Altersvorsorge wird immer wichtiger, weil den staatlichen Sozialsystemen das Geld ausgeht
Die Rentenlücke zwingt zum Sparen

Europa hat ein neues Modethema: den dramatischen Bevölkerungsschwund. Das britische Wirtschaftsmagazin "Economist" widmete dem Thema vor einer Woche seine Titelgeschichte. Die Bank HSBC Trinkaus veranstaltete dazu vor kurzem eine Tagung, auf der Chefvolkswirt Stefan Schilbe vor "einem massiven Einbruch der Zahl der potenziell Erwerbstätigen in den nächsten 40 Jahren" warnte. Und der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) präsentiert auf seiner Internet-Leitseite (www.gdv.de) eine Dokumentation zum "Global aging" als Top-Thema.

DÜSSELDORF. Anders als bei vielen anderen Modethemen ist die Dramatik der Bevölkerungsentwicklung an nüchternen Zahlen abzulesen. Denn weil es schon heute zu wenig Eltern gibt, ist die künftige Kinderlücke gar nicht mehr zu verhindern. In Deutschland müssten rund 50 Prozent mehr Kinder geboren werden, um die Entwicklung stabil zu halten.

Die Experten streiten nicht darüber, ob die Bevölkerung schrumpft. Einigkeit besteht auch, dass dadurch die gängigen Sozialsysteme überfordert sind. Wichtig dabei: Dies gilt nicht nur für die Altersvorsorge, sondern zusätzlich für die Krankenversicherung.

Nicht zu verhindern ist dabei, dass die Schrumpfung der Bevölkerung tendenziell die Renditen der meisten Kapitalanlagen mindert. Wenn die staatliche Rente dereinst nicht mehr reicht und durch Aktienverkäufe aufgebessert wird, drückt das die Kurse. Wenn künftig immer weniger Menschen eine Wohnung benötigen, schwächt das den Immobilienmarkt. Umstritten ist allenfalls, wie groß diese Effekte sein werden.

Für private Anleger lässt sich aus der Diskussion nur die schlichte Erkenntnis ziehen: sparen! "Je früher, desto besser und je mehr, desto besser", wie Verbraucherberater Thomas Bieler sagt. Wer seine Altersvorsorge systematisch aufbauen möchte, muss dabei auf folgende Punkte achten: Rendite, Risiko, Kosten, Steuern und Flexibilität. Je nach Lebenssituation und Risikoneigung ergeben sich dabei ganz unterschiedliche Konzepte. Aber einige generelle Thesen lassen sich dennoch formulieren:

>> Für Selbstständige ist die klassische Lebens- oder Rentenversicherung aus steuerlichen Gründen unschlagbar, soweit sie Beiträge als Sonderausgaben abziehen können.

>> Die betrieblichen Wege der Altersvorsorge sind meist vergleichsweise kostengünstig und steuerlich vorteilhaft. Sie sollten daher in der Regel ausgeschöpft werden. Die meisten Angebote - Pensionskassen ebenso wie die so genannte Direktversicherung - bieten dabei eine recht risikoarme Anlage.

>> Die Riesterrente ist steuerlich relativ günstig und daher besser als ihr Ruf. Auch hier sollte man auf betriebliche Angebote achten.

>> Aktien sollten in der langfristigen Anlage durchaus eine Rolle spielen. Für die Risikobereitschaft der meisten Anleger dürfte ein Anteil von 50 Prozent am Wertpapierdepot aber schon reichlich sein.

>> Besonders kostengünstige Produkte sind Indexfonds (zum Teil als börsengehandelte Fonds, so genannte ETF: "Exchange traded funds") und Indexzertifikate. Sie bilden einen Aktienindex ab und streuen das Risiko besser als die Einzelanlage in Aktien.

>> Direktbanken verkaufen meist eine Fülle von Fonds mit Rabatt. Direktversicherer bieten dagegen nur ihre eigenen Lebensversicherungen an - dabei muss der Anleger aber nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Rendite achten.

>> Fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen sind steuerlich günstiger als reine Fondssparpläne. Sie sind aber weniger flexibel; außerdem lohnen sich nur sehr kostengünstige Angebote, weil sonst der Steuervorteil durch verdeckte Gebühren aufgewogen wird.

>> Wer einen Fonds kauft, sollte sich vorher die Wertentwicklung über einen sehr langen Zeitraum zeigen lassen. Bei Lebensversicherungen helfen nur Ratings, die jedoch häufig von ihrer Methode her sehr problematisch sind. Außerdem hängen die Ergebnisse auch von Marktentwicklungen ab: Zurzeit schneidet z.B. die Debeka gut ab, weil sie kaum auf Aktien gesetzt hat. Wenn Aktien dauerhaft zulegen, könnten andere Namen im Vordergrund stehen.

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