Alternative Investments eröffnen neue Wachstumspotenziale
Zukunft der Anlagebranche liegt in der Arbeitsteilung

Die Einnahmen kollabieren, während die Kosten weiter steigen. In dieser Ertragsklemme stecken die Investmentgesellschaften. Eine Konsolidierung unter den Anbietern deutet sich an. Die Aufgabe unrentabler Geschäftsbereiche und die Spezialisierung auf die eigenen Stärken ist unausweichlich.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Party der 90er Jahre ist vorbei. Viele Investoren haben in der Aktienbaisse der vergangenen drei Jahre ihr Geld verloren, bei den Vermögensverwaltern sind die Erträge in den Keller gerutscht. Jeder sucht nach Überlebenskonzepten. Für einen großen Teil der Asset-Manager liegt die Rettung in konsequenter Spezialisierung und Besinnung auf die eigenen Stärken. Dazu gehört auch - bildlich gesprochen - die Trennung von Handwerk und Künstlertum. Einige wichtige Trends: Gesund Schrumpfung auf Größe eines Nischenanbieters oder zum großen Spieler in der internationalen Top-Liga aufrücken, Konzentration auf reines Asset-Management oder damit verbundene Verwaltungsaufgaben, Spezialisierung auf aktives oder passives Management, Besetzung der zukünftsträchtigen Produktfelder alternative Investments, den Anleger wieder in den Mittelpunkt allen Handelns stellen - schließlich geht es um sein Geld.

In den Boomjahren standen unternehmerische strategische Überlegungen bei den Mitspielern nicht im Vordergrund, denn die Anleger überschwemmten die Produktanbieter und Vermittler mit ihren Geldern - für Performance und zufriedene Investoren sorgte ohnehin die Hausse. Der Ertragskollaps im Zuge der Baisse hat die Defizite schonungslos aufgedeckt. Einseitige Produktpaletten, schlechte Organisation des Vertriebes und des Risikomanagements, desolate Kostenrechnung und fehlende Kundenorientierung werden gnadenlos bestraft. Zahlen von McKinsey zeigen, dass viele europäische Vermögensverwalter in den roten Zahlen stecken und sich die Lage weiter verschlechtert.

Die Malaise ist teilweise selbstverschuldet. Das geben sogar renommierte Vertreter der Branche zu. An der Spitze der Kritiker steht sicherlich John Bogle. Der Gründer der zweitgrößten US-Investmentgesellschaft Vanguard zählt zu den lebenden Legenden an Wall Street. Er liest seiner eigenen Zunft kräftig die Leviten: Die Branche hat sich auf Kosten der Anleger bereichert - deutlicher geht es kaum. Er spricht von einer Verwahrlosung der Sitten, prangert Produkt-Promoting ohne Rücksicht auf die Anlegerinteressen an, den Trend zu spezialisierten Produkten, die Fonds-Flut, die gestiegenen Gebühren. Sein Überlebenskonzept stellt er unter das Motto "Zurück in die Zukunft". Bogle meint damit die radikale Gesundschrumpfung der Branche.

Neustrukturierung der Anlagebranche

Was Bogle seinen Landsleuten in Amerika empfiehlt, werden seine Wettbewerber unterschreiben, wenn auch kaum in dieser radikalen Form. Er weist allerdings den Weg zur Professionalisierung des Geschäftes, zu einer arbeitsteiligen Asset-Management-Branche. Und genau dieser Gedanke hält derzeit die europäische und insbesondere die deutschen Mitspieler in Atem. Im Kern geht es um die Neustrukturierung der noch jungen Anlagebranche, angelehnt an Vorbilder aus reifen Industrien wie dem Automobilsektor. In Zukunft wird der Fondsanbieter nicht mehr alle Einzelteile seines Produktes selber herstellen, es auch noch montieren und verkaufen, sondern vielleicht die Bestandteile von Zulieferern beziehen, die diese günstiger oder besser herstellen können, vielleicht auch die ganzen Administrations- bzw. Verwaltungsaufgaben an Spezialisten übertragen.

In Deutschland ist diese arbeitsteilige Zukunft unter dem Kürzel "Master-KAG" ein heiß diskutiertes Thema. Es drängeln sich schon viele Investmentgesellschaften auf diesem Markt. Die Mitspieler konzentrieren sich auf Fondsadministration und-buchhaltung. Sie wollen jenen Gesellschaften, die in Zukunft ausschließlich Asset-Manager sein wollen, die Verwaltungsaufgaben abnehmen. Jetzt muss ein institutioneller Anleger nicht mehr seine einzelnen Spezialfonds bei unterschiedlichen Investmentgesellschaften verwalten lassen, wie es bisher noch Praxis ist. Er kann alle seine Asset-Manager unter dem Dach einer der neuen Verwaltungsfirmen bündeln (das Pendant im Fondsgeschäft für Privatkunden, der Verkauf auch fremder Produkte, ist die so genannte "Open Architecture"). Das hat viele Vorteile, zum Beispiel die Berichterstattung über die Anlageleistungen aus einer Hand.

