Altenheim wurde evakuiert
Zehn Tote durch Unwetter in Deutschland

Beim ersten schweren Herbststurm dieses Jahres in Deutschland sind am Wochenende mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Außerdem entstand bundesweit erheblicher Sachschaden, der jedoch nach ersten Erkenntnissen unter denen vergangener Orkane lag.

Reuters BERLIN. Auf einer Straße bei Limburg starb nach Polizeiangaben ein Rentnerehepaar, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Bei Bocholt nahe der deutsch-niederländischen Grenze stürzte ein Baum auf den Wagen einer Familie. Der Polizei zufolge wurde dabei eine 39-jährige Frau getötet, ihr Mann und ihr Kind wurden schwer verletzt. In Hamm stürzte das Dach eines Wohnhauses ein, die Trümmer erschlugen einen 38-Jährigen. Eine 21-Jährige erlag den Folgen ihrer Verletzungen, als sie von einem umstürzenden Baum bei einem Waldspaziergang bei Rheinbach nahe Bonn getroffen wurde.

In Aachen fiel nach Angaben der Polizei ein 70-Jähriger in einen überlaufenden Gully und ertrank. In Mettmann bei Düsseldorf wurde eine 43-jährige Frau von einem Feuerwehrmann auf dem Weg zum Einsatz überfahren und tödlich verletzt. In Hamburg erfasste eine Böe den Schirm einer 80-Jährigen und riss sie gegen ein fahrendes Auto. Sie erlag ihren Verletzungen. In Schleswig-Holstein wurde ein Landwirt vom Blitz erschlagen. In Brandenburg prallte ein 21-Jähriger mit seinem Wagen gegen einen Baum und starb. Die Polizei vermutet, dass der Fahrer wegen des Wetters die Kontrolle über sein Auto verloren hatte.

Nordrhein-Westfalen am stärksten betroffen

Bundesweit registrierte die Polizei erhebliche Schäden durch das Orkantief Jeanett, das nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit Spitzengeschwindigkeiten von über 150 Stundenkilometern über Deutschland hinweg jagte. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sprach in einer Mitteilung von verheerenden Schäden. Allerdings lasse sich die Höhe des Gesamtschadens noch nicht beziffern. Zug-, Flug- und Reiseverkehr waren teilweise erheblich beeinträchtigt. Vielerorts hatten die Behörden die Bevölkerung vor dem Aufenthalt im Freien gewarnt, da durch umherfliegende Teile Lebensgefahr drohe.

Am stärksten betroffen war Nordrhein-Westfalen. Am Montagmorgen war die Rheinbrücke der Autobahn A 1 zwischen Leverkusen und Köln-Niehl gesperrt. Das Gerüst musste überprüft werden. Der Vorplatz des Kölner Doms war gesperrt worden, da Steine von dem Bauwerk abgeweht wurden. Beeinträchtigungen gab es auch auf dem Rhein. Bei Düsseldorf lief ein Containerschiff auf Grund, nachdem es durch Böen vom Kurs abgekommen war. Bei Rees rammte ein Passagierschiff eine Anlegestelle. In Mühlheim stürzte ein Baum auf acht parkende Autos, allein in diesem Fall wird der Schaden von der Polizei auf 240 000 Euro beziffert. Insgesamt ging die Polizei davon aus, dass die Schäden in NRW im Millionen-Euro-Bereich liegen würden.

Im gesamten Bundesgebiet entstanden Sachschäden durch abgewehte Dachziegel, eingestürzte Baustellengerüste, umgestürzte Bäume oder umherfliegende Gegenstände. In Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz hieß es jedoch einvernehmlich, man sei noch einmal vergleichsweise glimpflich davongekommen. Noch 1998 hatte der Orkan Lothar in Süddeutschland einen in die Mrd. Euro gehenden Schaden verursacht.

Erhebliche Beeinträchtigungen im Flug- und Zugverkehr

Erhebliche Störungen gab es im Zugverkehr. Meist durch umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste fielen bei der Bahn Züge aus. Besonders betroffen waren nach Angaben der Bahn Verbindungen in Nordrhein-Westfalen, wo der Verkehr auf mehr als 30 Strecken unterbrochen war. Auf der linken Rheinstrecke zwischen Mainz, Koblenz und Köln sei der Zugverkehr völlig zum Erliegen gekommen. In Schleswig-Holstein entgleiste nach Polizeiangaben bei Plön ein Zug. Ernsthafte Verletzungen hätten sich die rund 20 Passagiere jedoch nicht zugezogen.



Am Frankfurter Flughafen wurden wegen des Unwetters am Sonntag knapp 40 Flüge gestrichen. Es sei auch zu Verspätungen gekommen, erklärte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Fraport AG. Zu Verzögerungen kam es nach Angaben des Lagedienstes im Kieler Innenministerium auch im Schiffsverkehr an der Nordseeküste. Mehrere Fährverbindungen seien wegen des Orkans eingestellt worden.

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