Aluminium-Konzern baut Werk in Südafrika
Pechiney plant behutsame Expansion

Der französische Aluminium- und Verpackungsriese peilt erstmals seit zwei Jahren wieder eine größere Transaktion an. Doch Probleme mit dem Kartellamt bremsen das gewünschte Wachstum.

PARIS. Frankreichs Aluminium- und Verpackungskonzern Pechiney S.A. erwartet, dass er in Kürze die Aluminiumsparte des niederländisch-britischen Metallkonzerns Corus Plc. übernehmen kann. "Für uns wäre das schon eine große Akquisition", sagt Pechiney-Vorstandschef Jean-Pierre Rodier im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Besonders im Geschäft mit der Autoindustrie würde der Deal den Weltmarktvierten Pechiney stärken, meinen Analysten. Hersteller wie Audi dürften die Anbahnung des Deals, bei dem bisher außer Pechiney noch keiner der großen Konzerne öffentlich eine Gegenofferte angekündigt hat, mit Argusaugen beobachten, glaubt einer von ihnen.

Rodier hat sich bisher nicht auf einen Höchstpreis für den Kauf festgelegt. Größere Transaktionen als Mittel der Unternehmensentwicklung lehnt er ohnehin ab. "Wir sind immer für unser Zögern bei Käufen kritisiert worden", sagt er. "Heute bedauern wir das nicht."

So ist er nicht bereit, für die Corus-Sparte eine strategische Prämie zu zahlen. Rodier geht davon aus, dass Pechiney die Transaktion, die dem Unternehmen rund ein Fünftel Kapazitätszuwachs brächte, aus dem Cash flow finanzieren könnte.

Die Chancen dafür schwinden allerdings: Denn Pechiney, deren Aktie seit Januar mit einem Minus von 20 % weit weniger nachgegeben hat als der Pariser Leitindex Cac 40, leidet unter der Entwertung des Dollars, in dem Aluminium abgerechnet wird. Da sich das voraussichtlich so bald kaum ändern wird, ist Dexia Securities skeptisch für die Gruppe.

So zog Pechiney aus einem gegenüber dem Vorjahr um 10 % gestiegenen Konzernumsatz von 6,2 Mrd. ? nur 241 Mill. ? betriebliche Erträge, ein Fünftel weniger als ein Jahr zuvor. Für das zweite Halbjahr erwartet Rodier einen Ergebniseinbruch. So wird auch das Jahresergebnis den Überschuss des Vorjahres von 233 Mill. ? wohl verfehlen, was Pechiney eine Verkaufsempfehlung von ABN Amro einbrachte.

Immerhin unterschreitet die Gruppe nicht die Analystenprognosen. So löste der Aktienkurs des mit 3,3 Mrd. ? bewerteten Konzerns nach der Ergebnispräsentation keinen Alarm bei den zu 40 % amerikanischen Anlegern aus - der Kurs blieb in einem steigenden Markt bei knapp 40 ? nahezu stabil.

Für den Zukauf bei Corus wären zudem Kartellprobleme zu lösen, vor allem bei den Alu-Verkäufen an die Luftfahrtindustrie. Davon wäre laut Rodier vor allem das Corus-Werk Koblenz betroffen. Pechiney selbst ist in Deutschland unter anderem mit Presswerken in Burg, Crailsheim und Landau vertreten.

Mit den Wettbewerbshütern hat Rodier keine guten Erfahrungen gemacht. Vor zwei Jahren hatte die EU-Kommission die Fusion von Pechiney mit der Alcan Inc., Montreal, und der Schweizer Alusuisse AG untersagt. Rodier: "Wir haben 18 Monate gebraucht, um uns davon zu erholen."

Dann kam die deutsche VAW Aluminium-Gruppe an den Markt. Die Franzosen unterbreiteten gar nicht erst eine Offerte. "Da waren dieselben Kartellprobleme absehbar wie bei der Dreierfusion", sagt Rodier. VAW ging an die norwegische Norsk Hydro AS, die dadurch nach Alcoa Inc. und Alcan Nummer drei am Weltmarkt wurde.

So sieht der Pechiney-Boss in seiner Branche kaum noch Möglichkeiten für externes Wachstum. "Die Wettbewerbsbehörden weltweit haben offenbar beschlossen, dass die Konsolidierung in unserer Industrie weitgehend abgeschlossen ist."

Daher setzte Rodier frühzeitig auf Partnerschaften. So strebt er Joint Ventures an, bei denen Pechiney stets rund 40 % des Kapitals und die industrielle Führung beansprucht. Paradebespiel dafür ist ein für 2005 geplantes Werk in Südafrika, von dessen 1,8 Mrd. $ Investitionen auf Pechiney nur ein Bruchteil entfällt. "Das gibt uns einen gewaltigen Hebeleffekt für unseren Einsatz", sagt Rodier.

Wichtig ist ihm auch die gute Kostenposition der Pechiney-Werke im Wettbewerbsvergleich und die Marktposition in den wichtigsten Kernaktivitäten, auch angesichts der Aluminium-Überkapazitäten in der Welt. Dazu kommt die ausgeglichene Präsenz, die den amerikanischen Konkurrenten ebenso fehlt wie den Norwegern. "Vielleicht sind wir die einzigen, die sowohl in Europa als auch in den USA stark sind", bestätigt Rodier.

Quelle: Handelsblatt

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