Dieses neue Konzept steckt noch in den Kinderschuhen, ist aber eine Facette der Entwicklung in Richtung angelsächsischer Verhältnisse. Bisher wurde der Investor häufig aus einem Haus bedient, denn sein Asset-Manager, sein Broker und seine Depotbank gehörten zum gleichen Bankkonzern. Dieses alte deutsche Modell, dass Interessenkonflikte schuf und zur Bereicherung innerhalb des Konzerns einlud (Bogle lässt grüßen), löst sich in schnellem Tempo auf. Das neue Motto: Die einzelnen Dienstleistungen werden von verschiedenen Adressen erledigt - damit auch separat abgerechnet.

Das Aufbrechen des alten Systems verschärft den Wettbewerb unter den Asset-Managern zusätzlich. Unter dem Dach einer der neuen Verwaltungsfirmen können Investoren jetzt viel leichter ihrer Manager für einzelne Anlagegebiete, beispielsweise europäische Nebenwerte, auswechseln. Das erleichtert insbesondere ausländischen Adressen den Einstieg ins Deutschlandgeschäft. Fast die Hälfte der Institutionellen beschäftigt laut einer Studie der Ratingagentur RCP schon mindestens einen ausländischen Asset-Manager. Der Prognose zufolge wird die Quote Richtung drei Viertel laufen.

Die einfachere Möglichkeit zum Auswechseln hat für einige Vermögensmanager fatale Folgen. Da die Institutionellen mit den Anlageleistungen immer unzufriedener geworden sind, tauschen sie ihre Asset-Manager häufiger aus als früher. Mit der deutlichen Trendumkehr an den Märkten haben die Investoren ihre Vorlieben geändert - das gilt sowohl für institutionelle als auch private Anleger. Ganz oben auf den Prioritätslisten steht nicht mehr Performance, sondern: Sicherheit, ein kalkulierbarer positver Ertrag, gutes Risikomanagement beim Vermögensverwalter. Das illustrieren Umfragen wie die von der britisch-amerikanischen Investmentgesellschaft Invesco.

Asset-Manager stehen gut da

Unter dem Vorzeichen der Baisse ist es kein Wunder, dass risikominimierende Produkte, das heißt Aktienangebote mit Garantien oder Wertsicherungskonzepten, reißenden Absatz finden. Auf diese Angebote ausgerichtete Asset-Manager stehen gut da. Das gilt noch mehr für Adressen, deren Produkte per se von der Baisse verschont bleiben. Dazu zählen Immobilienfonds-Gesellschaften, Anleihe- und Geldmarktspezialisten.

Diese Ausrichtungen haben einen Nachteil. Die damit verbundenen Margen sind im Vergleich zum Aktiengeschäft gering. Manche Asset-Manager hoffen zwar auf eine Normalisierung der Börsenlage und damit auf einen neuen Schub. Einige Experten, wie der renommierte Vermögensverwalter Marc Faber in Hongkong, sehen das Jahr 2000 allerdings als langfristige Wendemarke: Er spricht vom Ende einer 20-jährigen und historisch einmaligen Hausse bei Aktien und dem Ende einer ebenso langen Baisse bei alternativen Anlageformen, insbesondere Rohstoffen.

Sollte die Minderheit recht behalten, wären viele Asset-Manager in ihren Produktpolitiken überfordert. Die Defizite im Rohstoffbereich sind enorm. Viele Banken und Investmenthäuser haben in den neunziger Jahren ihre Researchteams für diese Sparte aufgelöst. Bei den alternativen Anlagen, etwa den Hedge Funds, sieht es besser aus. Finanzminister Eichel will zumindest grünes Licht für deren Zulassung geben.

Diese Trends werden dafür sorgen, dass sich in Zukunft die Handwerker und Künstler trennen. In den neuen Gesellschaften für Fondsadministration müssen Handwerker das Geschäft erledigen. Im Asset-Management gilt das gleiche für Aktien-Basisanlagen, beispielsweise europäische Standardwerte. Diese Portfolios werden mehr und mehr an Indizes orientiert, eine persönliche Einschätzung des Fondsmanagers zählt immer weniger. Das gilt insbesondere für die extreme Benchmarkorientierung bei Indexfonds, die immer größeren Zuspruch finden und wo nur noch ein Computer die Depotanpassungen vornimmt. Künstler, die sich von ihrer eigenen Einschätzung und Inspiration leiten lassen, zieht es auf andere Felder, insbesondere in die Hedge Funds-Arena - vielleicht auch auf das Feld der Rohstoffe.

Die Agenda

Das können Vermögensverwalter tun:

auf Asset-Management oder Fondsadministration konzentrieren Wachstumsfeld

alternative Anlagen besetzen

Kundenservice verbessern

durch Aufkäufe zum Großanbieter oder durch Schrumpfung zum Nischenspezialisten werden

intern Kostenrechnung und Vertrieb auf Vordermann bringen



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