Altersvorsorge
Steuern sparen bei der Vorsorge

Nicht nur bei der Auszahlung der späteren Rente, auch in der Ansparphase können Vorsorgesparer von unterschiedlichen Steuererleichterungen profitieren. Ein neues Gerichtsurteil könnte jedoch die gesamte Besteuerung der Alterseinkünfte verändern.

DÜSSELDORF. Im Ruhestand gilt bisher: Pensionäre müssen ihre Altersbezüge wie Arbeitslohn versteuern, Rentner zahlen dagegen meist überhaupt keine Steuern. Denn von der gesetzlichen Rente ist nur der sogenannte Ertragsanteil steuerpflichtig. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt davon ab, wie alt der Arbeitnehmer beim Eintritt ins Rentenalter ist. Wer früh in Rente geht, muss im Ruhestand mehr versteuern. Bei den meisten Rentnern ist der Ertragsanteil jedoch niedrig. Mit 65 Jahren beträgt er 27 Prozent. Ein Arbeitnehmer, der sich mit 65 Jahren zur Ruhe setzt, darf danach jedes Jahr 33 863 Euro Rente steuerfrei kassieren.

Das Bundesverfassungsgericht hat am 6. März entschieden, dass die gesetzlichen Altersrenten und Pensionen spätestens ab 2005 vor dem Fiskus gleich gestellt werden müssen. Das bedeutet: Die Rente vom Staat wird künftig höher besteuert.

Damit wendet der Gesetzgeber das Riester-System auch auf die gesetzlichen Renten an. In der Ansparphase gewährt der Staat zwar Steuerentlastungen, dafür müssen die Rentner später mehr Steuern bezahlen. Nachgelagerte Besteuerung nennt sich dieses Vorgehen. Das Urteil könnte noch weiter gehen. Es ist denkbar, dass künftig Leistungen aus privaten Vorsorgeverträgen versteuert werden müssen - allerdings nicht rückwirkend.

Da in Zukunft die magere gesetzliche Rente versteuert werden muss, sollten die private und betriebliche Altersvorsorge entsprechend aufgestockt werden.

Riester-Rente: Das Prinzip, das in Zukunft für die gesetzlichen Renten gelten soll, ist bei den Riester-Verträgen schon Realität. Angespart wird zunächst aus unversteuertem Einkommen, bei der Auszahlung muss die private Zusatzrente dann voll als Einkommen versteuert werden. Das ist der Preis für die Steuerfreiheit in frühen Jahren.

Der Unterschied zu anderen Anlageformen: Das Einkommen muss nicht erst versteuert werden, bevor es zum Vermögensaufbau zur Verfügung steht.

Die Kapitalerträge (z.B. Zinsen) können bei Riester-Sparplänen komplett steuerfrei eingestrichen, die Aufwendungen für die private Altersvorsorge als Sonderausgaben abgesetzt werden. Allerdings nur in einem bestimmten Rahmen von 1 (ab 2002) bis 4 Prozent (ab 2008) des Bruttoeinkommens und nur bis zu einer Höchstgrenze von 525 Euro(2002; ab 2008: 2.100 Euro). Das Finanzamt rechnet jeweils aus, ob der dadurch entstehende Steuervorteil höher ist als die Zulagen und erstattet im Zweifelsfall automatisch die Differenz.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge, der zweiten Variante der Riester-Rente, sind die Beiträge für Pensionskassen und Pensionsfonds steuerlich begünstigt. Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze kann der Arbeitgeber in diese beiden Formen der betrieblichen Altersvorsorge seit Anfang 2002 steuerfrei einzahlen, wenn der Arbeitnehmer dafür nicht die Riester-Förderung in Anspruch nimmt. Ein Ungleichgewicht gegenüber den pauschal besteuerten Direktversicherungen, meinen die Versicherer - und haben geklagt. Ein Urteil steht noch aus.

Lebens- und Rentenversicherungen: Lebensversicherungen genießen nach wie vor Steuervorteile. Die Beiträge selbst können zwar nur in engen Grenzen als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Bei der späteren Auszahlung der Kapitalleistung wird jedoch keine Steuer fällig. Bedingung ist, dass die Police bestimmte Vorraussetzungen erfüllt.

