Am Donnerstag tagt der EZB-Rat
Unklare Zinssignale aus der Euro-Bank

Die Europäische Zentralbank hält die Märkte in Atem: Dass sie die Zinsen senken wird, ist für die meisten Fachleute klar. Die Frage ist nur, wann. Hoffnungen auf einen Zinsschritt bei der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag hat EZB-Präsident Wim Duisenberg einen Dämpfer verpasst. Er will erst niedrigere Inflationsraten sehen.

mak FRANKFURT/M. Selbst wenn sich die Europäische Zentralbank (EZB) noch ziert: Die nächste Zinssenkung steht bevor. Sie ist nach Ansicht des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nur noch eine Frage des richtigen Zeitpunktes. Die schwindende Hoffnung auf eine schnelle Belebung der Weltwirtschaft, die düstere Bewertung der europäischen Konjunktur und der geringe Spielraum der Fiskalpolitik ließen dem EZB-Rat keine andere Wahl. Bereits im Januar könnte der Mindestbietungssatz bei 3,0 % und damit 75 Basispunkte niedriger als heute liegen.

Die Einschätzung des ZEW beruht auf einer Umfrage bei Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen, an der sich in der ersten Oktoberhälfte mehr als 300 Analysten beteiligten. Genährt werde die Zinssenkungserwartung der Experten von der schnell fallenden Inflationsrate, erläutert das ZEW. Da die meisten Fachleute davon ausgingen, dass beim Öl das Ende des Preisverfalls erreicht sei, lasse sich die Erwartung weiter fallender Inflationsraten nur mit der pessimistischen Einschätzung der Weltkonjunktur erklären.

Im September ist die Teuerung im Euro-Raum gegenüber dem Vormonat von 2,7 % auf 2,5 % gefallen. Im Mai hatte sie in der Spitze 3,4 % betragen. Die EZB erwartet, dass sie Anfang kommenden Jahres unter 2 % fällt.

Ob der EZB-Rat den kommenden Donnerstag bereits als den richtigen Zeitpunkt für eine Zinssenkung ansieht, ist schwer einzuschätzen. Die DGZ-Dekabank etwa erwartet einen Zinsschritt um 25 Basispunkte. Der starke Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex sei ein Hinweis darauf, dass sich die Lage stärker eingetrübt habe als gedacht. Auch der EZB-Monatsbericht für Oktober war weithin so verstanden worden, dass die Notenbank den Boden für niedrigere Zinsen bereitet. Zudem hatte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing die Inflationsdaten für September als "ermutigend" bezeichnet.

EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans erklärte dagegen das derzeitige Leitzinsniveau für angemessen. Es beeinträchtige das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum nicht. Der Einbruch des Ifo-Geschäftsklimaindex bestätige nur die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Auch der EZB-Präsident ließ am Wochenende wieder Zweifel an einer unmittelbar bevorstehenden Zinssenkung aufkommen. Spielraum für weitere geldpolitische Maßnahmen sehe er dann, wenn die Inflation schneller als bisher erwartet zurück gehe, sagte Wim Duisenberg in Gent.

Bewirken könnte dies nach Ansicht von Ulrich Beckmann, Leiter Europa-Research der Deutschen Bank, ein weiterer Rückgang des Ölpreises. Der schlage schnell und deutlich auf die Verbraucherpreise durch. Zwar sei Öl mit gut 20 Dollar pro Barrel schon sehr billig. Ein Preisrückgang um weitere 10 % sei aber nicht auszuschließen.

Günstig, wenn auch im Rahmen der Erwartungen, dürften die vorläufigen Daten zur Preisentwicklung in Italien und Deutschland ausfallen, die noch vor der Sitzung des EZB-Rates zur Veröffentlichung anstehen. In Italien soll die Inflationsrate im Oktober gegenüber September von 2,6 % auf 2,4 % fallen und in Deutschland von 2,1 % auf 2,0 % zurückgehen. Von den Basiseffekten her ist erst im Spätherbst aufgrund des Ausklingens der Preisfolgen des BSE-Skandals ein leicht positiver Effekt zu erwarten. Die in Deutschland zu Jahresbeginn geplanten Steuererhöhungen werden das Preisniveau erhöhen.

"Eigentlich dürften wir im Zusammenhang mit der Geldpolitik gar nicht über die aktuellen Inflationsraten reden", meint Beckmann. Zinsschritte wirken mit großer zeitlicher Verzögerung, und die EZB betont immer wieder, dass sie eine vorausschauende Geldpolitik betreibt. Im vergangenen Jahr seien die Währungshüter aber dreimal überrascht worden: von steigenden Ölpreisen, BSE und der Maul- und Klauenseuche. "Von daher muss man verstehen, dass die aktuelle Inflationsrate für sie auch von Bedeutung ist." Sie werde wohl als mitprägend für die Inflationserwartungen angesehen.

In Atem hält die EZB den Geldmarkt. Aufgrund des Bieterstreiks beim Tender vor vierzehn Tagen fehlt am Markt Liquidität. Trotzdem schließen Händler einen erneuten Bieterstreik nicht aus. Es sei eben möglich, dass die EZB doch die Zinsen senke.

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