Alternative Festnetzgesellschaften in schwieriger Situation
Investoren in Sorge wegen Festnetz der Telefonriesen

Das Vertrauen der Kapitalmärkte in die ehemaligen europäischen Telefon-Monopolisten wird offenbar durch eine neue Entwicklung beeinträchtigt. Die Investoren sorgten sich stark um das seit kurzem schwächelnde Festnetzgeschäft vieler großer Anbieter, sagte der frühere deutsche Chefregulierer und jetzige Investmentbanker Klaus-Dieter Scheurle am Dienstag auf einer Tagung in Düsseldorf. Er stellte dabei Erkenntnisse des Investmenthauses Credit Suisse First Boston vor, für die er als Berater tätig ist.

vwd DüSSELDORF. Das erste Quartal habe gezeigt, dass das angestammte Festnetz offenbar doch nicht die sichere Bastion sei, als die es immer gegolten habe. Die Abschwächung in diesem Bereich sei ebenso erheblich wie überraschend eingetreten, sagte Scheurle. So hätten fünf von neun Ex-Monopolisten in den ersten drei Monaten Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Das Minus bewegte sich zwischen 0,8 % bei der Deutschen Telekom bis 4,5 % bei der France Telecom.

Das als Profitabilitätsmesser in der Branche geltende Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen war gegenüber Januar bis März 2001 um bis zu gut zwölf Prozent rückläufig. Die Skepsis gegenüber der bisherigen "Cash Cow" Festnetz tritt laut Scheurle zu einer Reihe von Minuspunkten in den Augen der Investoren, die bei den Ex-Monopolisten aber auch Positives sähen.

Zu den Vorteilen würden der zumeist ausgewogene Mix von Dienstleistungen gerechnet sowie der Stopp von Marktanteilsverlusten. Hinzu komme, dass die Telcos stark in der breitbandigen DSL-Technik engagiert seien. Negativ würden am Kapitalmarkt hingegen unter anderem die zumeist hohen Schulden und regulatorische Risiken betrachtet, etwa hinsichtlich Call-by-Call im Ortnetz.

Bei den reinen Mobilfunkbetreibern halten sich nach Darstellung Scheurles Vor- und Nachteile in den Augen der Anleger ebenfalls in etwa die Waage. Steigenden Cash-Flows und Margen stünden unter anderem schwächeren Wachstumsaussichten und die Unsicherheit in Sachen UMTS gegenüber.

Die alternativen Festnetzgesellschaften sieht Scheurle, der seit Anfang 2001 als Managing Director für Credit Suisse First Boston in Frankfurt tätig ist, in einer schwierigen Situation. "Die Investoren mögen diesen Sektor immer weniger", bilanzierte er. Es sei noch unklar, ob die Geschäftsmodelle aufgingen, die vielfach für 2003 erstmals schwarze Zahlen vorsehen. Die Kapitalmärkte seien diesen Carriern völlig verschlossen. Dabei sei durchaus anlagesuchendes Kapital vorhanden. "Gutes Geld sucht fast schon verzweifelt gute Anlagen", betonte der frühere Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post auf der "Handelsblatt"-Konferenz.

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