Interesse an einem stabilen T-Aktienkurs.

Dass die Abgrenzung nicht einfach wird, glaubt auch Colt-Telecom-Chef Enzelmüller, der aber überzeugt ist, dass Kurth, der Diplomat, solch heikle Situationen zu meistern versteht. "Er hat mir in seiner Zeit als Vizepräsident gesagt, dass er das Telekommunikationsgesetz gut gelungen findet und Änderungen eher für kontraproduktiv hält", sagt Enzelmüller. Und bei Colt habe er ja die Schwierigkeiten eines privaten Anbieters mit dem Monopolisten Deutsche Telekom durchaus kennen gelernt.

Auf den neuen Job ist Kurth jedenfalls gut vorbereitet. Das Telekommunikationsgesetz kennt er so gut wie sein Vorgänger. An den politischen Beratungen zu diesem Gesetz war er als Vertreter Hessens in den Bund-Länder- und EU-Ausschüssen beteiligt. Seine Zeit bei Colt sieht er als wichtigen Einblick in den Markt und die Funktionsweise von Unternehmen. Und als Scheurles Vize hat er seine Behörde bereits kennen gelernt. Scheurle äußerte sich stets zufrieden über seinen Vize, mit dem man konstruktiv zusammenarbeiten könne.



Aufrechter Kämpfer für das Verbraucherinteresse

Mitarbeiter bezeichnen Kurth als zielstrebig. Bereits mit 26 Jahren wurde er nach dem Studium in Frankfurt Richter am Landgericht Darmstadt, kurz darauf jüngster Abgeordneter im hessischen Landtag. Wegen der Unvereinbarkeit von Parlamentsmandat und Richteramt gab er 1980 seinen Posten bei Gericht auf und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. "Mir war es wichtig, neben der Politik auch noch einen Beruf auszuüben", sagt Kurth heute. 1994 wurde er dann ausschließlich Staatssekretär.

Die vorhergehenden 16 Jahre in der SPD-Landtagsfraktion haben ihn geprägt. "Wenn es geht, bemühe ich mich um Konsens", sagt Kurth. "Das heißt aber nicht, dass ich deshalb Konflikten aus dem Weg gehen würde. Manchmal muss man kontroverse Entscheidungen treffen, und das tue ich dann auch." Es ist wohl vor allem die Verbindlichkeit im Ton, die Kurth von Scheurle unterscheidet. Der inszenierte sich gerne als unbeugsamer Beamter und aufrechter Kämpfer für das Verbraucherinteresse.

Kurth bevorzugt eher die leisen Töne. In der kargen Freizeit gilt sein Interesse der Philosophie, Geschichte und Kunst. Und seit er sich in Hessen dafür eingesetzt hat, dass Inline-Skater auch auf Straßen fahren dürfen, schnallt er sich selbst gelegentlich die schnellen Rollschuhe an. Entlang des Rheins in Bonn, der neuen Heimat des Mannes aus dem hessischen Dreieich, sind die Wege ideal zum Skaten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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