Altgesellschafter des Kölner Musikfernsehens vergrößern ihren Einfluss um 12,1 %
Edel Music verkauft seine Viva-Anteile

Die Spekulationen um einen Einstieg der RTL Group bei Kölner Musikfernsehen Viva sind beendet. Die zu Bertelsmann gehörende Senderfamilie erwirbt nicht die 12,1 % Anteile der angeschlagenen Edel Music AG. Statt dessen übernehmen Altgesellschafter von Viva um Dieter Gorny die Anteile.

KÖLN/HAMBURG. Die neu gegründete Investorengruppe Initiatoren Drei Kapitalbeteiligungs KG kauft den Anteil von 12,1 % Viva-Anteil des Hamburger Musikunternehmens Edel Music AG. Hinter der Gruppe stehen mehrere Privatinvestoren um den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Kölner Viva Media AG, Dieter Gorny. Dazu gehören die beiden Wiener Video-Regisseure Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, der Kölner Rechtsanwalt und Viva-Aufsichtsrat Helge Sasse sowie Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Zumkeller. Die Mitglieder der Kapitalbeteiligungsgesellschaften Initiatoren Eins und Initiatoren Zwei, die weitgehend identisch den Initiatoren Drei sind, besitzen schon jetzt 3,9 % bzw. 3,1 %.

"Die Verhandlungen wurden in wenigen Tagen abgeschlossen.", erklärte Unternehmenssprecher Andre Schirmer. Wie hoch der Kaufpreis für die 2,4 Mill. Aktien von Edel an Viva waren, darüber haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Ursprünglich hatte Edel-Vorstandsvorsitzender Michael Haentjes die Anteile im Herbst 1999 für rund 24 Mill. Euro erworben. Brancheninsider gehen davon aus, dass der 45-jährige Vorstandschef bei dem Verkauf an die Viva-Altgesellschafter einen leichten Gewinn gemacht habe. Haentjes hält selbst 71 % der Edel-Anteile.

Der Verkauf des Viva-Aktienpakets ist für die am Neuen Markt notierte Hamburger Edel Music eine Art Befreiungsschlag. Das konzernunabhängige Musikunternehmen verfügt nur noch bis Ende des Jahres über ausreichende Liquidität. Bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen erklärte Haentjes, dass es sich bemühe, weiteres Kapital von den Hausbanken Commerzbank und Hypo-Vereinsbank zu bekommen. Wie Edel Music gestern mitteilte, wie durch den Verkauf der Anteile an die Investorengruppe um Gorny und den daraus erzielten Gewinn mit einem "deutlich positiven Ergebniseffekt für das zweite Quartal 2001" gerechnet. Gleichzeitig würden sich durch den Deal die Bankverbindlichkeiten verringern, teilte der Vorstand des am Neuen Markt notierten Unternehmens mit. Ergebnisstarke Bereiche wie das US-Geschäft und Edel Records Europe sollen künftig stärker ausgebaut werden, so erklärte ein Firmensprecher gestern.

Durch die Abgabe der Edel-Aktien wurden bei Viva die Gesellschafterverhältnisse geklärt. Seit Monaten galt die börsennotierte RTL Group als Favorit für die Anteile von Edel. Durch die geplatzte Fusion der Bertelsmann Musik Group (BMG) und EMI war bereits ein eleganter Einstieg bei Viva geplatzt. Emi gehört mit 18,9 % zu den wichtigsten Gesellschaftern von Viva. Mit dem Verkauf der Gesellschafteranteile an die neu geschaffene Kapitalgesellschaft Initiatoren Drei um Vorstandsvorsitzenden Dieter Gorny bleibt der Bertelsmann-Konzern vorerst außen vor. Ob die Initiatoren Drei dauerhaft die Edel-Anteile behalten, gilt als unwahrscheinlich. Nun steht die Tür für neue Investoren offen. Eine andere Möglichkeit wäre, auch den Free Float zu erhöhen. Derzeit sind an der Börse 23,5 % frei handelbar. Das entspricht 4,65 Mill. Aktien.

Viva wurde 1993 gegründet und verbreitet seine beiden Programme Viva und Viva Zwei über Satellit und Kabel. Die Mediengruppe betreibt außerdem Sender in Italien, Ungarn, Polen, Österreich und der Schweiz. Zu den wichtigsten Gesellschaftern gehören neben Emi die Medienkonzerne AOL Time Warner (18,9 %) und Vivendi Universal (18,9 %). Die Viva-Gruppe rechnet bis zum Jahresende mit einem Umsatzanstieg auf 65 Mill. DM. Beim Ebitda wird eine schwarze Null angestrebt, heißt es aus dem Unternehmen. Viva gilt mit einer technischen Reichweite von 32 Mill. Haushalte in Deutschland als der Marktführer im Musikfernsehen.

Nach der Neuordnung der Gesellschafterverhältnis hat Vorstandsvorsitzender Dieter Gorny noch ein Problem zu lösen: Die Neupositionierung der verlustreichen Senders Viva Zwei. Klar ist, dass der Sender nicht mehr als reiner Musikkanal weiter bestehen wird. Im Frühjahr war darüber spekuliert worden, ob sich Viva Zwei zu einer Lifestyle-Plattform für die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wandeln soll. Spätestens bis zum August soll die neue Strategie öffentlich präsentiert werden. Ob eine neuer Partner an Bord geholt wird, ist noch unklar.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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