Altersvorsorge
Riester-Rente: Und plötzlich siehst du alt aus

Dass es ab 1. Januar 2002 staatliche Zuschüsse gibt, wenn man privat für die Rente spart, hat sich inzwischen herumgesprochen. Wie aber das Procedere aussieht, hat kaum jemand so richtig verstanden. Hier sind Antworten auf die 15 drängendsten Fragen zur Riester-Rente.
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1. Wie sieht die Riester- Förderung aus?

Die Förderung der privaten Altersvorsorge nach dem Altersvermögensgesetz (AVmG) besteht aus zwei Elementen: Zulagen und Steuervorteilen. Je nach Einkommens- und Familiensituation können bis zu 92 Prozent der gesamten Aufwendungen für die private Vorsorge durch staatliche Subventionen kassiert werden.

Mit der Grundzulage und der Kinderzulage stockt der Staat den Beitrag auf, den ein Arbeitnehmer pro Jahr in ein förderfähiges Altersvorsorge-Produkt steckt. So wächst die spätere Rente durch eigene Zahlungen, staatliche Zuschüsse und Zinseszinsen aus dem erworbenen Produkt. Die Grundzulage kann jeder kassieren. Die Kinderzulage gibt es für jeden Sprössling, für den Anspruch auf Kindergeld besteht.

Aufwendungen für Riester-Produkte können bei der Steuererklärung wie Sonderausgaben bis zu einer Höchstgrenze von zurzeit 2.100/4.200 Euro (Ledige/Verheiratete, zwei Berechtigte) geltend gemacht werden und mindern so das zu versteuernde Einkommen.

Mit welcher Variante ein Anleger besser fährt, rechnet das Finanzamt automatisch aus. Nach der so genannten "Günstigerprüfung" überweist es dann eventuelle Überhänge.

Die Förderung der privaten Altersvorsorge erfolgt in vier Stufen ­ der so genannten Riester-Treppe. Sie beginnt 2002 und erreicht die höchste Stufe im Jahr 2008.

2. Wie viel muss ein Anleger sparen?

Wer die maximale Riester-Förderung erhalten will, muss einen bestimmten Prozentsatz seines rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens des Vorjahres in ein zertifiziertes Vorsorgeprodukt einzahlen. Dieser Prozentsatz steigt in vier Stufen von einem bis vier Prozent. Wer weniger einzahlt, erhält entsprechend weniger staatliche Förderung.

Ein wenig verwirrend ist, dass die staatlichen Zulagen in diese notwendigen Mindestbeiträge eingerechnet werden. Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdiente im Jahr 2007 40.903 Euro. 2008 muss er dann vier Prozent davon in ein Riester-Produkt einzahlen, um die volle Förderung von 154 Euro zu bekommen. An sich wären das 1.636 Euro. Weil aber der Staat 154 Euro beisteuert, muss der Sparer selbst nur noch 1.482 Euro einzahlen, um auf den von Riester geforderten Mindestbetrag zu kommen.

3. Wer erhält eine Riester-Förderung?

Grundsätzlich alle, die Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sind. Dazu gehören Arbeitnehmer, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende, Eltern im Elternurlaub und 630-Mark-Kräfte, die auf die Sozialversicherungsfreiheit verzichten. Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst sollen künftig ebenfalls zum Kreis der Berechtigten gehören.

Leer gehen aus: Beamte und Selbstständige (Hintertürchen: der Ehepartner ist "Riester-berechtigt") und Arbeitnehmer, die ihre Rente in eine berufsständische Versorgungseinrichtung zahlen, zum Beispiel Architekten und Anwälte.

4. Für welche Produkte gibt es die Riester-Förderung?

Private Versicherungen: In Frage kommen als Basisprodukte sowohl normale private Rentenversicherungen als auch fondsgebundene Rentenprodukte in Kombination mit klassischen Rententarifen (so genannte Hybridprodukte). Bei letzteren sorgt der Klassik-Teil für die Erfüllung der Beitragszusage, der Fonds-Teil für den erhofften Performancegewinn.

Fonds: Investmentfonds-Gesellschaften bieten ihre Produkte in Kombination mit Rententarifen eines Kooperationspartners an. Vertrieben wird das Paket dann entweder unter dem eigenen Namen oder als White-Label-Produkt unter dem Namen eines x-beliebigen Vertreibers.