So dürfen Kapitallebensversicherungen frühestens in 12 Jahren fällig werden, mindestens 5 Jahre lang muss der Versicherte Beiträge bezahlt haben. Im Todesfall muss die Absicherung zudem mindestens 60 Prozent der eingezahlten Summe betragen.

Nach Auffassung der Branche wird das Karlsruher Rentenurteil keine Änderung bei der steuerlichen Behandlung der Kapitalpolicen nach sich ziehen.

Auch bei private Rentenversicherungen ist die Auszahlung nur zum Teil steuerpflichtig. Wie bei der gesetzlichen Rente muss nur der sogenannte Ertragsanteil versteuert werden. Er richtet sich danach, wie alt der Sparer bei Rentenbeginn ist. Beispiel: Mit 56 beträgt er noch 37 %, mit 65 dann nur noch 27 % des Einkommens. Bei einer Rente von 1.000 Euro wären das 370 bzw. 270 Euro.

Auch bei Sofortrenten sowie aufgeschobenen Rentenversicherungen ohne Kapitalwahlrecht ist nur der Ertragsanteil steuerpflichtig. Bei Verträgen mit Kapitalwahlrecht ist - wie bei der Kapitallebensversicherung- die Auszahlung der Kapitalleistung steuerfrei, wenn der Vertrag 12 Jahre läuft und mindestens 5 Jahre Beiträge überwiesen wurden.

Aktien und Fonds: Zinsen und Dividenden sind meist steuerpflichtig, sobald sie den Sparerfreibetrag von 1.601 Euro für Ledige und 3.202 Euro für Ehepaare überschreiten.

Bei Aktien gilt als oberstes Gebot: Die Spekulationsfrist beachten. Bleiben die Wertpapiere mindestens ein Jahr im Depot, dürfen Anleger die Kursgewinne steuerfrei verbuchen. Ist die Zeit zwischen Kauf und Verkauf des Wertpapiers jedoch kürzer als ein Jahr, kassiert das Finanzamt mit. Nach dem neuen Halbeinkünfteverfahren müssen Aktionäre ihre Gewinne allerdings nur noch zur Hälfte versteuern. Dafür werden bei der Steuererklärung aber auch Verluste nur noch zur Hälfte angerechnet.

Wer die Dividendenpapiere als Altersvorsorge nutzt, für den ist die Einhaltung der Jahresfrist kein Problem. Schließlich setzt er auf ein langfristiges Investment und lässt die Papiere sowieso länger im Depot.

Im Unterschied zu Besitzern reiner Aktien müssen Fondssparer ihre Gewinne voll angeben. Dafür können sie aber auch ihre Verluste voll geltend machen.

Bei den Fonds entscheidet die Zusammensetzung über die Steuerbelastung. Bei Aktienfonds sind die Steuervorteile ähnlich wie bei reinen Aktien. Hält sich der Anleger an die Spekulationsfrist, sind die Kursgewinne steuerfrei. Die Dividende ist dagegen steuerpflichtig - bei deutschen Fonds zur Hälfte, bei ausländischen in vollem Umfang.

Die Zinsen, die bei Rentenfonds den größten Teil des Wertzuwachses ausmachen, müssen versteuert werden, wenn der Sparerfreibetrag überschritten wird.

Mischfonds, AS-Fonds (Altersvorsorge Sondervermögen) und Dachfonds werden unterschiedlich besteuert - je nach Gewichtung. Wird mehr in Rentenpapiere investiert, fallen steuerpflichtige Zinserträge an, setzt das Fondsmanagement eher auf Aktien greifen steuerfreie Kursgewinne.

Sparanlagen und verzinsliche Wertpapiere: Die Zinsen sind steuerpflichtig und zwar in dem Jahr, in dem sie gezahlt werden. Wird der Sparerfreibetrag von jährlich 1601 Euro für Singles und 3202 Euro für Verheiratete überschritten, müssen die Zinseinkünfte in der Steuererklärung angegeben werden.

Hat der Sparer keinen Freistellungsauftrag bei der Bank gestellt, zieht diese bei der Gutschrift 30 Prozent Zinsabschlagssteuer ab. Vorteil von Bundesschatzbriefen (Typ B), Finanzierungsschätzen des Bundes und Sparbriefen: Hier können Anleger die Zinseinnahmen auf später verschieben - wenn sie etwa im Ruhestand sind und weniger Steuern bezahlen müssen.

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