Am 26. April wird die gebürtige Berlinerin 60 Jahre alt
Regine Hildebrandt: Eine Frau der klaren Worte

Regine Hildebrandt bereut nichts. "Nein, ich würde heute nichts anders machen, als ich es gemacht habe." Hildebrandt muss nicht lange nachdenken, um solche Sätze auszusprechen. Aufrichtigkeit und das "Herz mit Schnauze" machten sie innerhalb weniger Jahre nach der Wende zu einer der beliebtesten Politikerinnen Deutschlands.

dpa POTSDAM. "In den 50er Jahren haben wir in der jungen Gemeinde immer gesungen: Heiß oder kalt, ja oder nein, niemals dürfen wir lauwarm sein", erzählt die promovierte Biologin lachend. Danach hat sie sich auch gerichtet, als ihre brandenburgische SPD 1999 nicht ihrem Werben für einen Koalitionspartner PDS folgte und sich für die CDU entschied. Neun Jahre war sie in Potsdam Sozialministerin, doch diesen Kompromiss wollte sie nicht mittragen.

"Ich habe mich eigentlich nie für Politik interessiert"

"Ich habe mich eigentlich nie für Politik interessiert", erzählt sie. "Das kam nur durch die Wende. Das war die Einsicht in die Notwendigkeit: Wenn nun etwas anders werden soll, müssen das auch andere Leute machen." Im Oktober 1989 trat sie der frisch gegründeten sozialdemokratischen Partei bei. "Bei der Gründung der SPD in Berlin waren wenige aus dem Bezirk Mitte da. Meine Schwägerin wurde in den Landesvorstand gewählt. Mein Mann war bei dem Runden Tisch Medien und als die Volkskammerwahlen kamen, hatte ich noch nüscht und da war ich dann fällig."

Von April bis August 1990 war sie Ministerin für Arbeit und Soziales in der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziere (CDU). "In der Wendezeit hatten wir die Illusion, man könnte wirklich was Neues gestalten. Aber dann sind die Vorstellungen in kürzester Zeit zerfallen." Damals seien für sie die 35 000 Arbeitslosen im Osten eine Katastrophe gewesen. "Zehn Jahre später hatten wir eine Million. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt." Von 1990 bis 1999 war sie im Potsdamer Kabinett von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD).

"Ich habe keine Angst vor dem Tod"

Im Juli 1996 wurde Hildebrandts Brustkrebserkrankung bekannt. Schon einen Monat nach ihrer Operation nahm die begeisterte Sängerin der Berliner Domkantorei trotz Chemotherapie und Bestrahlungen ihre Arbeit im Ministerium wieder auf. Für eine völlige Heilung war der Krebs aber schon zu weit fortgeschritten.

Seit einigen Wochen muss sie sich erneut einer Chemotherapie unterziehen. In einem Interview warb Hildebrandt kürzlich für ein selbstbestimmtes Sterben und sorgte damit für Furore. "Ich habe keine Angst vor dem Tod, höchstens vor einem qualvollen Sterben."

"Wir sind doch alle Deutsche"



Die tiefen Gräben zwischen Ost- und Westdeutschen bedrücken sie noch immer. "Ich bin immer traurig, wenn die Leute sagen: 'Ach hören Sie doch auf mit Ost und West, wir sind doch alle Deutsche.' Also so kann man Probleme nicht lösen." Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass man unterschiedlich ist, warum man unterschiedlich ist und dann eine Strategie erarbeiten, wie man wieder zusammenkommt.

"Mit dem Begriff 'Mutter Courage' verbinde ich die Vorstellung von einer couragierten Frau, die ihre Kräfte einsetzt, um die anstehenden Probleme anzugehen und zu lösen und dadurch möglichst vielen anderen zu helfen." Das sei ein Ehrentitel, in dem sie sich wiederfinde. Deutschlands Frau des Jahres 1991 wurde mehrmals für das ausgezeichnet, was die Menschen nicht nur im Osten an ihr schätzen: Aufrichtigkeit, Engagement und Unabhängigkeit.

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