Alte Amerika-Risiken lasten auf französischer Großbank
Crédit Lyonnais bangt um Lizenz in den USA

Die französische Großbank Crédit Lyonnais S.A. (CL) bangt um ihre Lizenz in den Vereinigten Staaten von Amerika. Französische Diplomaten wollen in Washington das US-Justizministerium zu einem Machtwort gegen die kalifornische Versicherungsaufsicht drängen.

PARIS. Das Ministerium soll eine gütliche Einigung in einem Strafprozess vermitteln, den die kalifornische Versicherungsaufsicht gegen die mit einem Aufwand von umgerechnet mehr als 30 Mrd. Euro sanierte und 2000 an die Börse gebrachte Großbank angestrengt hat.

Die Aufsichtsbehörde hat Klage gegen das Geldinstitut erhoben, das heute als ein möglicher Fusionspartner für Commerzbankchef Klaus-Peter Müller gilt. CL soll vor zehn Jahren über befreundete Gesellschaften rechtswidrig die Kontrolle über die insolvente Versicherung Executive Life Corp. erlangt haben. Für den eigensinnigen CL-Boss Jean Peyrelevade steht viel auf dem Spiel: Seinem Geldinstitut droht der Entzug der US-Banklizenz.

Neben den Schwierigkeiten mit den Aufsichtsämtern laufen in Kalifornien Zivilklagen gegen CL. Diese könnten das Institut und seine Partner - die französische Versicherung Maaf und eine Holding des Kaufhauskönigs François Pinault - viel Geld kosten. Allein Kalifornien verlangt 2 Mrd. Dollar. Analysten fürchten dann einen Kurssturz der Aktie.

Auch der französische Staat, dem die Bank damals noch gehörte, ist ins Visier der Kläger geraten. Die Grande Nation muss mit einer peinlichen Verurteilung und womöglich ebenfalls mit finanziellen Forderungen rechnen.

Hintergrund der Klage ist der kalifornische Bank Holding Company Act: Kreditinstitute dürfen im größten US-Bundesstaat keine Versicherungen kontrollieren. Doch war die Versuchung für die Franzosen offensichtlich zu groß. Denn in der Konkursmasse der - in eine Schieflage geratenen - Versicherung Executive Life lag ein viel Rendite versprechendes Portfolio von hochverzinslichen Industrieanleihen, so genannten Junk Bonds.

Doch das Portfolio war nur zusammen mit dem Bestand an Lebensversicherungen der Assekuranz zu haben. So regte CL die Gründung des Konsortiums Altus an, auf das sie formell keinen Einfluss hatte - das erklärte sie jedenfalls in einem Brief an die Aufsicht. 1992 übernahm die Pinault-Holding Artemis mit einem lohnenden Aufgeld die Bonds, 1995 dann die Versicherungen - CL glaubte sich außer Gefahr. Doch im Juni 1998 erzählte ein französischer Geschäftsmann der US-Justiz Details, die ihr verborgen geblieben waren. Anfang 1999 kam es zur Klage, bei der nun auch eine Rolle spielt, wie viel Peyrelevade, seit 1993 Chef der Bank, von den Vorgängen wusste. Immerhin gibt es ein Fax an sein Büro, in dem vor den Folgen der Strohmannkonstruktion um die Altus-Gruppe gewarnt wird. Peyrelevade äußert sich dazu bislang nicht.

Die Verteidigungslinie der Franzosen entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Sie pochen auf den angelsächsischen Rechtsgrundsatz der Nicht-Diskriminierung. Noch nie habe die US-Justiz Unternehmen, die mit Staatsgeld wieder aufgepäppelt worden seien, für ihre Verfehlungen verfolgt. Die US-Anwälte der Bank und des französischen Staates verweisen dabei auf die Nachsicht gegenüber den vom Staat geretteten Savings-and-Loan-Instituten, die in den neunziger Jahren ebenfalls gegen Gesetze verstoßen hatten.

Beobachter rechnen nicht damit, dass der aktuelle Vorstoß der französischen Diplomaten schon eine Lösung für den Strafprozess bringt. Im Rahmen des Zivilverfahrens sollen ab Mitte Juni in Paris Schlüsselfiguren des Deals von US-Beamten vernommen werden.

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