Am Freitag nochmal steil nach oben
Wall Street nachbörslich: Kursfeuerwerk zum Quartalsende?

Zwei Tage lang schlossen die US-Börsen deutlich stärker als erwartet, und ein Blick auf den Chartverlauf seit Mittwochmittag legt nicht eben den Verdacht nahe, dass gerade der größte Finanzskandal der amerikanischen Geschichte geplatzt ist. Binnen weniger Handelsstunden haben sich die großen Indizes von ihren Tiefständen mehr als erholt: Der Dow hat mehr als 3 %, die Nasdaq gut 5 % zugelegt.

wsc NEW YORK. Und am Freitag dürfte es noch einmal steil nach oben gehen. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen wird der Russell-Index, eines der breitesten Marktbarometer, umgeschichtet. Index-bezogene Fonds müssen entsprechend ver- und zukaufen.

Außerdem ist am Freitag nicht nur Wochenschluss, sondern auch das Ende vom Quartal. Bislang fällt die Bilanz der Anleger - auf die vergangenen drei und sechs Monate bezogen - nicht gut aus: Der Dow Jones hat nach einem Plus von 4 % im ersten Quartal ein Minus von 11 % eingefahren und notiert aktuell fast 8 % unter dem Januar-Stand. Noch schlimmer hat es die High-Tech-Werte erwischt: Die Nasdaq hat nach einem Minus von 6 % im ersten Quartal noch einmal 21 % draufgelegt und damit seit Jahresbeginn ein Viertel an Wert verloren. Mit einem Minus von 14 % notiert der marktbreite S&P 500 mittendrin.

Nun ist "Window Dressing" angesagt, das heißt, Fondmanager werden ihre Portfolios aufräumen, sich von den Leichen trennen, Gewinner nachkaufen. Das Handelsvolumen dürfte deutlich höher sein als in den vergangenen Wochen und einige Aktien könnten derart stark zulegen, dass... ja, dass sich schon wieder die Frage stellt, wie lange der Markt die Rallye halten kann. Denn von fundamentalem Optimismus und einem grundsätzlichen Vertrauen in die Börse kann selbstverständlich nicht gesprochen werden.

So streiten sich die Experten vorab. Manche sehen den Markt am Freitag in die Höhe schießen und bereits am Montag zusammenbrechen, andere erwarten nach steigenden Kursen zum Quartalsschluss die wirkliche Rallye erst in der kommenden Woche - und den totalen Einbruch danach. Von einem anhaltenden Run auf Aktien spricht indes niemand. Das Bild eines Kursfeuerwerks war nie treffender, denn die Kurse dürften steigen, leuchten - und rasch verglühen.

Das ist nicht verwunderlich, nachdem Berichte kursieren, die "mindestens 20 weitere Bilanzskandale bis Ende des Jahres" versprechen, und nachdem am Donnerstag vor lauter Marktnervosität der Handel mit der Aktie von General Motors aufgrund völlig unbegründeter Gerüchte ausgesetzt werden musste.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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