Am Anleihemarkt entzücken 30-jährige Unternehmensbonds die Investoren
Großinvestoren lieben Langläufer

Momentan sind vielen Emittenten am Anleihemarkt die Laufzeiten kaum lang genug - mit ihren 30-jährigen Bonds treffen sie auf begeisterte Investoren. Doch die höhere Verzinsung bringt mehr Risiko.

FRANKFURT/M. 1973 - das war das Jahr der Ölkrise, die USA beendeten den Vietnamkrieg, und in der Bundesrepublik herrschte Vollbeschäftigung. Wer damals einem Unternehmen sein Geld für eine 30-jährige Anleihe geliehen hätte, der würde nun sein Geld zurück erhalten - sofern der Emittent noch existiert.

Zum Jahresauftakt gab es am europäischen Markt für Firmenanleihen ein Novum zu besichtigen: Mit den Telekomkonzernen France Télécom, Deutsche Telekom und Olivetti sowie dem Versorger RWE haben die ersten europäischen Firmen 30-jährige Bonds begeben. Versicherungen, Pensionskassen und Fonds sind begeistert eingestiegen und polieren mit den vergleichsweise hohen Kupons die Renditen ihrer Portfolios auf. Die Experten erwarten Emissionen weiterer Firmen-Langläufer - und raten bei Unternehmen mit längerer Historie und gutem Namen zum Einstieg. Investoren sollten die Risiken aber nicht unterschätzen.

In der vergangenen Woche war RWE der erste europäische Versorger, der eine 30-jährige Anleihe an den Markt gebracht hat. Die Investoren rissen sich um die Bonds: Das Volumen der Emission wurde von 500 Mill. auf 750 Mill. aufgestockt, die Nachfrage lag bei über 3 Mrd. . "In Deutschland ist das Volumen der Emission zu 90 Prozent an Versicherungen, Pensionskassen und Fonds gegangen", sagt Kristian Klasen, Leiter des Bereichs Institutional Sales bei ABN Amro, die gemeinsam mit Morgan Stanley und der Hypo-Vereinsbank das Konsortium geführt hat. Das niedrige Zinsniveau macht die Bonds für Versicherungen besonders attraktiv. Auch die steile Zinskurve zwischen den Laufzeitbereichen zehn und dreißig Jahre kommt den Investoren entgegen: So hat die 30-jährige Anleihe der Deutschen Telekom einen Kupon von 7,5 %, die der France Télécom einen von 8,125 % und die der RWE einen von 5,75 %. Die Versicherer investieren gerne in die gut verzinsten Langläufer, um mit den höheren Kupon-Zahlungen ihren Prämien-Verpflichtungen gegenüber den Versicherten nachzukommen und über längere Zeiträume zu planen. Schon bei den Langläufern von Olivetti und France Télécom hat sich dieser Trend abgezeichnet. Auch RWE habe mit der Emission auf die Zielgruppe Versicherer und Pensionskassen abgezielt, sagt Klasen.

Die Experten der Versicherungs-Kapitalanlagegesellschaft Meag waren allerdings wenig begeistert. Sie betonen die Risiken 30-jähriger Bonds. Nach Angaben eines Sprechers hat sich die Meag aufgrund der "erheblichen Risiken so gut wie gar nicht" an den neuen Emissionen beteiligt. Kritiker betonen, dass für so einen langen Zeitraum niemand abschätzen könne, wie sich Zinsniveau und Inflation entwickeln. Auch das Ausfallrisiko ist nur schwer abzuschätzen.

Überzeugt haben die Bonds hingegen Peter Saß, als Fondsmanager bei der DWS mit verantwortlich für 2 Mrd. in Unternehmensanleihen angelegte Gelder. Er rechnet in Kürze mit weiteren 30-jährigen Bonds. Das Segment sei in Europa im Vergleich zu den USA unterentwickelt. Saß erwartet weitere Emissionen von Versorgern und auch Banken. "In den USA haben auch Auto-Hersteller 30-jährige Anleihen begeben, doch dafür ist die Stimmung momentan zu unsicher", sagt er. Hätten die Investoren aber keine großen Bedenken bezüglich der Überlebenschancen der Firmen, seien 30-jährige Bonds in der jetzigen Marktlage "ein perfektes Investment". Schließlich gebe es für zehnjährige Bundesanleihen gerade einmal rund 4 %, für Pfandbriefe rund 4,3 %. So sei die DWS bei allen vier Emissionen der 30-jährigen Firmenbonds dabei gewesen. Allerdings sehe die Fondsgesellschaft ihre Engagements kurzfristiger als die Versicherer - und nehme Kursgewinne eher mit. Über die Entwicklung der neuen Langläufer kann sie sich nicht beklagen: Der Kurs der 30-jährigen Anleihe von France Télécom stand am gestrigen Montag bei 103,74 %, ausgegeben wurde er zu 99,34 %.

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