Sparpläne: Grundsätzlich eignet sich auch diese Angebotsform der Banken für geförderte Produkte. Nachteil: Die Zinsen bewegen sich mit 2,5 bis rund 4 Prozent auf bescheidenem Niveau, die draufgesattelte Rentenpolice am Ende der Ansparphase verringert weiter die Performance.

Immobilien: Ursprüngliche Pläne, auch Bausparverträge in die Palette der förderfähigen Riester-Produkte aufzunehmen, wurden schließlich wegen zu hoher vermuteter Steuerausfälle gestrichen.

Einigen konnten sich die Bundesländer schließlich nur auf das Entnahmemodell. Dabei kann der Riester-Sparer in der Ansparphase seinem Guthabenkonto bis zu 50.000 Euro "entnehmen", um sie für die Immobilienfinanzierung einzusetzen.

Dieses "Darlehen an sich selbst" bleibt zwar zinsfrei, belastet aber die Liquidität. Und es mindert die schließlich erreichbare Zusatzrente, weil das Vorsorgekapital durch verringerte Zinseszinseffekte entsprechend niedriger ausfällt.

Zudem muss der Immobiliensparer den entnommenen Betrag bis zum Renteneintritt in gleichmäßigen Raten wieder zurückgezahlt haben ­ - allerdings frühestens mit 60.

5. Was ist mit der betrieblichen Altersvorsorge?

Ab Januar 2001 haben alle Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf die Umwandlung eines Teils ihres Gehalts in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) wie Direktversicherungen oder Pensionsfonds. War diese Vorsorge früher "nur" steuerlich interessant, wird sie jetzt spannender, weil man sie unter bestimmten Voraussetzungen auch "verriestern" kann. In den im Frühjahr anstehenden Tarifverhandlungen wird die betriebliche Altersvorsorge deshalb ein wichtiges Thema sein.

6. Muss man sich jetzt überschlagen und möglichst flott einen Vertrag abschließen?

Eindeutig nein. Erst im Laufe dieses Jahres wird die volle Produktpalette der verschiedenen Anbietergruppen auf dem Markt sein. Erst dann werden Analysen der Produkte in der Wirtschaftspresse zeigen, welche der neuen Angebote top und welche eher mager von der Leistung sind.

Die kompletten Zulagen oder Steuervorteile für 2002 fließen übrigens auch dann, wenn der Vertrag erst am Jahresende 2002 abgeschlossen wird.

7. Was ist, wenn ich früher aus dem Vertrag aussteigen will?

Wer vorzeitig an sein angespartes Vermögen will, muss sämtliche Fördergelder zurückzahlen. Gleichzeitig werden auch alle erzielten Anlagegewinne sofort versteuert. Ein Wechsel zwischen Altersvorsorgeverträgen ist allerdings "straffrei" möglich ­ sollte wegen der anfallenden Kosten beim Anlageinstitut aber nicht zu oft gemacht werden. Wer die monatlichen Raten mal nicht mehr aufbringen kann, kann seinen Vertrag ruhen lassen. Dann gibt es das Geld zwar auch erst am Ende der Laufzeit, aber die Riester-Zulage bleibt erhalten.

8. Kann man bestehende Verträge umstellen und lohnt sich das?

Die meisten Versicherer werden ihren Kunden eine Umstellung bestehender Verträge wohl anbieten. Ganz unproblematisch ist ein solches Verfahren allerdings nicht. Denn neben rein versicherungsmathematischen Schwierigkeiten droht Ärger mit dem Finanzamt: Während die Prämie für bestehende, klassische Lebensversicherungsverträge aus versteuertem Einkommen geleistet werden, bildet sich das Deckungskapital für Riester-Produkte aus grundsätzlich unversteuertem Einkommen. Dafür werden die neuen Förderprodukte spätestens bei Rentenbeginn voll versteuert, während Leistungen normaler Lebensversicherungen dann entweder gänzlich steuerfrei bleiben (Beispiel: Kapital-Lebensversicherung) oder nur mit verringertem Ertragsanteil (Beispiel: Rentenversicherung) besteuert werden.

9. Wie wird die Förderung ausgezahlt?

Am Jahresende bekommt jeder Sparer von dem Unternehmen, das seine Anlage managt, einen Antrag auf Zulagenförderung. Den muss man ausgefüllt zurückschicken, dann schreibt das Unternehmen die staatliche Zulage dem Anlagekonto gut. Damit die Sparrate auch steuerlich im Sonderausgabenabzug berücksichtigt wird, gibt es in der Steuererklärung eine neue Anlage AV. Steht sich der Sparer damit besser, zahlt das Finanzamt die Differenz zur Zulage automatisch aus.

