Als Tourismus-Servicekraft nach Österreich
Holland bietet Job-Chance für Arbeitslose

"Zu einem holländischen Vorarbeiter auf dem Bau sollte man nicht Polier sagen", warnt Ger Scholte von der niederländischen Firma Bouw Flex. Das bedeute, dass der so Angesprochene eine Art Hähnchen-Grill betreibt.

dpa/HB MAGDEBURG. Die Anekdote erzählt der Mann aus Eindhoven gern, schließlich kennt er sich mit deutschen Bauarbeitern, die im Nachbarland ihre Brötchen verdienen, aus. Scholte sucht in Deutschland nach Fachkräften für holländische Unternehmen. Besonders oft kommt er nach Ostdeutschland, wie am Dienstag zur Europa-Jobbörse, die das Magdeburger Arbeitsamt ausrichtete.

Eine Beschäftigung im europäischen Ausland ist nach Meinung von Arbeitsamtsdirektor Wolfgang Meyer eine Chance für viele Arbeitslose in Deutschland. Besonders nachgefragt seien Arbeitskräfte in Bauberufen, in der Gastronomie, im medizinischen Bereich sowie in der Metall- und Kfz-Branche, berichtet Meyer auf der Veranstaltung, die hunderte Arbeitssuchende anzog. Das Arbeitsamt unterstütze einen Wechsel ins Ausland mit Sprachkursen und Weiterbildungsangeboten. Nicht ganz uneigennützig: Bei einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent ist Meyer über jeden Sachsen-Anhalter froh, den er in einen Job vermitteln kann. "Arbeitnehmer nachhaltig in Beschäftigung bringen" ist sein Ziel. Da kann der Arbeitsort schon mal ein paar hundert Kilometer entfernt sein.

Kurt Katstaller von der Wirtschaftskammer Salzburg ist auf der Suche nach Arbeitskräften, die dem österreichischen Tourismus auf die Sprünge helfen sollen. Köche, Kellner, Zimmermädchen - gesucht werden Leute, die in Hotels und Gaststätten dringend gebraucht werden. "Unser Problem sind nicht die Gäste. Die kommen in Scharen. Unser Problem sind fehlende Arbeitskräfte", betont Katstaller. Im Land gebe es Betriebe, die nicht öffnen könnten, weil sie keine Leute hätten. "Wir müssen um Arbeitskräfte genau so werben wie um Gäste." Seine Argumente: Gute Bezahlung, freie Kost und Logis.

Es ist aber nicht nur die Not, die die Werber nach Deutschland treibt. "Wir haben gute Erfahrungen mit deutschen Arbeitskräften, besonders aus den neuen Bundesländern", berichtet Scholte. Die Leute seien gut ausgebildet und flexibel. "Die wollen sich bewegen", hebt der Holländer hervor.

Für den arbeitslosen Bauarbeiter Frank Schade wäre ein Job in den Niederlanden eine Alternative. Fünf Stunden Autofahrt seien kein Problem, meint er. Aber es gebe eine gewisse Scheu, die sich aus fehlenden Informationen ergebe. Wie ist die soziale Absicherung im Nachbarland, was wird mit der Rente in Deutschland, was passiert bei einer Kündigung? Arbeitsamtsdirektor Meyer kennt diese Vorbehalte und unterstützt auch deswegen die Europa-Jobbörse. Die Berater vom Arbeitsamt hätten auf diese Fragen eine Antwort, betont er. Meyer weist auch darauf hin, dass ein Einsatz in Schweden, der Schweiz oder in Dänemark nicht nur einen kurzfristigen Beschäftigungseffekt bringt. "Für die Arbeitnehmer verbessern sich mit einem Auslandsaufenthalt auch die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt enorm", sagt er.

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