Als ostdeutsche "Quotenfrau" hat sich die neue FDP-"Generälin" nie verstanden
Claudia Pieper: Die konsequente Hoffnungsträgerin

Cornelia Pieper gilt als konsequente und energische Frau. Nicht zuletzt diesen Eigenschaften verdankt die 42-jährige Ostdeutsche, die ihre Lebensmaxime mit dem Motto "Just do it!" umreißt, die Nominierung zur FDP-Generalsekretärin.

afp BERLIN. Dies ist der vorläufige Höhepunkt ihrer erfolgreichen Parteikarriere: Die Dolmetscherin für Russisch und Polnisch ist seit 1995 nicht nur Landesvorsitzende der Liberalen in Sachsen-Anhalt, sondern profilierte sich in den vergangenen Jahren auch als stellvertretende Bundesvorsitzende und als Fraktionsvize der FDP im Bundestag. Dabei erwarb sie sich das Vertrauen des designierten Parteichefs Guido Westerwelle, der die Kompetenz der Ostdeutschen in höchsten Tönen lobt: Pieper habe sich bewährt, habe überzeugt und große Erfahrung sowie viel Geschick besonders in der Bildungspolitik bewiesen. Pieper gilt aber vor allem als Hoffnungsträgerin der FDP im Osten.

Als ostdeutsche "Quotenfrau" hat sich Pieper selbst aber nie verstanden. Gleichwohl steckte schon 1998 hinter ihrer Wahl zu einem der Stellvertreter von Fraktionschef Wolfgang Gerhardt im Bundestag auch das Kalkül der Parteispitze, sie könnte die Belange der Ostdeutschen glaubwürdig vertreten. Denn in den neuen Ländern sieht es für die Liberalen nach wie vor düster aus. Sie sitzen dort in keinem Landesparlament. Mit Pieper sehen die Liberalen nun die Chance, das Profil der FDP im Osten zu schärfen.

Mit Kritik auch ander eigenen Partei hält sie nicht hinter dem Berg

Bei ihrer künftigen politischen Arbeit kann Pieper, die verheiratet und Mutter eines Sohnes ist, auf ihre Erfahrungen in der Landes- und Bundespolitik bauen. Bereits seit fast vier Jahren ist sie FDP-Bundesvize. Dabei scheute sie sich auch nicht vor Kritik am Erscheinungsbild ihrer eigenen Partei und forderte schon mal, die Liberalen müssten ihre "Botschaft besser verkaufen".

Pieper selbst sieht den Schwerpunkt ihrer Arbeit in den Bereichen Soziales und Bildung. Im Bundestag ist sie Obfrau im Ausschuß für Bildung und Forschung sowie forschungs- und bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. In Sachsen-Anhalt setzte sie sich vehement gegen das von der PDS-tolerierten SPD-Regierung eingeführte 13. Schuljahr und für eine Förderung der Leistungseliten ein. Auch im Falle ihrer Wahl zur Generalsekretärin sieht Pieper einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in Sachsen-Anhalt. Immerhin wurde sie dort erst Anfang April mit furiosen 97 Prozent als Landeschefin bestätigt.

Pieper gilt als Hoffnungsträgerin

Pieper wurde am 4. Februar 1959 in Halle geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Leipzig und Warschau Sprachen und arbeitete als Dolmetscherin beim DDR-Reisebüro "Jugendtourist". 1986 wurde sie Mitglied der DDR-Blockpartei Liberal Partei Deutschlands-Demokratische (LDPD) und war dort bis zur Wende als politische Mitarbeiterin tätig. Angesteckt von der Aufbruchstimmung nach dem Mauerfall engagierte sich die damals 30-Jährige beim Aufbau des Landesverbandes der Jungen Liberalen in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl 1990, bei der die FDP auf 13,5 Prozent kam, zog Pieper in das Magdeburger Parlament ein und wurde Fraktionsvorsitzende. Vier Jahre später schieden die Liberalen auch wegen interner Auseinandersetzungen zwar wieder aus dem Landtag aus. Pieper jedoch trug seit ihrer Wahl zur Landesvorsitzenden 1995 dazu bei, den zerstrittenen Landesverband wieder auf eine Linie zu bringen.

Nicht nur in ihrer Heimat gilt Pieper daher nach ihrer Nominierung für den "Generalsposten" bei der Bundes-FDP einmal mehr als Hoffnungsträgerin - in Sachsen-Anhalt aber wird bereits in einem Jahr ein neuer Landtag gewählt.

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