Am 11. Juni gibt es einen Zwischenbericht
Analysten spielen mit Nokia Jojo

Der Kurs der Nokia-Aktie erreichte am Donnerstag den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Allein seit Jahresbeginn ist der Titel um 51 % gefallen. Zuletzt hat UBS Warburg das Kursziel auf 20 Euro gesenkt, US Bankcorp geht sogar auf 18 Euro herunter.

STOCKHOLM. Das Muster ist nicht neu: Der finnische Telekommunikationsriese Nokia kommt am 11. Juni mit seinem sogenannten Mid-Quarter-Update, einer Zwischenbilanz zwischen den Quartalsberichten, und einige Tage zuvor beginnt es kräftig zu brodeln in der Gerüchteküche. Gewinnwarnung, Umsatzeinbußen, Verlust von Marktanteilen - das Kurs drückende Vokabular einiger amerikanischer Investmentbanken kennt kaum Grenzen.

So war es beim vergangenen Mal, so ist es jetzt erneut geschehen. Der Kurs der Nokia-Aktie erreichte am Donnerstag den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Allein seit Jahresbeginn ist der Titel um 51 % gefallen. Zuletzt hat UBS Warburg das Kursziel von 24 auf 20 Euro gesenkt, US Bankcorp geht sogar auf 18 Euro herunter, spricht gleichzeitig aber eine Kaufempfehlung aus. "Wir kennen das schon. Gerade die amerikanischen Investbanken sind sehr schnell dabei, wenn es um eine Veränderung ihrer Prognosen für ein Unternehmen gibt", sagt ein Analyst in Stockholm, der nicht ausschließen will, dass kurzfristige Geschäfte die Bewertungen steuern können. Fakt ist, dass die volatile Entwicklung des Papiers stets vor dem "Mid-Quarter-Update" deutlich zunimmt. Nach dem tiefen Fall am Donnerstag gehörte die Aktie am Freitag mit einem Plus von zeitweise 8 % zu den Gewinnern.

Dass der finnische Konzern kurz vor seiner neuen Prognose am 11. Juni Anleger mit einer Gewinnwarnung schockieren könnte, wird von Analysten als höchst unwahrscheinlich angesehen. Johan Strandberg von der Deutschen Bank in Stockholm kann sich allenfalls vorstellen, dass Nokia seine relativ breit angelegte Prognose über das Umsatzwachstum von 4 bis 9 % im laufenden Jahr an das untere Ende der Bandbreite korrigieren wird. "Im Netzwerkbereich ist auch eine richtige Korrektur möglich", so Strandberg. In dieser Sparte, die besonders unter der zurückgegangenen Investitionsbereitschaft der großen Telekom-Konzerne leidet, war Nokia noch im April von einem Wachstum von 0 bis 5 % für das laufende Jahr ausgegangen.

Nahrung hatten die Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung durch Berichte über einen vermeintlichen Verlust von Marktanteilen des größten Handy-Herstellers der Welt erhalten. So geht Gartner Dataquest in seiner jüngsten Analyse des Mobilfunkmarktes von einem 34,7 %igen Handy-Weltmarktanteil der Finnen aus. Das wäre ein leichter Rückgang um gut zwei Prozentpunkte. Nokia selbst hatte zuletzt immer wieder betont, dass die Rentabilität wichtiger sei, als die Verteidigung von Marktanteilen. Während die meisten anderen Handy-Produzenten rote Zahlen schreiben, kam Nokia im ersten Quartal dieses Jahres noch auf eine Marge von 22,2 %.

Viele Analysten in Nordeuropa halten die Nokia-Aktie für eindeutig unterbewertet. Eines wird am Beispiel Nokia deutlich: Die Kennzahlen der neuen und der alten Ökonomie nähern sich immer mehr an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist von gut 50 in den vergangenen Jahren auf inzwischen 19 gefallen.

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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