10. Wie sieht so ein Rentenverlauf aus?

Die Riester-Rente lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Ansparphase: In der ersten Phase werden Beiträge eingezahlt, die verzinslich angesammelt werden und im Laufe der Jahre den Kapitalstock bilden, aus dem die späteren Auszahlungen finanziert werden.

Entnahmephase: Mit Renteneintritt beginnt die zweite Phase des Privatvorsorge-Modells. Je nachdem, für welchen Anbieter man sich entschieden hat, folgt nun entweder die Entnahmephase bei Investmentfonds- und Banksparplan-Produkten oder die erste Rentenphase bei Versicherungsprodukten. Dabei wird der angesammelte Kapitalstock "verrentet". Das bedeutet, dass der größte Teil des Vermögens als Einmalzahlung in eine Rentenversicherung eingezahlt wird. Diese sorgt dann für die regelmäßige konstante oder steigende monatliche Rentenzahlung.

Rentenphase: Ab dem 65. Lebensjahr beginnt dann die letzte Phase der privaten Zusatzversorgung. Von nun an wird eine lebenslange Rente gezahlt. Dabei reicht eine Rente, die gleich hoch ist wie die letzte Rate in der Auszahlungs- oder Entnahmephase.

Die Unterscheidung zwischen Entnahme- und Rentenphase wird meist nur bei Fonds- und Bankprodukten gegeben sein. Bei Versicherungslösungen werden diese beiden Phasen nach den bislang vorliegenden Produkten in eine einheitliche Rentenphase zusammengepackt.

11. Wo liegen die Haken?

Beiträge zur Altersvorsorge à la Riester bleiben in der Ansparphase grundsätzlich steuerfrei. Die Stunde des Fiskus schlägt erst in der zweiten Phase: Dann werden die Renten beziehungsweise Entnahmen nachgelagert besteuert.

Der Vorteil der Riester-Rente: Durch die volle Wirksamkeit der Beitragsleistung wird anfangs schnell ein Kapitalstock gebildet, der schnell zu Zinseszinseffekten führt. Der Nachteil: Wer auch im Alter über hohe Gesamteinkünfte mit einem entsprechenden Steuersatz verfügt, muss von der Riester-Rente ordentlich Steuern zahlen. Das Änderungsrisiko bei der Steuerlast ist dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Im Gegensatz zu normalen Lebensversicherungen sind Riester-Produkte weder beleih- noch vererbbar. Einen Trick gibt es allerdings, um wenigstens einen Teil des eingezahlten Kapitals auf jeden Fall zurückzubekommen. Das Zauberwort lautet: Garantiezeit. Bei Versicherungslösungen kann eine garantierte Rentenleistungsdauer von fünf, zehn oder gar 15 Jahren vereinbart werden. Bei vorzeitigem Tod des Rentners können dann Bezugsberechtigte noch die verbliebene Garantiezeit Rente beziehen.

12. Wie sieht es mit den Kosten aus?

Das Lastenheft des Gesetzgebers engt den Gestaltungsspielraum bei der Produktentwicklung stark ein und wirkt durch detaillierte Vorgaben als Kostenturbo bei den Anbietern. Am Ende muss der Kunde für den hohen Aufwand bezahlen. Eine Analyse der ersten Produkte lässt drei Kostenblöcke erkennen, die man vor dem Kauf eines Riester-Produkts genau unter die Lupe nehmen sollte: die einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten, die laufenden Verwaltungskosten sowie die sonstigen Kosten. Die einzelnen Positionen können sich zu einer Gesamtkostenbelastung von bis zu 20 Prozent addieren. Zum Vergleich: Bei einer normalen Kapital-Lebensversicherung wird allgemein mit rund zehn Prozent gerechnet, bei einer Tarifrente sogar nur mit rund fünf Prozent.

Einmalkosten: Dazu zählen Abschluss- und Vertriebskosten. Hauptpositionen sind dabei die Vertreter-Provisionen und sonstige Marketing-Kosten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern sind enorm: Die Spanne reicht derzeit von 0,09 Prozent bis 6,5 Prozent der Einzahlungen.

Feinsinnig unterscheiden viele Versicherer dabei zwischen den Eigenbeiträgen des Kunden und den Zulagen vom Staat. Manche bescheiden sich mit den Eigenbeiträgen ­ andere greifen dagegen gleich das gesamte Beitragsvolumen. Dazu kommen bei einigen Anbietern noch die so genannten Stückkosten, die für jeden Vertrag einmal oder sogar laufend jährlich anfallen.

