Alternativen gesucht
Tchibo rechnet nicht mehr mit Beiersdorf-Zukauf

Der Hamburger Kaffeeröster Tchibo rechnet nach eigenen Angaben nicht mehr damit, dass der Münchener Allianzkonzern seinen Beiersdorf-Anteil an ihn verkauft. Zur Wiederanlage des Milliardenerlöses aus dem Reemtsma-Verkauf vor einem Jahr sieht sich Tchibo nach Worten von Vorstandschef Reinhard Pöllath nun verstärkt nach Alternativen um.

Reuters HAMBURG. Pöllath sprach auf der Tchibo-Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Hamburg von einer neuen Situation. Die Hoffnungen, dass die Allianz ihren knapp 44-prozentigen Beiersdorf-Anteil an Tchibo verkaufe, seien geringer geworden, sagte er. Die Gründe dafür ließ er offen. Tchibo hatte in der Vergangenheit wiederholt seine Bereitschaft geäußert, das zum Verkauf stehende Allianz-Paket zu erwerben, sich nach Branchenangaben mit dem Versicherungskonzern aber nicht über den Preis einigen können. Vorübergehend hatte auch der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble Interesse an Beiersdorf gezeigt, war aber nicht zum Zuge gekommen. Daraufhin waren die Amerikaner bei dem Haarpflege- und Kosmetikspezialisten Wella eingestiegen.

Die Allianz wollte die Aussagen Pöllaths nicht kommentieren. Der Konsumgüterkonzern Henkel , den Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch in einem Reuters-Interview kürzlich als möglichen Partner ins Gespräch gebracht hatte, wollte ebenfalls keine Stellungnahme abgeben. Kunischs Überlegungen über eine Zusammenarbeit waren bei Henkel im April mit großem Interesse zur Kenntnis genommen worden.

Pöllath sagte zu der von ihm Mitte vergangenen Jahres geäußerten Hoffnung, den inzwischen auf 30,4 % erhöhten Tchibo-Anteil an Beiersdorf durch Zukauf bei der Allianz auf eine Mehrheit aufstocken zu können: "Dieser Glaube scheint geringer geworden zu sein." Auf die Nachfrage, ob er nun nicht mehr damit rechne, mit Allianz über einen Kauf einig zu werden, antwortete Pöllath, dies könne man so ausdrücken.

Von Reuters befragte Analysten sagten, die Allianz befinde sich nach der abgeschlossenen Kapitalerhöhung offenbar nicht mehr unter dem Druck, den Beiersdorf-Anteil zu verkaufen. Tchibo sei zudem offenbar nicht bereit, den von der Allianz erwarten Preis für Beiersdorf zahlen. Bis der neue Tchibo-Chef Dieter Ammer Anfang Juni sein Amt übernehme, werde der Kaffeeröster ohnehin keine größeren Investitionsentscheidungen treffen.

Pöllath machte keine Angaben darüber, in welche Branchen Tchibo die beim Reemtsma-Verkauf an die britische Imperial Tobacco im Mai 2002 erzielten rund fünf Mrd. ? investieren wolle. Er sagte lediglich, es werde nicht in Bereiche investiert, von denen man nichts verstehe. Dabei sei Tchibo nicht auf den Handel festgelegt. Auch sei nicht geplant, die volle Summe von fünf Mrd. ? auf einen Schlag auszugeben. "Das heißt nicht, dass wir bis ans Ende der Welt auf dem Geld sitzen bleiben", fügte der Anfang Juni in den Tchibo-Aufsichtsrat zurückkehrende Rechtsanwalt hinzu.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte Tchibo seinen Umsatz trotz anhaltender Flaute im übrigen Einzelhandel um 2,6 % auf 3,1 Mrd. ?. Bereinigt um den Preisrückgang bei Kaffee habe sich das Wachstum der Kaffeesparte auf rund vier Prozent belaufen. Zu dem Umsatzwachstum trug den Angaben zufolge vor allem das Systemgeschäft bei. Tchibo bietet in seinen Filialen neben Kaffee Gebrauchsartikel, Reisen und Versicherungsverträge an.

Der Konzerngewinn erhöhte sich wegen des außerordentlichen Ertrags aus dem Reemtsma-Verkauf auf 3,5 Mrd. ? von zuvor 687 Mill. ?. Seine liquiden Mittel gab Tchibo mit 4,5 Mrd. ? an. Nach der im vergangenen Jahr begonnenen Expansion in Großbritannien und der Schweiz kündigte Pöllath weitere Expansionsschritte in Europa an, nannte aber keine Details.

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