Altherren-Tour finanziell erfolgreich
Tennisgroßväter mit dem Sinn für Geschäfte

Die ATP-Senior-Tour war in den vergangenen Jahren vor allem in den USA erfolgreich. Nach der Rückkehr von Stich und Becker wird auch der deutsche Markt erschlossen. Großverdiener der Szene bleibt John McEnroe.

FRANKFURT. Es ist fast wie früher. Der Tenniszirkus hat seine Zelte in der Stadt aufgeschlagen, und Boris Becker feiert seinen Geburtstag auf dem Center-Court - mit Tausenden Fans als Gratulanten. Es ist das alte Spiel, es sind die alten Rivalen und Rituale. Und auch wenn die Bühne für die Jubel-Trubel-Party anno 2002 - zum 35. Geburtstag - in der Ballsporthalle ein klein wenig bescheidener ausfällt als in den großen Masters-Zeiten, spürt Seniorenspieler Boris Becker doch das vertraute Kribbeln im Bauch: "Ich werde bestimmt wieder eine Gänsehaut kriegen", sagt Becker, der am Geburtstagsabend zur Abendshow antritt gegen den französischen Spaßmacher Henri Leconte.

Der heilige Ernst früherer Tennistage ist vorüber für Boris Becker, für Michael Stich und Charly Steeb und für die fünf anderen Altstars, die an diesem verlängerten Wochenende zum ATP-Senior-Tour-Wettbewerb in Frankfurt gastieren. Doch blamieren und verlieren will auch keiner der älteren Herren in kurzen Hosen, aus jener vornehmen Tingeltruppe mit immerhin fünf Grand-Slam-Siegern (Becker, Stich, McEnroe, Wilander und Korda): "Wir sind einfach so gepolt, dass wir nicht gerne geschlagen vom Platz gehen", sagt Becker, "nur tut es eben längst nicht mehr so weh wie früher."

Nach dem jähen Abgang von Jimmy Connors war John McEnroe lange Zeit die Galionsfigur des Altherren-Zirkus, den die Spielergewerkschaft ATP mit Privatinvestoren vor knapp zehn Jahren begründet hatte. Die berühmten Tennis-Opas feiern seit Jahren durchschlagende Erfolge in Amerika, Asien und im arabischen Raum. Besonders für McEnroe und Björn Borg waren die Revival-Duelle lukrativ: Pro Saison kassierten beide rund eine Million Dollar an Spiel- und Antrittsprämien - Matches außerhalb der Tour werden natürlich extra entlohnt.

Von McEnroe kann der Unternehmer Becker viel lernen. Der Amerikaner ist ein gewiefter Geschäftemacher, der sich in seinen vielfältigen Funktionen stets lohnend im Gespräch hält. Als Werbe-Ikone, die in Amerika mehr mit Reklame verdient als jeder aktive Tennisstar, als Kommentator für mehrere TV-Kanäle, als Partner und Gesellschafter von Ausrüstungsunternehmen und letztlich als Altherren-Star wirkt McEnroe wie eine Blaupause für ein mögliches Erfolgsmodell nach der aktiven Karriere. "Einen sehr cleveren Burschen" nennt Becker seinen alten Weggefährten, der mit geschätztem Jahreseinkommen von fünf Millionen Dollar auch noch in den Top Fünf der aktiven Profis landen würde.

Nicht nur McEnroe kommt die Wiederkehr von Becker, Stich, Wilander und Edberg wie gerufen. "Das ganze Senior-Tour-Tennis stand auf der Kippe", sagt ein hoher ATP-Funktionär, "aber jetzt ist wieder frisches Blut drin." An der ehemaligen Hackordnung hat sich dabei nicht viel geändert: Becker und McEnroe sind die Häuptlinge, die pro Turnier mit Antrittsgagen um die 50 000 Dollar rechnen dürfen, es folgt Stich als Oberindianer, dann der Rest.

In Deutschland hat Stichs Rückkehr das mittlerweile florierende Geschäft mit der Nostalgie kräftig belebt. Schon in Berlin war der Klassiker Becker- Stich, zu dem es morgen wieder kommt, als Schaumatch ein voller Erfolg. Auch für Stich, der von Beckers Agentur BCI als Vertragspartner verpflichtet wurde und eine ordentliche Garantiesumme kassierte.

Beim von Becker vermarkteten Rothenbaum-Turnier 2003 soll gar ein Oldie-Länderkampf zwischen Deutschland und den USA (alternativ Schweden) die Massen schon lange vor dem eigentlichen Masters-Wettbewerb auf das Gelände ziehen.

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