Laufende Kosten: Während der Ansparphase werden die laufenden Beiträge dann mit Verwaltungskosten belastet. Die fallen beispielsweise durch die jährliche Vertragsbearbeitung an. Nur die Berlinische Leben verzichtet bislang auf diese Kostenposition, andere Anbieter stellen zwischen 0,02 Prozent und 8,5 Prozent Kosten in Rechnung.

Selbst nach Renteneintritt, wenn also die Beitragszahlung beendet ist, endet noch lange nicht die Kostenbelastung beim Kunden. Auch in der Rentenphase werden die laufenden Rentenauszahlungen mit Gebühren zwischen 0,5 und 2 Prozent der Jahresrente belastet.

Sonstige Kosten: Sie fallen an, wenn der Kunde den Vertrag umstellen oder auf ein anderes Unternehmen übertragen will. Aber auch bei Kündigung des Vertrages oder bei Beitragsfreistellung der Police halten die Versicherer die Hand auf und stellen entweder einen bestimmten Prozentsatz des Guthabens und/oder einen festen Betrag für ihr Tätigwerden in Rechnung.

13. Was ist dran an den Gerüchten, die Riester-Rendite sei niedriger als bei anderen Produkten?

Mal ganz abgesehen von den unter 12) genannten Kosten, wird nach Einschätzung unabhängiger Experten der Performancewert von so genannten Förderprodukten um ein bis zwei Prozentpunkte unter der von klassischen Produkten liegen.

14. Reichen die bisherige Rente und die Riester-Rente, um in Frieden alt zu werden?

Mit diesen beiden Komponenten alleine werden nur diejenigen auskommen, die bereit sind, im Alter den Gürtel enger zu schnallen ­ und das wollen wohl die wenigsten.

Ein Beispiel: Sven M. ist 34 Jahre. Nach Abitur und BWL-Studium arbeitet er heute im Controlling eines großen Unternehmens. Seine gleichaltrige Frau hat nach dem Studium sechs Jahre als Projektmanagerin in einer Agentur gearbeitet. Heute versorgt sie die beiden gemeinsamen Kinder. Er verdient monatlich knapp 5.000 Euro, sie zurzeit nichts. Nach Abzug aller Abgaben bleiben rund 3.300 Euro. Davon wollen beide so viel in Riester-Produkte stecken, dass sie die volle Förderung bekommen. Im Alter möchten die beiden auf eine Gesamtrente von etwa 4.000 Euro kommen.

Als Gesamtversorgung ergeben sich rund 2.640 Euro. Um auf die gewünschten 4.000 Euro zu kommen, brauchen beide noch zusätzlich weitere Altersvorsorgemaßnahmen. Und dabei wurden absehbare Kürzungen bei der gesetzlichen Rente noch nicht einmal berücksichtigt.

15. Lohnt es sich, die ganzen Einschränkungen in Kauf zu nehmen für ein bisschen Förderung?

Eine ­ vereinfachte ­ Grundempfehlung: Je niedriger das persönliche Einkommen und je höher die individuelle Förderung ausfallen, desto mehr spricht für ein Riester-zertifiziertes Produkt. Beispiel: Ein Alleinverdiener-Ehepaar mit 30.000 Euro Jahreseinkommen und vier Kindern kann in der Endförderstufe (ab 2008) insgesamt 1.048 Euro an Zulagen kassieren ­ bei einem Bruttoaufwand von 1.200 Euro und einem tatsächlichen Eigenbeitrag von nur rund 150 Euro.

Anders stellt sich die Frage im zweiten Beispiel: Ein Lediger mit 50.000 Euro Jahreseinkommen kann nur Zulagen von 154 Euro kassieren und muss unterm Strich 1.846 Euro an Eigenbeiträgen zahlen.

Zwischen diesen Polen wird sich in den meisten Fällen die Entscheidungslage abspielen. Wichtig ist letztlich die "Förderquote", also der Eigenaufwand im Verhältnis zur gesamten staatlichen Förderung.

Der Bund subventioniert die private Vorsorge a la Riester mit Zulagen und Steuererleichterungen. Mit dem Fördermittelrechner von DMEuro.com können Sie ihre individuellen Zulagen und Steuererleichterungen für den Zeitraum von 2002 bis 2008 berechnen lassen: Riester-Rechner

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