Als neuer FDP-Chef will er die Liberalen aus der Ecke der Besserverdienenden holen
Guido Westerwelle: Polit-Yuppie fürs Volk

Der volkstümliche Typ ist er eigentlich nicht. Aber er gibt sich alle Mühe. Guido Westerwelle, Prototyp des Polit-Yuppies, will als Parteichef fortsetzen, was er als Generalsekretär begann: die alte FDP völlig umzukrempeln.

ddp BERLIN. Jünger soll sie werden, weiblicher und vor allen Dingen volksnäher. Denn mit Börsenmaklern und reichen Erben alleine, weiß Westerwelle, ist die Fünf-Prozent-Hürde nur schwer zu überspringen. Und wer sogar zweistellig werden will, muss sich einiges einfallen lassen. Die FDP als "Partei für das ganze Volk" heißt deshalb das Motto, dass der Medienstratege Westerwelle bei jeder Gelegenheit zu inszenieren versucht. Als künftiger Bundesvorsitzender hofft er, dass ihm die eigene Partei dabei etwas weniger in die Quere kommt.

Mit seiner medialen Volkstümlichkeit eckte Westerwelle vor allem beim bisherigen Parteichef Wolfgang Gerhardt an. Der mochte seinen Generalsekretär als kalten Macher, der seine Truppe im Innern zusammenschweißt, um nach Außen das Parteiprofil mit polarisierenden Aussagen zu schärfen. Die Wandlung zum Container-Guido, der im «Big Brother»-Haus liberales Lebensgefühl unters Volk streut, war dem eher biederen Politik-Arbeiter Gerhardt dagegen äußerst suspekt.

Westerwelle prägte das Grundsatzprogramm entscheidend mit

Angetreten war der ehemalige Chef der Jungliberalen (1983 bis 1988) im Dezember 1994 als programmatischer Erneuerer. Unter ihm als Generalsekretär sollte die FDP als eigenständige, fortschrittsorientierte politische Kraft kenntlich werden und den Grünen den Rang als Partei der Jugend ablaufen. Das 1997 verabschiedete neue Grundsatzprogramm der Partei prägte Westerwelle als Vorsitzender der Programmkommission mit.

Doch mit Programmen alleine fängt man keine Wähler. Westerwelle litt als Generalsekretär vor allem darunter, dass die Partei in seiner Amtszeit eine Wahl nach der anderen verlor. Als Schuldigen machte er das Image von der "Partei der Besserverdienenden" aus. Fortan begann Westerwelle zu menscheln und mit dem Fernsehvolk auf Tuchfühlung zu gehen.

Bleibt für Westerwelle der Störfaktor Jürgen Möllemann mit seiner Idee eines FDP-Kanzlerkandidaten. Mit dem Posten des Parteivize allein ist der liberale Tausendsassa Möllemann wohl kaum zu befrieden. Möllemanns Plan: Der Parteitag beschließt am Wochenende, dass die FDP überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellt. Wer das dann wird, Westerwelle oder Möllemann, soll aber erst ein späterer Wahlkongress entscheiden. Möllemann hätte seine Chancen gewahrt und die Personaldebatte könnte noch eine Weile weiter schwelen.

Umgang mit Möllemann bleibt ein Balance-Akt

Für Westerwelle bleibt der Umgang mit Möllemann ein Balanceakt. Dieser wird durch die jüngsten scharfen Attacken des Möllemann-Intimfeinds Walter Döring - wie Westerwelle ein Gegner der Kanzlerkandidaten-Idee - nicht unbedingt einfacher. Und so verbringt Westerwelle die letzten Tage vor dem Parteitag nicht zuletzt damit, die beiden Streithähne zur Ruhe zu rufen und zugleich seinen Führungswillen herauszustellen. Er erwarte nicht, dass sich andere FDP-Spitzenpolitiker unterordnen. Aber diese müssten seinen "Führungsanspruch anerkennen", machte der künftige Parteichef klar.

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