Altana wagt sich an die New Yorker Börse
US-Anleger – Für deutsche Firmen hartes Brot

Mit der Altana AG geht erneut ein deutsches Unternehmen an die New Yorker Börse. Dass der US-Kapitalmarkt anspruchsvoll ist, haben international operierende Konzerne inzwischen gelernt. Wer den Kontakt nicht sucht, wird ignoriert. Doch selbst ein gutes Marketing ist kein Garant für den Erfolg.

NEW YORK. Ende Mai ist es wieder so weit: mit dem Pharmakonzern Altana geht ein weiteres deutsches Unternehmen in New York an die Börse. Das Ziel: der Bekanntheitsgrad der Firma soll in den USA erhöht werden, zudem will Altana seinen amerikanischen Mitarbeitern Aktienoptionen gewähren können. Abzuwarten bleibt jedoch, ob der Gang an die Nyse auch neue US-Investoren zum Kauf animiert. "Das wäre schön", sagt ein Pressesprecher von Altana, "doch es ist nicht oberste Priorität".

Die Erfahrung zeigt: Neue US-Anleger sind auch nach einem Börsengang nur schwer zu gewinnen. Von Aventis über Bayer bis Siemens - nach ein paar lebhaften Anfangswochen setzen diese Konzerne in der Regel deutlich weniger als 5 % ihres gesamten Aktienhandels an der New Yorker Börse um. Internationale Investment-Profis handeln deutsche Aktien nach wie vor lieber am liquideren Frankfurter Markt. Außerdem traut ein Großteil der Portfolio-Manager oder Privatanleger den ausländischen Werten nicht so recht. "US-Investoren brauchen besondere Pflege", glaubt Brian Rafferty von der Investor-Relations Agentur Taylor Rafferty in New York. Auch Investmentbankerin Ulrike Zeilberger von UBS Warburg ist überzeugt: "Der Börsengang ist zwar so eine Art Gütesiegel, welches be-weist, dass die gelistete Firma US-Standards entspricht. Doch das Lis-ting allein ist für US-Anleger kein ausreichender Grund, um eine Aktie zu kaufen".

Mehrere Werbetouren (Road Shows) hat der Altana-Vorstand vor dem Börsengang absolviert. Ein In-vestor-Relations Büro vor Ort soll den Kontakt zu den Anlegern auf-recht erhalten. So ein Aufwand muss sein, glauben Experten. "In Europa kennt man sich, hier in den USA ist das nicht automatisch der Fall", sagt Rafferty. Das kann aus-ländischen Firmen besonders bei transatlantischen Bündnissen zum Fallstrick werden. Häufig ergreifen US-Investoren dann in Scharen die Flucht - "Flow back", genannt.

So verlor die US-Telekom-Gesellschaft Voicestream in den Wochen nach Bekanntgabe der Fusion mit der Deutschen Telekom im Juli 2000 etwa 80 % ihrer ursprünglichen Investoren. Die Telekom-Aktie sackte ab und verzeichnete in den Folgemonaten eine deutlich schlechtere Kursentwicklung als der europäische Branchen-Durchschnitt. Dagegen war es dem britischen Telekom-Konzern Vodafone im Januar 1999 gelungen, nach Bekanntwerden der Übernahme des US-Mobilfunk-Unternehmens Airtouch die Investoren-Flucht bei Airtouch auf etwa 40 % des Anlagevolumens zu beschränken. Die Vodafone Aktie schnitt in den folgenden Monaten sogar besser ab als die übrige Branche.

Wenn die Aktie nicht ins Sortiment passt

"Flowback lässt sich nicht vermeiden, doch er lässt sich managen", sagt Zeilberger. Ein unvermeidbares Problem ist, dass viele US-Fonds nur inländische Aktien im Portfolio haben dürfen. Oder aber sie sind auf eine bestimmte Firmengröße zugeschnitten. Nach einer Fusion wird dann das Unternehmen zu groß. Hinzu kommt, dass Werte nach der Übernahme durch Ausländer aus dem Standard & Poors Index und somit auch aus den Indexfonds fallen. Doch es lassen sich auch neue Anleger gewinnen. Oder die treu Gebliebenen kaufen noch mal ein paar Aktienpakete dazu. Im Fall Vodafone hatte das Management sich schon viele Monate vor Bekanntgabe der Fusion im Rahmen von "Road-Shows" vorgestellt. "Der persönliche Eindruck vom Management spielt bei US-Investoren eine entscheidende Rolle", bestätigt Rafferty.

Lediglich eine Gruppe 200 bis 250 institutioneller US-Investoren kommt als Standard-Zielgruppe europäischer Aktien-Gesellschaften in Frage, schätzen Experten. Doch Rafferty glaubt, diese Gruppe könne auch noch deutlich erhöht werden. Er macht vor allem auf das große Potenzial der Privatanleger aufmerksam: "Wir haben einen Privatanlegermarkt von 6 Billionen $ und einen institutionellen Markt von 6 Bill. $. Das ist das Großartige am US-Markt", sagt er.

Vor allem dem deutschen Softwarekonzern SAP dürfte es gelungen sein, in diesen Markt vorzudringen. Mehr als 20 % der SAP-Aktien werden in den USA gehandelt. "Das hat mit der generellen Attraktivität der Brache zu tun. Aber vieles kommt auch von den Privatinvestoren", glaubt Investor Relations Manager Stefan Gruber von SAP in New York. Werbekampagnen in Flughäfen, Besuche auf Investoren-messen, Fernseh-Interviews des Vorstands und in New York abgehaltene Analystenkonferenzen hätten zu der Popularität beigetragen. Auch die Deutsche Telekom hat es nach der Anfangs-Schlappe geschafft, mit Investoren-Messen und Einzelgesprächen des Vorstands etwa die Hälfte der abtrünnigen Investoren durch neue Aktionäre zu ersetzen. Klappern gehört zum Handwerk.

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